Zum Zmittag gibt es Spatz

KEMMENTAL ⋅ Zum 72. Mal haben sich die Schützen zum Schwaderlohschiessen in Neuwilen getroffen. Die steigende Teilnehmerzahl freut die Organisatoren. Ihnen ist aber auch wichtig, dass die Geschichte vermittelt wird.
25. September 2017, 07:56
Desirée Müller

Desirée Müller

kreuzlingen

@thurgauerzeitung.ch

Flavia Knill hält schützend ihre Hände über die Frisur. Der Fahrtwind bläst ihr ins Gesicht. Der Chef des Militärwettkampfs, Urs Forster, bietet dem Schwaderloh-Mädchen lachend sein Béret an. Sie sitzen auf der Rückbank eines Pinzgauers auf dem Weg zur Schiessanlage Bäärenmos. Beim Empfang der geladenen Gäste im Pistolenschützenhaus Alterswilen hatte Knill gestern ihren ersten Auftritt beim diesjährigen historischen Schwaderlohschiessen. Als sie 17 war wurde sie angefragt, ob sie als Schwaderloh-Mädchen die Veranstaltung repräsentieren möchte. Früher verdiente sie sich ihr Sackgeld noch als Warnerin, heute ist sie die wohl wichtigsten Person des Anlasses. Bereits ihre Mutter, Regierungsrätin Monika Knill, sammelte als Kind Hülsen auf. Dieses Jahr ist es das dritte Mal, dass Flavia in ihrer blau-weissen Tracht an Apéros mit Persönlichkeiten wie Nationalrat Roland Eberle plaudert, Preise übergibt und mit den Schützen gerne ein Gläsli trinkt. «Für dieses Amt muss man offen sein und gerne plaudern», sagt sie.

Im Bäärenmos hüpft Knill gekonnt aus dem Geländewagen. Die helfende Hand von Heinz Nater braucht sie nicht. Der Präsident des Schwaderlohschiessens freut sich auf das Mittagessen. «Es gibt traditionell Spatz», sagt Nater. Insgesamt 1200 Gewehr- und Pistolenschützen haben wie er Hunger. An den Wänden in der gefüllten Halle sind meterhohe historische Bilder angebracht. Eine Kanone steht im Eingang. «Wir möchten den Schützen und Besuchern die Geschichte von der Schlacht in Schwaderloh näherbringen», ist dem Organisator wichtig. Vor allem bei den Jüngeren gehe das Wissen langsam verloren.

Das Schwaderlohschiessen ist am Puls der Zeit

Historische Schiesswettkämpfe gibt es in der Schweiz gerade mal 17. Paul Röthlisberger ist der ­Vizepräsident des Schweizer Schiesssportverbandes. «Die historischen Wettkämpfe sind anders reglementiert und haben ­einen hohen Stellenwert in der Schweiz», meint er. Rosemarie Hoffmann sieht noch eine Weile dem Wettkampfbetrieb zu. Die Pfarrerin hielt am Sonntag­morgen den Feldgottesdienst und begeisterte mit ihren Ausführungen. «Die Geschichte der Schlacht ist gewissermassen heute wieder aktuell», erzählt sie. Wer an die Zukunft denke, müssen auch in die Vergangenheit schauen. Neben ihr steht Thomas Schalch, Aktuar des Schwaderlohschiessens. In drei Monaten beginnt die elfköpfige Kommission bereits mit der Organisation für 2018. «Wir sind ein eingespieltes Team. Viele sind seit Jahren dabei», sagt er.

Schützen, die seit 20 Jahren teilnehmen, sind einfach zu finden. Wie Eddy Kurmann von der Schützengesellschaft Flawil. «Ich bin heute ziemlich kribbelig», sagt der Pistolenschütze. «Ich komme hauptsächlich wegen des Schiessens nach Neuwilen. Doch kenne ich mich auch gut mit der Geschichte des historischen Anlasses aus.»

Resultate unter:

www.schwaderlohschiessen.ch


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