Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 09. Mai 2012 06:54:00

Jugendtreff zieht die Notbremse

Zoom

Diakon Mathias Hüberli im Partyzimmer. Im Hintergrund zu sehen sind die Lichtschächte, durch die die Jugendlichen vor der Polizei flüchteten. (Bild: Gundhild Rübekeil)

NEUKIRCH. In den letzten Monaten gab es Probleme mit auswärtigen Gästen im Jugendtreff Neukirch. Sie hielten sich nicht an die Regeln und flohen vor der Polizei durchs Kellerfenster ins Freie. Jetzt steht der Treff nur noch Einheimischen offen.

GUNHILD RÜBEKEIL

Die Konflikte bahnten sich langsam an. Als Mathias Hüberli vor eineinhalb Jahren in Neukirch die Stelle als Diakon übernahm, hatte der ökumenische Jugendtreff schon eine lange Tradition. Jeweils am letzten Samstag im Monat treffen sich die Jugendlichen der Gemeinde in den Kirchenräumen, um miteinander Tischtennis oder Billard zu spielen, zu tanzen oder zu plauschen. Etwa 30 Besucher zählte Hüberli im Schnitt – bis letzten Herbst.

Seitdem kommen immer mehr Auswärtige nach Neukirch; im März drängten sich laut dem Treffleiter über 60 Besucher in den Räumen der evangelischen Kirche. «Anfangs fanden unsere Jugendlichen das noch cool», erzählt der Diakon, der die Abende gemeinsam mit einer weiteren ehrenamtlichen Person betreut. Doch als bald mehr Auswärtige als Einheimische den Treff besuchten, begann die Stimmung zu kippen.

Situation ausser Kontrolle

«Die neuen Gäste waren nicht bereit, sich unseren Regeln anzupassen», berichtet Hüberli. Die Jugendlichen sammelten sich vor der Kirche und setzten sich über das Rauchverbot hinweg. Ärger mit den Nachbarn drohte. Die Situation, so Hüberli, geriet ausser Kontrolle.

Im Gemeindeblatt machte die Kirche kürzlich bekannt, dass sie keine auswärtigen Besucher mehr in ihre Räume lässt. «Wir haben schon in den letzten Monaten versucht, die Gäste zu kontrollieren. Sie sollten sich in eine Liste eintragen und eine Telefonnummer angeben, an die wir uns bei Problemen wenden können.» Stichproben hätten jedoch gezeigt, dass die Jugendlichen teils mit fremden Ausweisen gekommen seien oder fiktive Telefonnummern angegeben hätten. Als auf Bitten von Hüberli die Polizei erschien, um die Angaben zu kontrollieren, flüchteten die jungen Besucher durchs Kellerfenster.

Warum der Neukircher Jugendtreff so beliebt ist, kann Hüberli nur vermuten. «Vielleicht wissen die Jugendlichen nicht, wo sie sonst hingehen können», meint der Jugendtreffleiter. «Bis sie 18 Jahre alt sind, ist ihnen der Zutritt zu den Clubs verwehrt, und die anderen Treffs sind samstags nicht geöffnet.» In der Hoffnung auf Hilfe wandte Hüberli sich auch an den Romanshorner Jugendtreff.

Die meisten verstehen Verbot

Noch am gleichen Tag gab dessen Leiterin Brigitta Spälti die Information an ihre Jugendlichen weiter. «Die meisten, mit denen ich gesprochen habe», berichtet Spälti, «können die Gründe für das Verbot verstehen und werden sich auch danach richten.»

Hüberli hofft nun, dass künftig in Neukirch wieder Ruhe einkehrt. Sein Wunsch ist es, die regelmässigen Treffbesucher besser einzubinden und weiterführende Angebote zu etablieren. Vor einiger Zeit hat der Diakon ein Leiterteam aus acht Jugendlichen ins Leben gerufen. Gemeinsam kaufen sie ein, kochen und besprechen den Abend. Geplant sind zudem Jugendgottesdienste, Ausfahrten oder Ferienlager. «Wir wollen ein positives Erlebnis mit Kirche vermitteln», so Hüberli.




Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

facebook.com / tagblatt

 ...