Tagblatt Online, 09. Juni 2012 01:05:00
Aller guten Dinge sind fünf
Götz und Gast: Thomas Götz unterhält sich mit Nationalratspräsident Hansjörg Walter – auch über Ferien in der Wüste. (Bild: Nana do Carmo)
WEINFELDEN. In seinem Programm «Ergötzliches» hat Schauspieler und Kabarettist Thomas Götz auch Gäste befragt. Wir haben den Spiess umgedreht und die Gäste nach Thomas Götz befragt. Aber nicht nur danach, auch nach Goethes Götz.
DIETER LANGHART
Fünfmal hat die Bühni Wyfelde zu «Ergötzliches» am ersten Donnerstag des Monats eingeladen, fünfmal hat Thomas Götz sich selber gespielt und den Napoleon und den parteilosen Kantonsrat Arnold Schnyder, fünfmal hat er sich mit einem oder zwei Gästen unterhalten oder gleich mit dem Regierungsrat in corpore. Statistisch gesehen waren das fünf satirische Abende mit durchschnittlich zwei Gästen und ungefähr 100 Zuhörern. Neun Fragen haben wir zehn Gästen gestellt; vier haben geantwortet.
Ergötzliches und Götzen
Was ist Ihnen kürzlich passiert, das Sie ergötzt hat? Kurz und sec Leopold Huber, Intendant des See-Burgtheaters: «Astrid als Frida.» Der Journalist und Exil-Thurgauer Urs Paul Engeler: «Die Zusendung von <Thurgauer Möckli>. Sonst nichts; ich habe mit Bundespolitik zu tun.» Regierungsrat Claudius Graf-Schelling: «TZ-Redaktor Marc Haltiner erklärte unlängst, ich sei aus dem Verwaltungsrat der Gebäudeversicherung zurückgetreten. Es ist tröstlich, dass sich auch Journalisten gelegentlich irren.»
Kurz kamen die Antworten zu Welche Götzen würden Sie niemals anbeten? Rechtsanwalt Robert Fürer nennt den «Götzen Mammon», Engeler das «Goldene Kalb: das würde ich versilbern.» Huber («niemals keine») und Graf-Schelling («alle») sind sich einig.
Götz und seine Rollen
Welche Rolle von Thomas Götz mögen Sie am besten? «Wenn Thomas Götz sich selbst spielt», sagt Fürer; den Archetypus Napoleon mögen Huber und Graf-Schelling; Engeler den «Kantonsrat Arnold Schnyder; er taucht übrigens in mehreren Exemplaren auch im National- und Ständerat auf, sogar weiblich.»
Die Gäste waren die ersten 90 Minuten auch Zuhörer. Also fragten wir: Etwas, das Ihnen am Programm «Ergötzliches» sehr gefallen hat? Selbstbewusst Engeler: «Das Interview mit mir.» Ergriffen Huber: «Die vielen Leute.» Erstaunt Fürer: «Fünfmal ausverkauft.» Salomonisch Graf-Schelling: «Das überraschende Unerwartete.» …und etwas, das Ihnen weniger gefallen hat? Sich scheinbar wiederholend Fürer: «Fünfmal ausverkauft.» Kritisch Engeler: «Napoleon war früher genial; heute wirkt er etwas lehrerhaft.» Erleichtert Graf-Schelling: «Tanzende Regierungsräte.» Wie viele der fünf Abende haben Sie als Zuschauer besucht? Fürer, Huber und Graf-Schelling nur einen; Engeler hätte einen weiten Weg aus Bern gehabt: «Ich wurde nur zu meinem eigenen Auftritt eingeladen.»
Nun weiten wir den Fokus aus. Was brauchte die Thurgauer Kultur neben «Ergötzlichem» ganz dringend? Die Antworten liegen zwischen lustvoll (Fürer: «Erheiterndes») und nicht ganz uneigennützig (Huber: «Seebühne Kreuzlingen»), und sie reichen bis zum Nicht-Eingriff (Engeler: «Weniger <Kultur>, mehr privates Tun»; Graf-Schelling: «Jedenfalls keine Ratschläge von meiner Seite»).
Kulturamt und Kreuz
…und worauf könnten Sie ganz gut verzichten? Am kürzesten Fürer («auf Eifersucht»), am ausführlichsten Engeler: «Aufs Kulturamt, das korrekt und vollständig ausgefüllte und fristgerecht eintreffende Formulare nach kritischer Begutachtung durch zwei voneinander unabhängige Fachexpertengremien der nächst höheren Instanz zwecks Vorbereitung eines Entscheids der Departementschefin über die anbegehrte Teilsubventionierung des Projekts weiterreicht.»
Zu guter letzt ein Kalauer: Ohne nachzusehen – welcher Autor zitiert den Götz von Berlichingen: «Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsch lecken»? Alle kennen ihren Goethe, Fürer kennt auch seine Stadt: «Das war doch der Herr Geheimrat aus Weimar, der im Goldenen Kreuz in Frauenfeld logiert hat.» Und Engeler ist erleichtert: «Aha, so heisst das also? In allen meinen Goethe-Ausgaben steht nur <im A…>.»
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