Tagblatt Online, 24. Mai 2012 07:43:00
Das Kino geht an einen Verein
Einziges Kino am südlichen Bodenseeufer: Das «Modern» wird ab Ende Jahr vom Verein Feines Kino geführt. (Bild: Reto Martin)
ROMANSHORN. Das Seilziehen um das Kino Modern ist entschieden. Die Gemeinde Romanshorn vermietet es per 1. Dezember dem Verein Feines Kino. Der bisherige Geschäftsführer Nedaim Bilali hat das Kräftemessen verloren.
MARKUS SCHOCH
Elf Jahre lang waren sie Partner. Dann gingen sie getrennte Wege. Am Schluss waren sie Konkurrenten.
Ab 2001 zeigte die IG Feines Kino als Gast Studiofilme im Kino Modern. Nach Meinungsverschiedenheiten mit den Betreibern wichen die Filmfreunde Anfang Jahr in die Kanti-Aula aus, organisierten sich als Verein und bewarben sich schliesslich selber ums Kino. Gerne übernommen hätte es auch der heutige Geschäftsführer Nedaim Bilali.
Verein breiter abgestützt
Das Rennen gemacht hat der Verein. Die Gemeinde als Besitzerin der Liegenschaft schliesst mit ihm auf den 1. Dezember einen Mietvertrag für das Kino ab.
Bilali erhielt gestern morgen den Bescheid, dass nach über 16 Jahren für ihn Ende November endgültig Schluss ist. «Ich bin überrascht und sehr enttäuscht zugleich», sagt der 32-Jährige. Die Argumentation des Gemeinderates könne er nicht nachvollziehen. «Für mich bricht eine Welt zusammen.»
Die Behörde hat sich gemäss einer Mitteilung aus mehreren Gründen für den Verein und gegen Bilali entschieden, die beide ein Konzept vorlegen und präsentieren mussten. «Einerseits ist es die breite Abstützung in der Bevölkerung sowie verlässliche und vorhandene Vereinsstrukturen, die für eine langfristige Lösung Gewähr bieten», heisst es im Communiqué. Andererseits habe das «detaillierte Verständnis für die Kinokultur» den Ausschlag gegeben.
Ob und in welcher Form sich die Gemeinde künftig am Kinobetrieb finanziell beteiligt, ist gemäss Gemeinderat Peter Höltschi Gegenstand von Gesprächen. «Die Vertragsmodalitäten sollen in den nächsten Wochen geregelt werden», heisst es in der Mitteilung.
Höltschi bedauert, dass es so weit kommen musste. «Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, dass wir uns eine einvernehmliche Lösung wünschen.» Der Verein hält eine Zusammenarbeit mit Bilali aber für unmöglich. Grund: Es fehle ihm an «Realitätssinn in bezug auf die Finanzen», Fachkompetenz und ein vertrauenswürdiges Verhalten.
Zwang zur Digitalisierung
Auslöser für den Wechsel im Kino ist der Zwang zur Digitalisierung. Die herkömmlichen Filmrollen gehören bald der Vergangenheit an. In dieser Situation entschied der Gemeinderat, den Vertrag mit der bisherigen Betreiberin Rita Coradazzi (78) aufzulösen und die Verhältnisse neu zu regeln. «Ohne ihr grosses Engagement wäre das kontinuierliche Kinoangebot in Romanshorn nicht möglich gewesen», bedankt sich der Gemeinderat bei ihr.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:










Kommentare lesen
Bodenseekapitaen (25. Mai 2012, 17:52)
unbegreiflich !
Die Entscheidung des Gemeinderates ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich hoffe die jetzige Vermieterin überlässt den Nachfolgern nichts von Ihrem Inventar.
Beitrag kommentierennabru (24. Mai 2012, 07:59)
Vermieten ?
und dann von einer finanziellen Beteiligung reden ?
Beitrag kommentierenWie war das nochmal "Häfeli Deckeli"...
Kommentar schreiben