Tagblatt Online, 09. Juni 2012 01:05:00
Anspruchsvolles für junge Spieler
Der St. Galler Komponist Alfons K. Zwicker. (Bild: Archivbild: Ralph Ribi)
ARBON. Der St. Galler Komponist Alfons K. Zwicker hat sein kompositorisches Schaffen um Stücke erweitert, die Jugendliche einladen, sich auf moderne Klangsprache einzulassen. Die Werke werden an der Musikschule Arbon uraufgeführt.
MARTIN PREISSER
Alfons K. Zwicker ist als Komponist bekannt, der intensive, geistig herausfordernde Partituren schreibt und sich mit seiner Musik auch an tiefere Seinsfragen heranarbeitet. Zwicker, unlängst in St. Gallen zum 60. Geburtstag mit einem Contrapunkt-Konzert geehrt und mit seiner Oper «Der Tod und das Mädchen» nachhaltig hervorgetreten, ist auch Klavierpädagoge an der Musikschule Arbon.
Seine neuen Kompositionen für junge Spielerinnen und Spieler waren eigentlich letzten November anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Musikschule für eine Uraufführung vorgesehen. Der Termin hat sich um ein halbes Jahr verschoben; die für die Schüler und ihre Lehrkräfte in der Erarbeitung anspruchsvollen Partituren waren mit ein Grund. Für nächsten Mittwoch sind die Musikschülerinnen und -schüler jetzt aber startbereit, um fünf Werke Zwickers aus der Taufe zu heben. Und der Komponist ist begeistert vom Engagement und der Durchhaltekraft der Jugendlichen.
Geistigen Aspekt verankern
Gute Musik mit Tiefgang und Gehalt für junge Spieler zu schreiben ist für jeden Komponisten eine echte Herausforderung. Alfons K. Zwicker verfolgt in seinen neuen Werken gleich mehrere ihm wichtige Aspekte. Die Musik soll neue Klangästhetik und erweiterte Spieltechniken beinhalten, Schüler mit Ungewohntem konfrontieren und sie dennoch zu Neugier und Entdeckerfreude verführen. Und nicht zuletzt ist es dem St. Galler Tonsetzer wichtig, in den Stücken auch einen «menschlichen und geistigen Aspekt zu verankern, um damit den Zugang zur seelischen Erfahrung und zum menschlichen Sein jenseits von den reduzierten Codes zu ermöglichen». Konkret heisst das etwa, dass in Zwickers «Zürcher Trio» afrikanische Spielweisen verlangt werden, mit denen Schülerinnen und Schüler rhythmisches Neuland betreten können. Ein Satz dieses Trios für Flöte, Gitarre und Klavier ist mit «Gebet» überschrieben. Hier lässt Zwicker jüdische Synagogengesänge auf christliche Choräle treffen – auch das eine kulturelle Entdeckungsreise für junge Interpreten.
Gegen die Verflachung
Mit Kompositionen für Jugendliche will sich Zwicker eben gerade nicht anbiedern, sondern mit seiner Musik sozusagen zwischen den Zeilen Stellung beziehen gegen die allgemeine Verflachung – auch im Bereich der Musikpädagogik: «Mir ist es wichtig, dass die jungen Menschen Befriedigung aus der Arbeit mit meinen Kompositionen ziehen, in dem Sinne, dass sich ihnen durch ihre Eigeninitiative neue und nicht nur musikalische Welten eröffnen.»
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