Sie provoziert gerne

KREUZLINGEN ⋅ Maria Schneider hat im Alter von 71 im Fernstudium Belletristik studiert. Nun will die ehemalige Gemeinderätin und emsige Leserbriefschreiberin ihren ersten Roman veröffentlichen.
06. Februar 2018, 05:18
Annina Flaig

Annina Flaig

annina.flaig@thurgauerzeitung.ch

Knallrot springt einem der Toaster ins Auge. Auch der Badezimmerteppich und sämtliche Türrahmen haben diese Farbe. «Mein Mann und ich provozieren gerne», sagt Maria Schneider. Dann nimmt sie auf dem schwarzen Sofa platz, und schenkt ihren Gästen ein versöhnliches Lächeln. Aber auch hier schimmert ein roter Balkon durchs Fenster. Die Blutfarbe spornt sie offenbar an und liefert Inspiration für ihre Texte. «Ansporn ist wichtig, gerade im Alter.» Schneider hebt den Mahnfinger: «Ich kenne viele antrieblose ältere Menschen.» Das gebe ihr zu denken. Ihnen will sie Mut machen und beispielhaft vorausgehen.

Die Kapitänin kann nicht schwimmen

Maria Schneider, die 2003 aus dem Gemeinderat ausgeschieden ist und bis 2007 zusammen mit ihrem Mann die Kreuzlinger Metallbaufirma Schneider AG geführt hat, beobachtet das Geschehen in der Stadt immer noch genau. Wenn ihr irgendwo etwas zuwider ist, schreibt sie einen Leserbrief und veröffentlicht ihn in dieser Zeitung – seit nunmehr 30 Jahren. Aber beim Leserbriefschreiben soll es nicht bleiben. «Wenn man gesund ist, ist auch im Alter noch vieles möglich», sagt Schneider und zeigt nicht ohne Stolz das Zertifikat der Schule des Schreibens in Hamburg. Im Rahmen eines Fernstudiums hat Schneider kürzlich den Lehrgang Belletristik nach eineinhalbjährigem Studium erfolgreich abgeschlossen. Nun darf sich ihre Leserschaft auf noch mehr Gehaltvolles freuen: Die selbstbewusste Rentnerin will Schriftstellerin werden. Dieses Ziel verfolgt sie mit Ausdauer und Beharrlichkeit. Das sind zwei Tugenden, die sie als zweitälteste von acht Geschwistern seit Kindsbeinen begleiten. Aktuell schreibt sie bereits an ihrem zweiten Buch. Ende Jahr soll es veröffentlicht werden, im Gegensatz zu ihrer Biografie, die sie nur für ihre Familie geschrieben hat. Ihr neues Werk handelt von einer Nichtschwimmerin, die als Kapitänin auf dem Schiff fungiert. «Ein Roman mit autobiografischen Zügen.» Mehr will die Nichtschwimmerin, die mit Kreuzfahrten schon dreimal die Welt umrundet hat, nicht verraten. Schneiders haben keine Enkel und keine Haustiere. «Dieses Projekt füllt mich aus. Das ist Gold wert.» Manchmal zittere sie regelrecht vor Arbeitslust.


Anzeige: