Tagblatt Online, 29. Juni 2012 07:24:00
Die Feste fallen nicht immer ideal
Tänzerin auf der Nationenfestbühne: Inti Raimi aus Bolivien. (Bild: Nana do Carmo)
ROMANSHORN. An manchen Wochenenden in Romanshorn ist viel los, an anderen gar nichts. Die Veranstalter scheinen sich nicht abzusprechen. Doch der Eindruck täuscht. Es ist nicht immer ganz einfach, die Termine zu koordinieren.
MARKUS SCHOCH
Zuerst die Qual der Wahl, dann tote Hose. Am letzten Samstag fanden in Romanshorn das Nationenfest, das Fussball-Schülerturnier und das Kindermusical «1000 Farben hat die Welt» statt. An diesem Wochenende ist die Agenda praktisch leer. Nur die Tafel der Bodenseefrösche wird am Samstagmorgen eingeweiht. Sonst ist nichts Aussergewöhnliches los in der Stadt am Wasser. «Das ist etwas unglücklich», sagt Daniel Bischof, der Interimspräsident des Nationenfestes. Die Konkurrenz habe sie «sicher zwei oder drei Mannschaften gekostet», erklärt Simon Gürkan vom FC Romanshorn.
Warum, fragt man sich, werden die Termine nicht besser koordiniert? Gemeinderat Peter Höltschi weist im aktuellen Geschäftsbericht der Gemeinde ausdrücklich darauf hin, dass die (Kultur-)Veranstalter auf möglichst viele Besucher angewiesen sind. Nötig sei darum eine «gute Abstimmung der Veranstaltungen». Nebst dem persönlichen Kontakt der örtlichen Organisatoren helfe «sicherlich die von der Gemeinde aufgeschaltete Agenda».
Enges Zeitfenster
Die Agenda erleichtert die Koordination sicher. Trotzdem lassen sich Terminkollisionen nicht in jedem Fall verhindern. Zuweilen ist die Flexibilität der Veranstalter stark eingeschränkt. Das Zeitfenster für das diesjährige Wurscht- und Schülerturnier beispielsweise war sehr eng. Konkret kamen nur zwei Wochenenden in Frage. Davor lief der Meisterschaftsbetrieb des FC, so dass die Fussballplätze besetzt waren. Danach beginnen die Ferien. Und von den beiden zur Wahl stehenden Wochenenden fiel das kommende ausser Betracht wegen des OpenAir St. Gallen. «Da hätten wir das Wurschtturnier am Freitag vergessen können», so Gürkan. «Und das könnten wir uns nicht leisten.»
Das wussten die Verantwortlichen beim FC Romanshorn schon lange. Sie kommunizierten das Datum deshalb bereits vor einem halben Jahr auf der eigenen Homepage, trugen den Termin in die Agenda der Gemeinde ein und benachrichtigten die früheren Teilnehmer umgehend.
Dass das Schülerturnier am Samstag trotzdem mit dem Nationenfest zusammenfiel, ist nach Meinung von Gürkan nicht ideal, aber letztlich kein allzu grosses Unglück. «Wir hatten immerhin 76 Mannschaften, was vergleichsweise viele sind. Ich bin zufrieden.» Terminkollisionen würden sich sowieso nie ganz vermeiden lassen. «Ich mache deshalb niemandem einen Vorwurf.»
Ein Jahr Vorlaufzeit
Als das Datum des diesjährigen Wurscht- und Schülerturniers festgelegt wurde, war dasjenige des Nationenfestes längst bestimmt. Die Vorlaufzeit beträgt fast ein Jahr. «Den Termin fürs nächste Jahr diskutieren wir bereits nächste Woche», sagt Interimspräsident Bischof.
Die Konkurrenz durch die anderen Veranstaltungen hätten sie zwar nicht gespürt. «Wir waren schon am frühen Abend voll.» Trotzdem würde es Bischof begrüssen, wenn die verschiedenen Anlässe künftig besser verteilt werden könnten. So hätten die Romanshorner zumindest eher die Möglichkeit, überall dabei zu sein.
Die Agenda der Gemeinde sei sicher eine Hilfe, um aneinander vorbeizukommen. Letztlich sei sie aber nur so gut wie die Einträge. Die Ausflugsfahrten der Raiffeisenbank Neukirch-Romanshorn zum 100-Jahr-Jubiläum mit der «Sonnenkönigin» seien beispielsweise nicht aufgeführt gewesen, obwohl am Samstag Hunderte an Bord gingen. Am liebsten wäre Bischof sowieso eine regionale Agenda.
Die Veranstalter des Musicals wollten sich auf Anfrage nicht äussern.
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