Tagblatt Online, 03. August 2012 09:23:00
Diebe stehlen im Auftrag Luxuswagen
Ein Mercedes der M-Klasse: Ein solcher Wagen befindet sich unter den gestohlenen vier Fahrzeugen. (Bild: pd)
KREUZLINGEN. Lange Gesichter in der Garage Lang: Am letzten Wochenende sind zwei Neu- und zwei Kundenwagen der Marke Mercedes geklaut worden. Die Polizei vermutet Profis und gezieltes Vorgehen hinter der Tat.
BETTINA DEGEN
Unbekannte haben am Wochenende aus dem Garagenbetrieb Auto Lang vier Mercedes im Gesamtwert von rund 400 000 Franken gestohlen. Ein «aussergewöhnlicher Fall», wie Mediensprecher Ernst Vogelsanger von der Kantonspolizei Thurgau sagt.
Von Tiefgarage auf die Strasse
Für die Mitarbeitenden der Garage Auto Lang begann die Woche mit einem Schrecken. Die zerbrochene Scheibe des Ausstellungsraumes liess nicht viel Gutes ahnen. Vier, für Kunden abholbereite Mercedes standen nicht mehr auf ihrem Platz in der Tiefgarage. Von aussen war dem Garagentor nichts Aussergewöhnliches anzusehen. Die Diebe müssen das Tor auf- und wieder zugedrückt haben. Um die wertvollen Autos wegzufahren, entwendeten die Autodiebe aus dem Schlüsselkasten die entsprechenden Fahrzeugschlüssel.
Wie die Garage Lang sagt, hätten sie aufgrund des Einbruchs Sofortmassnahmen getroffen und den vorher schon hohen Sicherheitsstandard weiter erhöht.
Ausnahmefall von Fahrzeugklau
«Das waren sicher keine Anfänger», sagt Kantonspolizei-Sprecher Vogelsanger. Es sei aussergewöhnlich, dass aus dem gleichen Garagenbetrieb gleich vier Autos entwendet wurden. «Wahrscheinlich wurden die Fahrzeuge gezielt im Auftrag gestohlen und ins Ausland verschoben.» Die Kantonspolizei geht auch davon aus, dass es sich um mehrere Täter handelt, die zwischen dem letzten Samstag um 16.45 Uhr und Montag, 7.30 Uhr, die teuren Fahrzeuge gestohlen haben. «Wir vermuten, dass die Täter die vier Mercedes aus der Garage herausgefahren und nicht per Lastwagen abtransportiert haben.» Denn laut Vogelsanger seien entlang der Sonnenwiesenstrasse mehrere Kontrollschilder von anderen Fahrzeugen abmontiert worden. Die Polizei mutmasst nun, dass die vier Mercedes mit den gestohlenen Nummernschildern über die Grenze gebracht wurden.
Trotz sofortigem Fahrzeug- Fahndungs- und Zeugenaufruf sind auf der Kantonspolizei Thurgau keine Hinweise eingetroffen.
Anders als in Tägerwilen
Der graue Audi RS 4, der vor gut einer Woche in Tägerwilen auf dem Vorplatz der Firma Rutishauser Automobile gestohlen wurde, dürfte nichts mit dem aktuellen Autodiebstahl zu tun haben. Es handle sich um einen älteren Wagen und nicht um einen Neuwagen.
Schnell über die Grenze und weg
Geklaute Autos bleiben kaum lange in der Schweiz. Das Ziel der Autodiebe ist es jeweils, möglichst schnell über die Grenze wegzukommen – und zwar noch bevor der Diebstahl entdeckt wird.
Meistens handelt es sich um direkte Aufträge oder Bestellungen aus dem Ausland mit genauen Angaben. Einer der gestohlenen Wagen war zum Beispiel ein Mercedes, Typ ML AMG 4Matic in Weiss. Wenn keine Bestellung vorliegt, versuchen die Diebe die Fahrzeuge erst nach dem Diebstahl zu verkaufen.
Die Grenznähe von Kreuzlingen zu Deutschland habe jedoch nichts mit dem Diebstahl der vier Mercedes zu tun, sagt Vogelsanger. Viele Autos werden über Österreich in den Osten verschoben.
Im letzten Jahr sind in der Schweiz 2461 Personenwagen gestohlen worden. Gut jeder dritte Fahrzeug-Diebstahl konnte aufgeklärt werden. Im Fall Kreuzlingen steht es also eins zu drei, dass das Verschwinden der vier Mercedes aufgeklärt wird.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben