«Schaffe, schaffe, Häusle baue»

MÜNSTERLINGEN ⋅ Die Gemeinde und die Psychiatrische Klinik stellten gemeinsam eine Veranstaltung zum Thema Migration auf die Beine. Das fremdländische Essen schmeckte, und die Podien gewährten spannende Einblicke.
19. September 2017, 05:17
Daniela Ebinger

Daniela Ebinger

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

 

Bunte Stände dekorieren die Eingangshalle und den Saal im Gemeinschaftszentrum der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Angeboten werden kulinarische Köstlichkeiten aus elf Ländern. Die Gemeinde Münsterlingen organisierte mit der Klinik den ersten Anlass «Migration mal anders» mit integriertem Food-Festival. «Wir wollen den verschiedenen Kulturen in der Klinik und in Münsterlingen Raum geben, um aufzuzeigen, dass Migration etwas Selbstverständliches sein kann», sagt die Kulturverantwortliche der Klinik Seraina Perini. «Es soll ein Ort für Begegnungen sein.» Und das Konzept ging auf. Die Besucher probieren die fremden Speisen und unterhalten sich angeregt.

Am mexikanischen Stand steht Ernesto Gutierrez. Er ist seit elf Jahren in der Schweiz und fühlt sich sehr wohl. «Es ist für mich eine zweite Heimat», sagt der Betreuer in der Stiftung Mansio. In seinem Heimatland führte er ein gutes Leben. «Aber die Schweiz bietet mir mehr Möglichkeiten, und das schätze ich sehr.» Liselotte Oberholzer interessiert das Thema Migration. Die 91-Jährige ist fasziniert von der Vielfältigkeit. «Man kennt sich nicht und trotzdem entstehen interessante Gespräche», sagt die Arbonerin. Sie findet, das tue ihr in ihrem hohen Alter gut, und auch der Schweizer Kultur.

Ein gutes Zeichen für die Gesellschaft

Gertraud Lange hat sich auch an einigen Ständen verköstigt. «Der Anlass ist ein gutes Zeichen für die Gesellschaft, wie mit Migration umzugehen ist», sagt die Konstanzerin. Nebst dem kulinarischen, gibt es einen Teil mit Podiumsgesprächen. Diskutiert werden die Themen Migration und Pflege. Gemeindepräsident René Walther zeigt Schwierigkeiten und Herausforderungen auf und dass es alle angeht. Die Podiumsteilnehmer der Stiftung Mansio, der Psychiatrischen Dienste Münsterlingen, der Arbeitsgruppe für Asylsuchende (Agathu) sowie der junge Flüchtling Hussein Babai erzählen aus ihrem Alltag und von ihren Berührungspunkten mit dem Thema Migration.

Für Hussein Babai war es ein harter Weg in die Schweiz. Der junge Mann aus Scherzingen kam vor rund zwei Jahren alleine aus dem Iran in die Schweiz. Schnell integrierte er sich, besuchte die Sekundarschule und lernte die deutsche Sprache. Zurzeit absolviert er eine Ausbildung zum Elektromonteur. Moderator René Walther fragt ihn nach seinem Geheimrezept, wie er in so kurzer Zeit so viel erreichen konnte. Ganz spontan und mit einem charmanten Lächeln antwortet der 17-Jährige: «Schaffe, schaffe Häusle baue.» Ihm sei die Sprache sehr wichtig. Es komme nicht auf die Religion an, sondern auf das, was ein Mensch denkt.


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