St.Galler Tagblatt Online, 07. März 2012 07:10:00
Der Superstar unter den Nagern
Biber-Präsenz am Lengwiler Weiher: Zivilschützer Tobias Meyer und Philip Taxböck von Pro Natura beim Bau des Lehrpfades. (Bild: Reto Martin)
KREUZLINGEN. Bei den Lengwiler Weihern ist seit über einem Jahr ein Biber zu Hause. Zu entdecken ist er schwer, aber er hinterlässt deutliche Spuren. Um ihn den Menschen der Region näherzubringen, hat Pro Natura einen Biberlehrpfad installiert.
URS BRÜSCHWEILER
Ein Bad in der Abenddämmerung hatte er genommen und wurde dabei beobachtet. Es war im August 2010, als zum ersten Mal – seit seiner Ausrottung in der Schweiz zu Beginn des 19. Jahrhunderts – bei den Lengwiler Weihern wieder ein Biber gesichtet worden war. Danach entdeckte man rasch auch Nagespuren rund um den Grossweiher. Und heute ist die Anwesenheit des grössten einheimischen Nagetiers kaum mehr zu übersehen. Gefällte Bäume und Erdbauten deuten auf Aktivitäten des Bibers hin. Vom Damm zwischen Pfaffenweiher und Grossweiher hat er sich einen Schlipf, eine regelrechte Rutschbahn angelegt. Der Nager bevorzugt es nämlich, immer an der gleichen Stelle ins Wasser zu gehen.
Bäume mit Draht geschützt
«Wir freuen uns über den Biber. Und wir möchten den Leuten zeigen, dass er hier ist», sagt Philipp Taxböck, der für Pro Natura das Projekt «Hallo Biber! Ostschweiz» betreut. Man hat es sich zum Ziel gemacht, die Ausbreitung des Bibers in der Ostschweiz zu begleiten und zu fördern. So dass die Nagetiere ihren natürlichen Lebensraum weitgehend wieder besiedeln können. Und es sollen auch allfällige Nutzungskonflikte auf ein Minimum reduziert werden. Dafür wird auch etwas getan. Zum Beispiel erhielten einige ökologisch wertvolle Eichen am Ufer eine Drahthose verpasst, welche sie vor Biber-Bissen schützen.
Wozu bauen Biber Dämme?
Gestern hat nun Taxböck zusammen mit Zivilschützer Tobias Meyer zehn Informationstafeln aufgestellt. Sie bilden einen eigentlichen Biberlehrpfad rund um den Grossweiher. «Wir sind um den Weiher gelaufen, haben Spuren gesucht und entschieden, was wir zeigen und beschreiben wollen.» In kurzen Sätzen werden auf den Schildern ausgesuchte Themen rund um ein Biber-Leben beleuchtet: «Warum fällt er Bäume?», «Wozu dieser aufwendige Dammbau?» Wer den Biber selbst – und nicht nur die Schilder – sehen wolle, müsse ein bisschen Zeit mitbringen, meint Philip Taxböck. Die besten Chancen hat man dazu in den frühen Morgenstunden oder abends in der Dämmerung. Am einfachsten zu entdecken ist er, wenn er am Baden ist. «Dann kann man ihn vielleicht vorbeischwimmen sehen.» Manchmal hört man ihn. Wenn er mit seinem breiten Schwanz, der Kelle, aufs Wasser schlägt.
Ein Weiher für ein Männchen
Der Biber an den Lengwiler Weihern ist vorerst Einzelgänger. «Es ist nur ein junger Erwachsener hier.» Davon geht Philip Taxböck aus. Man vermute, dass er vom Bommer Weiher zugewandert sei. Zu hundert Prozent glücklich mit seinem Verhalten hier ist man aber nicht. Er hat nämlich umfangreiche Erdbauten erstellt. Diese könnten den Damm destabilisieren, wenn man ihn sich «noch einige Jahre austoben lässt». Deshalb wird man ein Gitter einbauen müssen, eine Grab-Sperre für den Biber. Das Baugesuch bei der Stadt Kreuzlingen sei bereits eingereicht, erklärt der Projektleiter von «Hallo Biber!»
Freie Bahn bis zum See
Entgegenkommen möchte man dem jungen Biber aber auf andere Weise. Der Abfluss des Grossweihers in den Kreuzlinger Chogenbach soll demnächst so umgestaltet werden, dass das Tier an den See gelangen könnte. «Diese Vernetzungen der Gewässer-Systeme sind sehr wichtig, dann hätten die Biber eine Verbindung von der Thur bis zum Bodensee.»
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