Zurück in der Heimat

EISHOCKEY ⋅ Manchmal enden Träume schneller als geplant: So geschehen bei Rahel Michielin. Die 26-jährige spielt nach acht erlebnisreichen Monaten in Kanada wieder bei den Weinfelden Ladies in der NLA.
31. August 2017, 05:18
Daniel Monnin

Daniel Monnin

sport@thurgauerzeitung.ch

Die Anfrage kam eher überraschend: Die Thurgauerin Rahel Michielin, langjährige Stammspielerin in der Frauen-Nationalmannschaft, mit fünf Welt­meisterschaften, Olympischen Spielen und dem Gewinn der Bronzemedaille 2012 im Palmarès, nahm eine Einladung der St. Thomas University in Fredericton, Kanada, an und erfüllte sich den Traum vom Spielen und Studieren im Mutterland des Eishockeys. «Ich habe keine Sekunde gezögert, als die Anfrage eintraf», sagt sie. Heute, anderthalb Jahre später, denkt die Thur­gauerin mit einem weinenden und einem lachenden Auge an die Verwirklichung ihres Kindheitstraums zurück. «Ich bereue nichts, auch wenn mein Traum früher zu Ende ging, als ich eigentlich geplant hatte.»

Acht Monate dauerte ihr Abenteuer in Fredericton, der Hauptstadt der Provinz New Brunswick. Ohne zu zögern zählt Michielin in einem Stakkato gleich hundert Gründe auf, die eigentlich für eine Weiterführung des Aufenthaltes in Übersee gesprochen hätten. Doch am Ende der Aufzählung folgt jener Grund, der sie schliesslich zu dem Team zurückgebracht hat, für das sie in den vergangenen fünf Jahren über die Hälfte ihrer 158 NLA-Spiele bestritten hat: die SC Weinfelden Ladies.

Finanzielle Sorgen forcieren die Rückkehr

«Das Leben in Fredericton war viel, viel teurer, als ich eigentlich angenommen hatte, und obwohl ich mich sehr um einen Sommerjob in der Schweiz bemühte, der ein zweites Kanada-Jahr hätte finanzieren sollen, fand ich nichts Passendes», erzählt Michielin. So fällte sie – schweren Herzens – den Entscheid zur Rückkehr in die Schweiz und zum – etwas verzögerten – Einstieg ins Berufsleben. «Die acht Monate in Kanada haben mein Leben geprägt, ich habe mich als Mensch und Spielerin weiterentwickeln können», sagt sie nicht ohne Stolz. «Ich habe in der Tat meinen Traum gelebt, ich habe – und das ist nicht übertrieben – nur profitieren können, sei es sportlich im Training und in den Spielen oder ganz allgemein im täglichen Leben. Ich habe mein Englisch perfektioniert, neue Leute und eine neue Kultur kennen gelernt oder Orte besucht, die ich höchstwahrscheinlich sonst nie gesehen hätte.» Umso mehr habe es wehgetan, letztlich die Vernunft siegen zu lassen und nicht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

Eishockey hat nicht mehr erste Priorität

Mittlerweile hat sich die Ent­täuschung gelegt, das «normale Leben» hat Michielin wieder vereinnahmt. Sie wohnt für den Moment wieder zu Hause in Sonterswil, hat mit der Inline-Frauen-Nationalmannschaft an der EM gespielt und schaut voller Zuversicht auf die neue Eishockeysaison. Beruflich hat sie eine Stelle als Sachbearbeiterin im Rechnungswesen angenommen. «Es kommt im Leben immer, wie es kommen muss, und ich sehe meinen Job als eine neue Herausforderung, mich nun auch beruflich weiterzuentwickeln.»

Sie freut sich auf die bevor­stehende Saison in der höchsten Schweizer Frauenliga, «auch wenn ich mich zuerst wieder an spätere und vor allem weniger Trainings gewöhnen muss». Auch wenn das Eishockey nicht mehr Priorität Nummer eins sein wird und die erstmalige Playoff-Teilnahme der Weinfelden Ladies auch in der neuen Saison ­alles andere als ein Selbstläufer wird, ist Michielin topmotiviert: «Wir haben ein cooles Team und ich versuche, meine Erfahrung ins Team einzubringen.»

SC Weinfelden Ladies

Saisonstart: 17.9. in Neuenburg. Spielplan: www.regioleague.ch.


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