Tagblatt Online, 09. September 2010 01:02:46
«Eine Schule muss alleine funktionieren»
«Ein Schulleiter muss nicht ständig anwesend sein», sagt Hansueli Weber. (Bild: Bild: Jeanette Herzog)
SALMSACH. Er selbst musste als Kind nie beim Schulleiter antraben. Seit vier Wochen ist Hansueli Weber selbst in dieser Funktion an der Primarschule Salmsach. Obwohl er seinen Wohnsitz in den Thurgau verlegt hat, verbringt er noch immer die meiste Zeit im Aargau.
Herr Weber, muss ein Schüler Angst haben, wenn er in Ihr Büro zitiert wird?
Hansueli Weber: Unbedingt (lacht). Nein, ich gehe davon aus, dass nur selten ein Schüler in mein Büro zitiert wird. Die Lehrpersonen sind die Fachleute für den Unterricht. Ich bin für die Prozesse und die Schul- und Unterrichtsentwicklung zuständig und stehe eher im Hintergrund.
Sollte doch einmal ein Schüler zu mir kommen – das ist bisher noch nicht vorgekommen -, dann wäre das bestimmt ein lösungsorientiertes Gespräch, aus dem er gestärkt hervorgehen würde.
Sind Sie selbst gerne zur Schule gegangen?
Weber: Ja. Ich hatte immer gute Noten und war beliebt bei den Schulkameraden. Ich denke, das sind auch heute noch die Hauptgründe, warum man gerne in die Schule geht.
Sie mussten also als Schüler nie beim Schulleiter antraben?
Weber: Nein, das musste ich nicht.
Wie haben Sie von der freien Schulleiterstelle in Salmsach erfahren?
Weber: Die Stelle hat mich gefunden. Ich bin nach Arbon umgezogen und daraufhin wurde ich angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, Schulleiter in Salmsach zu sein.
Hat Sie die Stelle gleich
interessiert?
Weber: Ich habe eigentlich keine Schulleiterstelle gesucht. Aber die Aussicht auf eine neue Erfahrung hat mein Interesse geweckt.
Sie sind also ein Mensch,
der gerne Neues ausprobiert?
Weber: Ja, durchaus. Und die Stelle als Schulleiter ist eine Ergänzung zu meiner Beratertätigkeit. Es bringt mich wieder näher zur Schule.
Das Pensum des Schulleiters
beträgt nur 35 Prozent.
Wovon leben Sie?
Weber: Von den Weiterbildungen und Beratertätigkeiten in der Nordwestschweiz.
Sie wohnen teilweise in Arbon
und teilweise im Aargau. Fahren
Sie gerne Auto?
Weber: Ja schon, aber darum geht es nicht (lacht). Im Kanton Aargau sind einfach meine Wurzeln. Dort ist mein Beziehungsnetz. Es wäre schade, die Kontakte abzubrechen. Die Idee ist aber schon, dass ich irgendwann mehr in der Region arbeite.
Wie sieht Ihre Woche aus?
Weber: Einmal in der Woche wechsle ich den Standort. Es kann sein, dass ich Montag, Dienstag in Salmsach bin und am Mittwoch in den Aargau fahre, dort bis Freitag oder Samstag arbeite und danach wieder in den Thurgau zurück- komme.
Sie verbringen die meiste Zeit
im Aargau?
Weber: Im Moment schon. Ich arbeite hier ja nur 35 Prozent und das heisst, dass ich 65 Prozent an anderen Orten arbeiten muss.
Sie sind also ein abwesender
Schulleiter?
Weber: Teilweise stimmt das. Ich bin aber der Meinung, dass ein Schulleiter nicht ständig anwesend sein muss. Eine Schule muss von alleine funktionieren. Ich rege Prozesse an, die dann selbständig laufen.
Und wenn etwas passiert?
Weber: Dann bin ich unter Umständen nicht da. In diesem Fall übernimmt eine Stellvertretung meine Aufgaben. Organisatorisches kann ich zudem auch telefonisch erledigen.
Wie haben Sie das Primarschul-Team in Salmsach bislang erlebt?
Weber: Ich finde, das Schulteam ist gut unterwegs, selbständig und sehr engagiert. Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei dieser Schule. Ich muss nichts neu anfangen. Von meinem Vorgänger her sind gute Strukturen vorhanden.
Braucht es Sie denn überhaupt?
Weber: Doch, ich glaube schon, dass es einen Schulleiter braucht. Zu meinen Aufgaben gehören die Mitarbeiterführung, Schulbesuche, Mitarbeitergespräche und die Unterrichtsentwicklung.
Ich sehe mich zudem als Bindeglied zwischen der Kommission, also der strategischen Führung der Schule, und den Lehrpersonen. Eine weitere Aufgabe von mir ist es, die pädagogische Entwicklung zu verfolgen und die Lehrpersonen von organisatorischen Aufgaben zu entlasten.
Sie sind selbständiger Berater
und Schulleiter. Welcher Job
ist Ihre Leidenschaft?
Weber: Beides. Die Aufgaben ergänzen sich gut. Ich erlebe hier eins zu eins, ob das, was ich den Schulleitungen in den Beratungen erzähle, sich bewährt.
Und bewährt es sich?
Weber: Ja, bis jetzt schon. Aber darüber müssen wir in einem Jahr noch einmal sprechen.
Interview: Jeanette Herzog
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