Zwei ungleiche Partner

EISHOCKEY ⋅ Die Zusammenarbeit zwischen dem HC Thurgau und dem HC Davos wird ein Jahr vor Vertragsende aufgelöst. Es war ein Papier, dessen Inhalt nicht gelebt wurde.
13. April 2018, 05:18
Matthias Hafen

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Was am Anfang aus der Not geboren wurde, war am Ende vor allem ein grosses Missverständnis. Zwei Saisons lang pflegten der HC Davos aus der NLA und der HC Thurgau aus der NLB eine Zusammenarbeit, die ursprünglich über drei Jahre vereinbart worden war. Das Ziel: Davos zu ermöglichen, seinen talentierten Nachwuchskräften Eiszeit zu geben – mit Kaderplätzen, die Thurgau zur Verfügung stellt.

Diese Saison machten die Bündner allerdings nur noch im Fall von Pascal Blaser Gebrauch von diesem Angebot. Der 20-jährige Verteidiger absolvierte 44 Spiele für den HCT. Simon Kindschi wäre ein weiterer Kandidat für die gelebte Partnerschaft gewesen, wurde von Davos aber nur für acht Spiele in den Thurgau entsandt. Die meiste Zeit drückte der Defensivspieler beim HCD die Bank. Den 21-jährigen Verteidiger Marco Forrer aus Steckborn lieh der NLA-Club lieber an Thurgaus Ligakonkurrenten Visp aus – ebenso wie Stürmer Ken Jäger. Dies wohl nicht zuletzt, weil mit Bruno Aegerter der langjährige HCD-Scout und Vertraute von Arno Del Curto Sportchef bei den Wallisern ist.

Trainer Stephan Mair hing nicht selten in der Luft

Die Unsicherheit, wen Davos an Thurgau abgeben wird, erschwerte die Arbeit von HCT-Trainer Stephan Mair enorm. Manchmal wusste er erst am Vorabend eines Spiels, mit wem er rechnen konnte. Das führte dazu, dass der HC Thurgau im Zuge seiner finanziellen Genesung das eigene Kader wieder aufstockte und heute nicht mehr auf Spieler des Partnerteams Davos angewiesen ist.

Das war vor zwei Jahren, als die Partnerschaft ins Leben gerufen wurde, indes noch ganz anders. «Damals hätten wir ohne die Spieler des HC Davos keine komplette Mannschaft zusammengebracht», sagt Thurgaus Vizepräsident Max Hinterberger, der der Sportkommission des Clubs angehört. Es war die Zeit, in der die Ostschweizer Spielerverträge aus finanzieller Not auflösen mussten. «Heute macht die Zusammenarbeit aber keinen Sinn mehr», so Hinterberger. Zu diesem Schluss sei auch der HC Davos gekommen. «Deshalb lösen wir die Partnerschaft in aller Freundschaft auf.» Finanziell habe das keine Auswirkungen. «Es ist nie Geld geflossen.»

Thurgau favorisiert Lösung mit verschiedenen Partnern

Nicht ausgeschlossen ist, dass der HC Thurgau auch in Zukunft Spieler des HC Davos ausleihen kann und wird. «Wir favorisieren eine lose Zusammenarbeit mit verschiedenen Clubs aus der höchsten Liga», sagt Hinterberger. Der HCD und der HCT seien vielleicht zu unterschiedlich ­geführte Clubs für eine enge Zusammenarbeit.


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