Da Silva wieder gross unterwegs

SPRINGREITER ⋅ Nach einigen etwas ruhigeren Jahren ist Arthur Gustavo da Silva aus Langrickenbach nun mit seinem imposanten Hengst Inonstop van’t Voorhof wieder als Schweizer Teammitglied an Nationenpreisen im Einsatz.
29. September 2017, 07:40
Sonja Grob/Spruce Meadows

Sonja Grob/Spruce Meadows

sport@thurgauerzeitung.ch

Es war das Jahr 2000, als der Brasilianer Arthur Gustavo da Silva seine erste Arbeitsstelle in der Schweiz antrat. Nach einigen Jahren im Stall von Markus Fuchs nutzte er die Möglichkeit, diesen zu übernehmen. Fuchs zog sich vom aktiven Springsport zurück und Da Silva erhielt dadurch auch die Möglichkeit, La Toya zu ­reiten, mit der er 2011 und 2012 ­erfolgreich unterwegs war. Doch dann entschloss sich La Toyas Besitzer, sich zurückzuziehen.

«Darauf war ich nicht vorbereitet», sagt Da Silva heute. «Ich hatte kein Pferd und keine Sponsoren mehr und musste einen neuen Weg finden.» Dieser führte ihn nach Belgien, um Pferde zu kaufen. Er blieb einige Monate dort, um sich umzusehen und mit Pferden zu handeln. Doch so ganz klappte die Rückkehr in den internationalen Sport noch nicht – bis er via Facebook eine Anfrage erhielt, einen jungen Hengst zu reiten. «Die Besitzer fragten mich an, weil der Hengst zu einem Teil die gleiche Abstammung wie La Toya hatte», so Da Silva. Er sagte zu und stellte sich auf ein ähnliches Pferd ein: klein und schnell. Doch es kam anders. Der 1,65 Meter kleine Brasilianer stand vor dem Hengst Inonstop van’t Voorhof mit einem Stockmass von 1,80 Metern, der eine unbändige Kraft entwickelte, als Da Silva aufstieg. «Dressurmässig war er kaum gearbeitet, aber ich fand die Herausforderung spannend und nahm ihn zu mir in den Stall.» Und dieser Entscheid hat sich gelohnt.

Im Herbst 2016 gab’s den ersten Erfolg an der WM der jungen Sportpferde in Lanaken, Belgien, wo Da Silva und Inonstop van’t Voorhof Zweite wurden. Danach folgten Turniere in Spanien und Portugal. «Ich merkte, dass ich ein spezielles Pferd unter dem Sattel habe» sagt Da Silva. Damit empfahl er sich wieder dem Schweizer Equipenchef. Die Krönung nach einigen Einsätzen als Ersatzreiter (Hickstead, Dublin) war nun Anfang September das Aufgebot als Teammitglied für den Nationenpreis in Spruce Meadows bei Calgary. Und das Paar zeigte die beste Schweizer Leistung. Mit nur einem Zeitfehler beendeten sie den schwierigen Parcours. «Inonstop hat viel Vermögen, und er ist super gesprungen, wir müssen nur noch schneller werden», meinte Da Silva. Daran arbeitet er jetzt mit dem erst neunjährigen belgischen Hengst.

Pendeln zwischen dem Thurgau und Belgien

Der 38-jährige gebürtige Brasilianer ist seit gut einem Jahr mit seiner Ehefrau Regina und den beiden Söhnen Luis (13) und Andre (10) in Langrickenbach daheim. Seine beiden Buben haben den Pferdevirus nicht geerbt. Luis besucht die Sportschule als Tennisspieler, und Andre ist vom Karate begeistert. Während der Familiensitz im Thurgau ist, stehen Da Silvas Pferde in einiger Entfernung. In Guitrode, im Pferdeland Belgien, hat der Reiter einen Stalltrakt gemietet. Nun heisst es, regelmässig pendeln zwischen den beiden Ländern. Doch Da Silva setzt alles daran, dass es so gut weitergeht wie zuletzt. «Ich will es definitiv zurück ins Schweizer Kader schaffen.» Damit auch wieder Aufgebote für Nationenpreise folgen.


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