Tagblatt Online, 10. September 2010 01:03:30
Von der grossen Gastfreundschaft in Osteuropa
In Budapest angekommen und weiter Richtung Serbien. (Bild: Bild: affenbrunner)
Wir gewöhnten uns nach den Wochen in der Schweiz schnell und gerne an unsere wieder erlangte Freiheit und das Leben unterwegs. Zwar forderten die Schweizer Alpenstrassen unsere Kondition heraus, doch mit jedem Höhenmeter kehrte die Kraft in unsere Beine zurück. Schon bald kletterten wir über die Berge wie gewohnt, das Leben auf dem Velo nahm seinen Lauf.
An der österreichischen Grenze im Unterengadin tauschten wir die restlichen Franken in Schokolade um und munter ging es weiter dem Inn entlang.
Gastfreundschaft in Österreich
Wir genossen die traditionelle Küche, verschiedene Mehlspeisen und andere Tiroler Köstlichkeiten. Danach durften wir die österreichische Gastfreundschaft geniessen und uns in Kärnten und der Steiermark im Hause von Freunden so richtig verwöhnen lassen.
Doch bald schon zog es uns wieder weiter in ein fremdes Land, von dem wir ausser Gulasch und Paprika bisher noch nichts kannten: Ungarn. Die Sprache war uns total fremd und ausserhalb des Grenzbezirks und touristischen Plätzen beschränkte sich die Kommunikation auf Gesten und Mimik. Obwohl wir uns kaum verständigen konnten, machten wir immer wieder tolle Bekanntschaften mit Einheimischen. Zum Beispiel mit einem Mann, der uns geduldig den Weg aus der Stadt heraus zu erklären versuchte.
Als er bemerkte, dass wir ihn nicht verstanden und absolut keine Orientierung hatten, fuhr er uns einfach mit seinem Velo voraus und begleitete uns bis zum Stadtrand. Kurz darauf stiessen wir auf einen kleinen Wanderzirkus und wurden für eine Vorstellung eingeladen. Wir fühlten uns sehr wohl und blieben drei Tage bei diesen interessanten Leuten.
Durch Budapests Gassen
In Budapest angekommen holperten wir durch die Gassen und sahen uns die historischen Gebäude und Kirchen von nahe an. Hier gab es alle Informationen auch auf Deutsch oder Englisch, eine gewisse Anonymität breitete sich aus. Gegen Süden verliessen wir dann die ungarische Hauptstadt und rollten entlang der Donau durch üppige Natur und weite Felder.
Auf der Suche nach einem Platz zum Zelten landeten wir in einer Art Schrebergarten und wurden sogleich von den Leuten ins Haus eingeladen. Wir sollten nicht draussen schlafen, meinten sie, der Wetterbericht sage Regen an. Wir nahmen die freundliche Einladung gerne an und beobachteten den Regen vom Fenster aus.
Aus tiefstem Herzen
Die Menschen hier leben einfach, die Armut ist gross. Das änderte sich auch nicht, als wir die Grenze nach Serbien überquerten. Auch dort war es meistens nicht möglich eine gemeinsame Sprache zu finden und trotzdem wurden wir von den Einheimischen freundlich willkommen geheissen und immer wieder eingeladen. Wir liessen vermehrt die Sprache des Herzens sprechen und durften dabei sehr berührende Erfahrungen machen. Die Gastfreundschaft der Menschen hier in Osteuropa kommt aus tiefstem Herzen und wir spüren die grosse Freude der Serben, wenn wir als Velotouristen angerollt kommen. Ein Mann erzählte uns, dass der wieder aufkommende Tourismus ein gutes Zeichen sei und zeige, dass die Aussenwelt langsam wieder Vertrauen in sein Land habe.
Rahel und Jörg
Affolter-Debrunner
- Artikel empfehlen:





Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben