Alleine auf weiter Flur

WASSERBALL ⋅ Der SC Kreuzlingen und dessen Trainer Benjamin Redder meinen, der Leistungssport in der Schweiz hätte einen Schub nötig. Beim nationalen Verband stossen sie damit weitgehend auf taube Ohren.
08. Februar 2018, 05:19
Matthias Hafen

Matthias Hafen

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@thurgauerzeitung.ch

Seit Mitte Januar läuft im Wasserball die neue NLA-Saison – praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit. Als wäre es für die Clubs nicht schon schwierig genug, Zuschauer in die feuchten Hallenbäder zu locken anstatt wie im Sommer in die sonnigen Freibad-Anlagen, hat kaum jemand mitbekommen, dass die Meisterschaft 2018 bereits mehrere Runden alt ist.

Der Spielkalender und die Resultate verlieren sich auf der Website von Swiss Waterpolo in unzähligen Untermenüs. Das Facebook-Profil des nationalen Verbands wird hauptsächlich dazu genutzt, den Mitgliedervereinen Internas zu kommunizieren. Dabei hätte das sportliche Niveau der NLA-Spitze eindeutig mehr Werbung in eigener Sache verdient. Dieser Meinung ist auch Benjamin Redder, Trainer des SC Kreuzlingen. «Wir versuchen schon, etwas zu machen. Aber vom Verband kommt wenig Unterstützung. Natürlich auch, weil er auf viel Freiwilligenarbeit angewiesen ist.»

«Kinder überzeugen, bevor sie der Fussball abholt»

So versucht der SCK, Projekte auf eigene Faust umzusetzen, die man sich eigentlich vom Verband wünschte. «Oft braucht es dafür gar nicht viel Geld. Aber jemand muss es tun», so Redder, der nebst seinen Kernaufgaben als Trainer auch noch die Facebook-Seite des Clubs füttert. Aber nicht nur das. Um den potenziellen Wasserball-Nachwuchs nicht vollends an die anderen Sportarten zu verlieren, ist er im Begriff, zweimal im Jahr in Kreuzlingen ein Schülerturnier zu veranstalten. «Damit die Kinder merken, dass das Spiel im Wasser grossen Spass macht. Und das am besten, bevor sie der Fussball abholt.»

In anderen Bereichen hat wiederum Swiss Waterpolo Handlungsbedarf. Die Schweizer Nationalspieler erhalten vom Verband nur die Badehose und einen Trainingsanzug, aber keinen Rappen Entschädigung. So stellte Redder den Antrag, Nationalspieler für zusätzliche, begleitete Trainingseinheiten, die auf Eigeninitiative beruhen, finanziell zu belohnen. «Zehn Franken pro Einheit wäre schon ein Riesenansporn für die Jungs», so Redder. Die Absage des Verbands wurde damit begründet, dass dies Kreuzlingen gegenüber anderen Vereinen bevorzugen würde.

Redder fehlt ein Gesamtkonzept

Weil nach Redders Ansicht zu wenig Ideen umgesetzt werden, trat der SCK-Coach aus dem Trainerrat aus, der im nationalen Verband eine beratende Funktion hat. «Zu viel verläuft im Sand. Man hat nicht den Eindruck, dass Swiss Waterpolo den Leistungssport fördern will», sagt Redder frustriert. Auch fehlt ihm ein Gesamtkonzept. «Andere Landesverbände haben in jüngster Zeit mehr Fortschritte gemacht.»

Mittlerweile gedeihen in Kreuzlingen schon Ideen, sich der deutschen Liga anzuschliessen. Doch das würde die Abkehr von der hiesigen Meisterschaft bedeuten, was nicht das Ziel des Vereins ist. «Wir trainieren und spielen ja in erster Linie, um Schweizer Meister zu werden», sagt Redder. Die Chancen auf den Titel sind auch 2018 vorhanden. Die ersten beiden Saisonspiele hat Kreuzlingen in eindrücklicher Manier gewonnen – 18:2 gegen Winterthur und 24:7 gegen Basel.


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