Wie die Wilden

MOTORRAD ⋅ Supermoto ist nicht der Sport für Zartbesaitete. Da kann es schon mal rau her und zu gehen. Nicht im Ton neben der Piste, sondern während der Rennen – wie am Wochenende in Frauenfeld.
04. September 2017, 07:11
Chris Marty

Chris Marty

sport@thurgauerzeitung.ch

Während am Samstag die Zuschauerkulisse auf der Grossen Allmend in Frauenfeld familiär war, fanden sich am Sonntag rund 2000 Besucher ein. In der Prestigeklasse, der Königsklasse im Supermoto, werde viel investiert, sagt Patrick Tellenbach aus dem aargauischen Muri. An fünf Tagen die Woche sei er auf irgendeine Art engagiert: Mit Vorbereitungen oder Trainings auf dem Velo, die auch mal über den Gotthard ins Tessin führen würden, sagt der 31-Jährige.

Auf dem Töff trainiere er in Italien (Motocross) und im Elsass (Supermoto), da in der Schweiz Möglichkeiten fehlten. Aber auch internationale Rennen dienten als Vorbereitung und Standortbestimmung: «Das Niveau in der Schweiz ist sehr hoch. Vergangenes Jahr belegten wir in der Nationen-WM den vierten Rang», so Tellenbach.

Wer es ernst nimmt, hat hohe Kosten

Auch finanziell käme einiges zusammen: So koste ein Motorrad rund 10000 Franken, und fürs Tuning wende er nochmals gegen 6000 Franken auf, sagt Tellenbach. Dazu kämen pro Fahrwochenende Pneus im Wert von gegen 600 Franken sowie Kosten für An- und Rückreise. «Ohne Teamchef und einen Zustupf durch Importeure geht es nicht.» Derzeit belegt der Aargauer in der Prestigeklasse den zweiten Platz: «Ich bin glücklich, wenn ich ihn halten kann.» Im Supermoto sei Feingefühl wichtig, man dürfe nicht zu wild ins Feld ziehen, da die Kombination Offroad/Strasse nicht zu unterschätzen sei, betont Tellenbach.

Der 45-jährige Marcel Germann aus Bettwiesen fährt in der Seniorenklasse. Aus Fahrersicht sei der Sport nie gleich. Die Rennstrecke in Frauenfeld bezeichnet der Routinier als technisch nicht sehr anspruchsvoll, aber schön von der Infrastruktur her. Als Zuschauer begrüsst er die Offenheit und die familiäre Atmosphäre sowie das fehlende Promigehabe.

Zahlreiche Stürze gehen glimpflich aus

Unterdessen ist auf der Rennstrecke viel Betrieb, Staub wirbelt auf und der Geruch von Abgas liegt in der Luft. Auf dem Offroad-Teil der Strecke gab es den einen oder anderen Taucher. Sie gingen allesamt glimpflich aus. Für Maria Schmutz aus Mellingen hat das Mitfiebern einen besonderen Stellenwert. «Ich bin im Unterstützungskomitee des Teams Reichen, in guten wie in schlechten Zeiten», sagt die 38-Jährige lachend. Das Gefahrenpotenzial schätzt sie nicht grösser ein als bei anderen Sportarten.

Die 30-jährige Leonie Marcellaro aus Zeglingen BL ist Fahrerpartnerin. Auch bei ihr hält sich die Angst um den Partner in Grenzen. Ihr gefalle das Draussensein und das gemeinsame Erlebnis, sagt sie. Aber auch der Lärm sei toll. Gleich zwei Fahrer hat André Tellenbach aus Seon in der Familie: «Der Kick dabei ist grossartig», sagt der 61-Jährige.

Resultate

www.supermoto.ch.


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