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Tagblatt Online, 05. Mai 2012 13:25:00

«Die Schweizer Fans sind toleranter»

Andy Borg Zoom

Im Stadl ist er zu Hause: Andy Borg moderiert seit sechs Jahren die beliebteste Volksmusik-Sendung. (Bild: Nana do Carmo)

Moderator Andy Borg fühlt sich in Kreuzlingen pudelwohl. Er bewundert die Thurgauer Blütenpracht und ist froh, dass sein Publikum etwas älter ist als jenes von Tokio Hotel. Dennoch ist er überzeugt, dass der Musikantenstadl heute abend rocken wird.

Herr Borg, heute abend laden Sie zum Musikantenstadl in die Kreuzlinger Bodensee-Arena. Sind Sie zum ersten Mal hier?

Andy Borg: Meine Frau und ich reisen des öfteren Mal in die Schweiz. Ausserdem haben wir in Kreuzlingen vor zwei Jahren ja schon einmal mit unserer Stadl-Tournee Halt gemacht. Was mir bislang nicht so bewusst war, ist, dass Kreuzlingen und Konstanz ja eins sind. Auch diese Kunstgrenze, die finde ich total super. Ich war heute schon mit zwei Rädern in Deutschland und mit zweien in der Schweiz. Ich habe auf der Kunstgrenze parkiert. Cool!

Wo sind Sie denn stationiert?

Borg: Unser Hotel ist direkt am Bahnhof. Obwohl – ich glaube in Konstanz. Genau, wir sind nämlich über die Grenze zur Bodensee-Arena gefahren. Pro Sendung buchen wir für unser Team etwa 800 Übernachtungen. Da kann nicht jeder gleich neben der Halle schlafen. Nur die wirklich Fleissigen werden ganz nah einquartiert. Ich komme dann am Schluss (lacht).

Sie sind nun schon ein paar Tage hier. Was ist Ihnen an der Region aufgefallen?

Borg: Wenn ich an die Schweiz denke, kommen mir natürlich die Berge in den Sinn. Aber das ist hier ja ganz anders. Die Landschaft entspricht mir sehr. Mir als gebürtigem Wiener reichen ein paar Hügel. Ich brauche keine Dreitausender. Auch das Klima ist toll, fast mediterran. Diese Blütenpracht im Thurgau, das ist der Wahnsinn. In Passau, wo ich wohne, ist die Vegetation noch nicht so weit fortgeschritten.

Sie sagten, Sie reisen öfters durch die Schweiz. Welche Ecken kennen und mögen Sie denn besonders?

Borg: Ich glaube, es gibt keinen Ort unter 500 Einwohnern, wo ich nicht schon war. Ich mag die französisch sprechende Schweiz. Das Jazzfestival Montreux habe ich schon besucht. Am Thunersee und Vierwaldstättersee haben wir bereits Ferien gemacht, im Appenzellerland mehrmals. Wenn möglich fahren meine Frau und ich ein paar Tage früher los, wenn wir zu einem Termin müssen. Wir schauen uns unterwegs um, übernachten auf halber Strecke. In meinem Beruf ist vieles vorprogrammiert. In der Freizeit mag ich es spontan.

Wie unterscheiden sich die Schweizer Fans von den Deutschen und den Österreichern?

Borg: Die Schweizer sagen nicht so schnell: das ist nicht gut. Sie sagen vielleicht: das gefällt mir nicht. In Deutschland und in Österreich ist das Publikum direkter und sagt schneller mal, dass etwas scheisse sei. Bei den Schweizern kann man eher mal ein Experiment wagen, zum Beispiel einen Florian Ast im Stadl auftreten lassen. Das tut ja nicht weh. Es wäre schön, wenn alle so tolerant wären.

Und die Stimmung ist trotzdem gut?

Borg: Wir sind jährlich nur ein Mal in der Schweiz – und es ist jedes Mal ein Erlebnis. Hier läuft alles wie Butter, es funktioniert perfekt. Die Leute mögen uns. In der Schweiz rockt der Stadl wirklich, wie es eine Frau vor kurzem in Huttwil treffend formuliert hat.

Wie gehen die Leute auf der Strasse auf Sie zu?

Borg: Die Schweizer klopfen mir nicht gleich so fest auf den Rücken, dass ich husten muss. Die sind total höflich. Ich bin in der schönen Situation, dass mein Publikum erwachsen ist. Ich bin zum Glück nicht Tokio Hotel. Oder wie heisst gleich nochmal dieser Schweizer, der DSDS gewonnen hat?

Luca Hänni.

Borg: Luca! Da kann man sich ja nicht mehr unterhalten, bei dem Geschrei, das die Fans veranstalten. Nun ja, meine laufen mir eher so hinterher (Borg bückt sich leicht, hält sich das Kreuz und lacht). Alles zu seiner Zeit!

Obwohl Volksmusik auch bei Jüngeren sehr beliebt ist, oder?

Borg: Ja, wieder mehr. Ich hätte mir nie gedacht, dass meine Tochter einmal ein Dirndl tragen würde. Aber jetzt macht sie es, feiert bei uns mit – auch wenn sie keine CD unserer Künstler ins Regal stellt. Gerade hier in ländlichen Gegenden oder bei uns in Bayern ist die Jugend sicher noch traditioneller als in den Städten.

Interview: Martina Eggenberger





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