Rote Köpfe bei Kreuzlinger Saunagängern

KREUZLINGEN ⋅ Dass im neuen Projekt für das Schwimmbad Egelsee keine finnische Sauna vorgesehen ist, stösst vielen sauer auf. Mit einer Unterschriftensammlung kämpfen zwei Frauen dafür, dass sie weiter schwitzen dürfen.
26. September 2017, 07:36
Martina Eggenberger Lenz

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger

@ thurgauerzeitung.ch

Sie hatten sich bis zum Schluss Hoffnung gemacht. Doch als die Verantwortlichen der Stadt und der Schule letzte Woche das neue Projekt zur Sanierung und Erweiterung des Egelsee-Bades vorstellten, war dies wie ein Schlag ins Gesicht der Sauna-Fans. Auf ihr Anliegen, wenigstens eine einfache finnische Sauna vorzusehen, waren die Planer nicht eingegangen. «Wir fühlen uns verschaukelt», sagt Susi Grob. Sie hat mit Elisabeth Krüger vor einigen Wochen angefangen, Unterschriften für den Erhalt der Sauna zu sammeln. Die Kreuzlingerinnen haben zudem einen Brief an Gemeinderatspräsident Daniel Moos verschickt. Man bitte den Gemeinderat darum, ihren Wunsch vor der Diskussion der Botschaft zu prüfen.

Es gab ein Treffen der Frauen mit Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass. Bei diesem sei ihnen Mut gemacht worden, weiter zu kämpfen, erzählt Grob. Man sei sogar Varianten durchgegangen, wo die Sauna allenfalls platziert werden könnte. «Das neue Projekt verfügt über alle möglichen Extras und Schikanen – nur eine Sauna ist immer noch nicht enthalten. Ich frage mich: wer hat denn ein Dampfbad gefordert? Wer braucht diese Riesenrutsche? Ich habe keine entsprechenden Stimmen gehört.» Doch die Saunagänger hätten ihr Begehren formuliert. Grob betont, der Wunsch nach einer Sauna sei nicht neu. Es gebe ja seit Jahren eine, und der frühere Schulpräsident Jürg Schenkel sei immer zu dieser gestanden. Man fordere keine Luxuslösung, eine zweckmässige Anlage würde genügen.

Das Bad ist eben doch nicht für alle

Die Nachricht, dass die Sauna im neuen Schwimmbad fehlt, hat auch Rolf Senn verärgert. Er hat sich schon in Leserbriefen geäussert und an alle Gemeinderäte ein Schreiben verschickt, in dem er sie bittet, die Sauna-Sache zu überdenken. «Die Verantwortlichen sprechen von einem Bad für alle. Das ist schlicht eine Lüge», meint Senn. «Sind die Saunagänger denn niemand?» Er beruft sich auf das Abstimmungsergebnis von 2014, wo die Stimmbürger das neue Bad zwar bachab, die Attraktivitätssteigerung mit Sauna jedoch angenommen hatten. Die Politik müsse das doch als klaren Auftrag werten. Schlimm findet Senn auch, dass das neue Projekt trotz Abstrichen nur 1,5 Millionen Franken weniger kostet als das alte. «Den Verantwortlichen müsste doch bewusst sein, dass sie das Gesamtprojekt gefährden, wenn sie den Saunagängern nicht entgegen- kommen.» Auch wenn sie enttäuscht sind: aufgeben wollen sie noch nicht. Susi Grob sagt, man habe viele Unterschriften zusammen und sammle weiter. Ziel sei es, vor der Abstimmung im Gemeinderat am 16. November ein Zeichen zu setzen.

Stadt will eine Sauna in der Feinplanung prüfen

Noch gibt es eine Chance, dass im neuen Egelsee-Bad eine finnische Sauna fortgeführt wird. Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass sagt, man werde die Option einer Sauna im Rahmen der Detailplanung prüfen. Das könne aber erst nach dem Ja des Gemeinderates im November und der Zustimmung des Volks im März geschehen. Denn momentan dürfe die Vorlage nicht mehr verändert werden. Dass in der aktuellen Botschaft keine Sauna vorgesehen ist, beruht bekanntlich auf dem Grundsatzentscheid der Stadt und der Schule, auf eine solche zu verzichten. Es sei nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, eine Sauna zu betreiben, lautete das Argument.

Wenn man im neuen Bad eine Sauna mit Nacktbereich realisiere, dann habe das unvermeidlich grössere Auswirkungen auf den betrieblichen Ablauf, erklärt Dorena Raggenbass. Es müsste ein zusätzliches Eintritts-System eingerichtet werden, um den Saunazugang zu kontrollieren und die Kosten zu gliedern. Grundsätzlich sehe man zur Platzierung einer kleinen Sauna nur den Bereich des Zwischengangs, wo sich auch das Dampfbad befindet. Man könne den Saunagängern zum heutigen Zeitpunkt aber keine Garantie geben, dass ihr Wunsch erfüllt wird. Denn oberste Priorität habe die Einhaltung des «sehr engen» Kostenrahmens. Wenn die Sauna gebaut würde, dann müsste sie im Gesamt- kostendach integriert sein, erklärt die Vize-Stadtpräsidentin. Sie betont, man wolle mit dem Bad primär der grossen Nutzergruppe der Familien und der Schwimmer gerecht werden. Sie verweist auf die Zahlen: Letztes Jahr haben rund 78000 Badegäste das «Egelsee» besucht, dazu wöchentlich 900 Schüler. Kleinkinder werden dabei nicht einmal erfasst. Dem gegenüber stehen die Saunagäste mit jährlich rund 2400 Eintritten. (meg)


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