Umstrittener Kreuzlinger Pfarrer geht

ABGANG ⋅ Alois Jehle verlässt Kreuzlingen. Der Pfarradministrator von St.Ulrich und die Katholische ­Kirchenvorsteherschaft sind übereingekommen, das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen.
Aktualisiert: 
29.09.2017, 19:00
29. September 2017, 17:48
Nicole D'Orazio
Noch bis Ende Oktober ist Alois Jehle Seelsorger in der Katho­lischen Pfarrei St.Ulrich. Dann ist der Pfarradministrator freigestellt. "Das Arbeitsverhältnis wird im gegenseitigen Einvernehmen per 30. Juni 2018 aufgelöst", sagte Beat Krähenmann, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Kreuzlingen-Emmishofen am Freitag vor den Medien. Man habe mit Jehle über mehrere Wochen intensive Gespräche über eine Weiterbeschäftigung in Kreuzlingen geführt. Doch man sei zu keiner ­kirchenrechtlichen Lösung gekommen. "Details können wir keine nennen", sagte Kirchenpfleger Simon Tobler.

Mit der Freistellung per Ende Oktober und der Auflösung des Arbeitsverhältnisses im Juni 2018 komme man den Wünschen ­Jehles entgegen, sagte Krähenmann. "Wir haben unseren Mitarbeitern gegenüber eine Verantwortung und wollten eine Lösung finden, wie es in der Privatwirtschaft ähnlich wäre."

Walentek als Gesamtleiter bestimmt, nicht Jehle

Die Kirchgemeinde ist schon längere Zeit gespalten. Jehle wurde immer wieder für seine sehr konservative Leitung kritisiert. Die Vorsteherschaft hatte Anfang Juli Pater Jan Walentek als neuen Gesamtleiter der Seelsorge für die Pfarreien St.Stefan und St.Ulrich bestimmt und nicht Jehle. Deswegen hatte sich eine Gruppe Frauen mit einer Petition für den Verbleib des 58-Jährigen in der Pfarrei starkgemacht und öffentlich ­Walenteks Kompetenz hinterfragt.
"Dass wir einen Gesamtleiter bestimmt haben, war der Auftrag des Bistums", erklärte Krähenmann." Vor zehn Jahren ­wurde entschieden, die Pfarreien in ­Pastoralräume zu gliedern. St.Ulrich, St.Stefan und St.Anna in Ermatingen sollen einen Pastoralraum des Führungstyps B bilden. Das bedeutet, dass ein Seelsorgeleiter die Pfarreien leitet. Typ A, in dem die Pfarreien im Pastoralraum einen eigenen verantwortlichen Seelsorger haben, wird nur bei grossen Pfarrverbänden gewählt. "Kreuzlingen ist dafür zu klein. Die Kirchenvorsteherschaft hat letztes Jahr nachgefragt, ob man nicht auf Typ A wechseln könne. Und auch ich habe mich nochmals beim Bischof erkundigt. Ohne Erfolg." Der Bischof habe bereits letztes Jahr gefordert, dass Kreuzlingen eine rasche Lösung sucht, da Josef Gander, Pfarrer von St.Stefan, Ende 2017 demissionieren wird.

Die Mitarbeiter sind am Freitag informiert worden. "Sie haben gefasst reagiert, einige sind natürlich enttäuscht", sagte Krähenmann. Wichtig sei, dass Fragen zur Zukunft gestellt wurden und dass eine Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien gewünscht wird. Die Pfarreien ­werden weiterhin eigenständig geführt. Die Projekte sowie die Gottesdienstordnung gehen unverändert weiter. Die jetzige ­Kaplan-Stelle von Walentek wird ausgeschrieben. "Ich bin froh, dass wir den Mitarbeitern und den Kirchbürgern die Unsicherheit nehmen können. Wir möchten in die Zukunft blicken, auch wenn einige vorerst enttäuscht sein werden."

Informationsabend am 3. Oktober

Die Kirchenvorsteherschaft lädt die Kirchbürger am kommenden Dienstag, 3. Oktober, 20 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung ins Stefanshaus ein. Dabei geht es um die Gespräche mit Pfarrer Jehle. Die öffentliche Vorstellung von Pater Jan Walentek als neuer Gesamtleiter erfolgt hingegen Anfang November. Dann wird auch Bischofsvikar Ruedi Heim anwesend sein. (ndo)


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