Tagblatt Online, 04. Mai 2012 07:50:00
«Hin- und Herfahren verbieten»
Parkplatz am Hafendamm: Die Gemeinde will die öffentlichen Parkfelder aufheben und mit einem Schlagbaum sperren. (Bild: Michèle Vaterlaus)
ROMANSHORN. Der Romanshorner Gemeinderat will den Autos in den Stosszeiten an schönen Tagen am Hafen einen Riegel schieben. Nicht bei allen Anwohnern kommen die Pläne gut an. Es gäbe wirkungsvollere Massnahmen, kritisieren einzelne.
MARKUS SCHOCH
Die gestern vorgestellten Pläne des Gemeinderates zur Beruhigung des Verkehrs im Romanshorner Hafenareal lösen bei den Anwohnern unterschiedliche Reaktionen aus. Alle von der Thurgauer Zeitung Befragten finden es zwar grundsätzlich gut, dass etwas passieren soll. Über die vorgesehenen Massnahmen gehen die Meinungen aber teils weit auseinander.
«Hoffe, dass es klappt»
SVP-Kantonsrat Urs Martin ist vor eineinhalb Jahren an die Hafenstrasse gezogen. Dass es zuweilen laut werden würde, war ihm bewusst. «Meine Befürchtungen sind aber übertroffen worden», sagt er. «Und dabei bin ich nicht lärmempfindlich.» Es komme immer wieder einmal vor, dass er nachts von wummernden Bässen aus dem Traum gerissen werde, weil ein Cabriofahrer mit voll aufgedrehter Musikanlage die Nacht zum Tag mache oder ein Autofahrer zwischen zwei Schwellen das Maximum aus dem Motor seines Wagens heraushole. Besonders schlimm sei es zuweilen am Freitag- und Samstagabend.
Er finde es deshalb gut, dass die Gemeinde etwas unternehme, um den Verkehr zu beruhigen, sagt Martin. Ob die vorgesehenen Vorkehrungen die richtigen seien, werde sich weisen müssen. «Ich hoffe, dass es klappt.»
Gäste dürfen nicht ausbleiben
Auch Panem-Pächter Moez Ouerfelli begrüsst es, dass der Gemeinderat den Verkehr im Hafenareal beruhigen will. «Es ist nicht angenehm, bei uns draussen zu sitzen mit Blick auf See und Berge, und pausenlos fahren Autos im Corso vorbei, deren Besitzer die Motoren auf Hochtouren treiben.» Wenn die Pläne des Gemeinderates helfen könnten, dieses Problem zu lösen, sei das erfreulich.
Die neuen Schikanen dürften aber nicht dazu führen, dass bei ihm im Panem und anderen Betrieben an der Hafenstrasse die Gäste und Kunden ausblieben. «Das können wir uns nicht leisten.» Erfreut habe er deshalb zur Kenntnis genommen, dass das neue Verkehrsregime ein vorerst auf zwei Jahre befristeter Versuch sei, der angepasst werden könne, wenn sich die Massnahmen nicht bewähren sollten.
30er-Zone einrichten
Ähnlich argumentiert Adi Gerlach von Schaeffeler Wassersport. «Ich finde es gut, dass die Gemeinde versucht, das Autoschaufahren bei schönem Wetter zu unterbinden.» Es sei aber so, dass er am Freitag und Samstag die meisten Kunden habe, die teilweise nicht ortskundig seien. Er hoffe, dass sie weiter den Weg in den Laden finden werden, wenn die Barriere geschlossen sei.
Abgesehen davon fragt sich Gerlach, ob die geplanten Massnahmen tatsächlich die richtigen sind, um das Verkehrsproblem zu lösen. Wirkungsvoller wäre seiner Meinung, wenn die Gemeinde im Hafengebiet eine verkehrsberuhigte Zone mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 20 oder 30 Stundenkilometer einrichten würde. Zudem würde er das Hin- und Herfahren unter Strafe stellen. Kalifornien beispielsweise kenne seit langem ein sogenanntes Cruising-Verbot. Mit seinen Vorschlägen hätte die Polizei endlich eine Handhabe zum Büssen, argumentiert Gerlach.
Seine Ideen hat er der Gemeinde schon vor Jahren unterbreitet. Das sei kompliziert und dauere zu lange, habe man ihm entgegengehalten, erinnert sich Gerlach. «Ich verstehe bis heute nicht, warum es so schwierig sein soll, eine 30er-Zone am Hafen einzurichten. In jedem Wohnquartier geht es doch ohne Probleme.»
Damit wolle er die geplanten Sofortmassnahmen des Gemeinderates nicht schlecht reden, stellt Gerlach klar. «Mir ist es aber wichtig, dass man meine Anregungen nicht aus den Augen verliert.»
Am Abend ganz sperren
Eine 30er-Zone würde sich auch Entertainer Kurt Oberländer wünschen. «Das würde die Situation wahnsinnig beruhigen.» Vorstellen könnte er sich auch, das Hafengebiet ab einer gewissen Zeit am Abend ganz für den motorisierten Verkehr zu sperren. Zufahren könnten ab diesem Zeitpunkt nur noch Anwohner oder Personen, die beispielsweise ins Bistro Panem wollen.
Von den Vorschlägen des Gemeinderates hält Oberländer nicht viel. «Was passiert an einem schönen Abend, wenn die Verkehrskadetten nicht mehr kontrollieren?», fragt er sich beispielsweise. Zwischen 50 und 60 Prozent der Autos würden nur an den See fahren, um zu wenden, ruft er in Erinnerung. Ganz schlecht findet es Oberländer, dass 36 Parkplätze aufgehoben werden sollen. Es gebe ohnehin schon zu wenige in Romanshorn. An einem schönen Sonntag würden die Besucher der Badi ihre Autos sogar auf dem Schlossberg abstellen. «Dort hat es dann auch keinen Platz mehr.» Ihm selber gefalle es, wenn am Hafen etwas los sei, sagt Oberländer. «Das belebt Romanshorn.» Vom Verkehr gestört fühle er sich nur nachts durch einzelne Autofahrer, die viel Lärm machen.
Schwellen sind kontraproduktiv
Jugendarbeiter und Autor Manuel Bilgeri begrüsst es nach eigenen Worten sehr, dass die Gemeinde die Verkehrsprobleme angehen will und nicht wartet, bis sich die bauliche Situation am Hafen geklärt hat. Denn an der Hafenstrasse zu wohnen, könne ziemlich «nervig» sein. Ein Ärgernis für Bilgeri sind vor allem die Schwellen. «Die Raser machen sich einen Spass daraus, dazwischen aufs Gas zu drücken.»
Bilgeri hofft, dass das neue Verkehrsregime zur Entspannung der Situation beitragen wird. «Profitieren würden nicht nur wir Anwohner, sondern auch die Ausflügler, für die es auf der Flaniermeile attraktiver wäre.»
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Kommentare lesen
d.engeli (05. Mai 2012, 06:51)
Ein Hoch auf eine kluge und zugleich mutige Massnahme!
Es ist höchste Zeit, dass diesen geistig vollkommen zurückgebliebenen Rasern entschlossen Grenzen aufgezeigt werden! Schade nur, dass das Tagblatt zwei um ihre Geschäfte fürchtenden Geschäftsleuten und einem pensionierten "Partylöwen", der wohl morgens nicht stets um 6 Uhr aufstehen muss, so viel Platz einräumen.
Beitrag kommentierenunangan (04. Mai 2012, 20:20)
..smile....
eine 30er-Zone einrichten ...???.. und das ab Bahnschranke...???.. mit den bestehenden "Strassenschwellen" fährt keiner der "Unterboden korrigierten Boliden" mit mehr als Schritttempo über diese Schwellen. Aber zwischen den einzelenen Schwellen im ersten "röhrenden" Gang zur nächsten Schwelle. Die lernen es nicht... was Verkehrsberuhigung heisst. Ich meine damit die Kritiker des neuen "Autofahrregime" was die Gemeinde plant.
Beitrag kommentierenDa kann ein Panem, beziehungsweise dessen Pächter, nur hoffen, dass seine Gäste mit dem vorgegebenen "Ordnungsregime" in Ruhe ihren Panemcafee trinken. Aber erst die unsinnigen Schwellen entfernt werden, die vor und nach seinem Restaurant vorhanden sind.
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