Tagblatt Online, 04. Juli 2012 01:36:00
Besitzerwechsel im «Paradiso»
Der Kontaktbar Paradiso an der Kreuzlingerstrasse in Romanshorn sieht man den neuen Besitzer nicht an. (Bild: Reto Martin)
Seit Anfang Juni hat die Kontaktbar Paradiso in Romanshorn eine neue Besitzerin. Der Firma Allenspach Immobilien AG gehört auch das «Extravagant», der grösste Erotikbetrieb in St. Gallen.
GIOIA ZOGG
ROMANSHORN. Im Paradies bleibt alles beim alten. Denn für das «Paradiso» in Romanshorn sieht es besser aus als für das ehemalige «Tropic» in Arbon. Dort wird der frühere Nachtclub im Scheidweg gerade abgebrochen. Dies droht der Kontaktbar in Romanshorn trotz Besitzerwechsel nicht.
Geschäftsführer Fredy Zeller erklärt auf Nachfrage, sein Vertrag laufe weiter, er bleibe der Barbetreiber. Und er betont, das «Paradiso» sei kein Bordell, sondern in erster Linie eine Gaststätte. Die Frauen im Freudenhaus in den oberen Etagen arbeiteten selbständig und zahlten ihm lediglich eine feste Miete für die Zimmer. Was sich dort abspiele, gehe ihn nichts an, sagt Zeller.
«Paradiso» und «Extravagant»
Laut Grundbuchamt ist das Grundstück, auf dem das Wohnhaus mit der Kontaktbar steht, seit dem 31. März Eigentum von Norbert Paul Allenspach sowie der Allenspach Immobilien AG mit Sitz in Waldkirch.
Das «Paradiso» ist nicht die einzige Liegenschaft der Immobilienfirma. Auch der Erotiktempel «Extravagant» in St. Gallen, der trotz Widerstand von Seiten der Anwohner im März und unter grossem Medieninteresse seine Tore öffnete, gehört ihr. Weiter ist sie im Besitz der Kontaktbar in Wittenbach neben dem «Bauhof», die jedoch seit Mai aus unbekannten Gründen geschlossen ist. Bis vor kurzem gehörte ihr auch das Hotel Talbach in Frauenfeld, ebenfalls eine Kontaktbar. Nach Angaben des Betreibers hat der Besitzer letztes Jahr gewechselt.
Eigentümer nicht erreichbar
Die Organisationsstruktur des «Paradiso» entspricht jener der anderen Etablissements der Allenspach Immobilien AG. Auch im «Extravagant» beschränkt sich die Geschäftstätigkeit auf den Barbetrieb und das Vermieten der Zimmer. Und der Geschäftsführer des Lokals in Wittenbach betonte einst wie sein Pendant in Romanshorn heute, dass es sich nicht um ein Bordell, sondern um eine Bar wie jede andere handle.
Von der Allenspach Immobilien AG ist niemand zu erreichen. Die Firma verfügt über keinen Telefonanschluss. Dasselbe gilt für die Verwaltungsratspräsidentin und den Namensgeber und Verwaltungsrat Roger Allenspach. Auf Anfragen übers Mobiltelefon reagiert er nicht. Der Wohnsitz von Allenspach soll Monaco sein.
Die Besitzerfrage im «Paradiso» hat eine längere Geschichte. Anfang 1990 wurde es als Nachtclub eröffnet. Nach nur sieben Monaten Betrieb stand das Lokal erstmals in den Schlagzeilen. Flyer kündigten eine Neueröffnung an, was zum Gerücht führte, die Liegenschaft am Dorfausgang Richtung Uttwil habe den Besitzer gewechselt. Änderungen gab es jedoch lediglich in der Geschäftsführung, die Firma Gastrosit AG blieb Eigentümerin.
Razzia im «Rössli»
Nach elf Jahren Nachtclubbetrieb wurde das «Paradiso» zum biederen Restaurant Rössli, das sich dann aber als weniger bieder entpuppte, als der Name vermuten liess. Bei einer grossangelegten Razzia im März 2002 wurden 13 Frauen wegen Verdachts auf Prostitution und Verstösse gegen Aufenthaltsbestimmungen verhaftet. Der Verdacht gegen die Frauen erhärtete sich. Auch der Inhaber des Restaurants wurde verhaftet, das «Rössli» geschlossen.
Nach zwei weiteren Besitzern, von denen einer heute in einem Nachtclub in Zürich arbeitet, zieht nun also wieder ein neuer Inhaber die Fäden in der schummrigen Gaststätte.
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