Kritische Fragen sind "Griff in den Giftschrank"

KREUZLINGEN ⋅ Der Konflikt in der Katholischen Pfarrei St. Ulrich spitzt sich zu. Nachdem sich letzte Woche eine Gruppe Frauen für Alois Jehle eingesetzt hatte, folgt die Antwort in drei Leserbriefen.
26. September 2017, 19:07
Urs Brüschweiler
Der Streit in der Pfarrei schwelt schon jahrelang. In den letzten Wochen hat sich der Konflikt zwischen Unterstützern und Gegnern von Pfarradministrator Alois Jehle nun zusehends verschärft. Im Juli hatte die Kirchenvorsteherschaft mit dem neuen Präsidenten Beat Krähenmann Pater Jan Walentek zum Gesamtleiter der Kirche ernannt und Alois Jehle de facto degradiert. Die Gruppe «Frauen für Jehle» hatte sich bereits zuvor und nun letzte Woche erneut für ihren Pfarrer starkgemacht
 

Alois Jehle soll bleiben

"Wir wollen, dass er die Leitung von St. Ulrich behalten darf", sagte Heidy Brenneis gegenüber unserer Zeitung. Ihre Anliegen untermauern die Frauen mit einer Petition von "über 700 Unterzeichnenden" und an den designierten Nachfolger in der Gemeindeleitung, Jan Walentek, richten sie kritische Fragen zu dessen Qualifikationen.

Die Reaktionen darauf liessen nicht lange auf sich warten. Drei Leserbriefe erreichten seither unsere Redaktion (siehe unten, teilweise in gekürzter Form). Und auch die "Dialoggruppe" meldete sich am Dienstag wieder zu Wort. "Der Graben in der Pfarrei St. Ulrich wird immer breiter und tiefer", schreibt Xaver Dahinden im Namen der Jehle-Gegner. Die kritischen Fragen an Jan Walentek zielten bewusst auf die Person und schürten Misstrauen. Das sei ein "Griff in den Giftschrank". Man bezweifelt die Glaubwürdigkeit der Petition. Nur ein Bruchteil der Unterschriften sei von katholischen Kreuzlinger Stimmbürgern. Dahinden spricht von einem Drama, dass inzwischen zum Kriminalstück mutiere und einem fortschreitenden Chaos, in dem Alois Jehle wacker mitwirke. 

Dass sich die beiden Lager derzeit so massiv bekämpfen, liegt wohl daran, dass ein Entscheid über die Zukunft Alois Jehles offenbar unmittelbar bevorsteht. Mutmasslich steht sein Abschied im Raum. 
 

Eine Orientierung folgt am Freitag

Kirchenpräsident Beat Krähenmann kündigte letzte Woche an, dass Gespräche stattfinden und in den nächsten Wochen informiert werde. Mittlerweile hat die Behörde für kommenden Freitag eine Presseorientierung anberaumt, wobei das Thema vorab nicht bekannt ist. Der Mann im Zentrum des Sturms, Pfarradministrator Alois Jehle, bestätigt auf Anfrage, dass man im Gespräch sei. Er wolle aus diesem Grund derzeit zu den Vorwürfen öffentliche keine Stellung beziehen. Das sei nicht hilfreich. Und auch zu seiner persönlichen Situation wolle er keine Äusserungen machen, damit die Gespräche nicht beeinflusst würden.

Hochzeiten mit Hindernissen

Mit meinem Freund und meiner Familie planten wir seit Monaten unsere Hochzeit. Mitte September dieses Jahres sollte der schönste Tag unseres Lebens stattfinden. Uns war es ein Bedürfnis, auch kirchlich zu heiraten. Beim ersten Vorgespräch erklärte uns Herr Jehle, er werde nur einen Wortgottesdienst halten, keine Eucharistiefeier mit Kommunion, da er nicht wisse, ob auch nichtkatholische Gäste dabei wären. Wir fanden dies befremdend, da die Kirche ja eigentlich verkündet, vor Gott seien alle gleich. Herr Jehle aber macht in seiner Kirche klare Unterschiede. 
Die Eltern hatten als Hochzeitsgeschenk eine hervorragende Sängerin engagiert. Sie sollte das "Ave Maria" singen, "Hallelujah", "The Power of Love" und "Sag es laut". Herr Jehle sagte, dass nur religiöse Lieder gesungen werden dürfen. Wir einigten uns mit der Solistin auf das "Ave Maria" und das "Hallelujah", obwohl für uns alle vier Lieder bedeutsam sind. Herr Jehle lehnte auch das "Hallelujah" ab, es sei zu wenig liturgisch. Unsere Enttäuschung war riesig. Die Vorfreude auf den schönsten Tag begann zu schwinden. Wir verstehen nicht, dass ein "Seelsorger" uns alles blockieren und diktieren wollte. Statt das Miteinander und die Ökumene zu pflegen, statt auf das einzugehen, was den (jungen) Menschen wichtig ist, werden diese vergrault. Das sind nicht nur Rückschritte, sondern Fehldeutungen des Christentums. 
Vier Wochen vor der Hochzeit mussten wir entscheiden, ob wir überhaupt kirchlich heiraten sollten. Schliesslich erhielten wir vor ein paar Tagen den Segen Gottes in der Kirche St. Stefan in Emmishofen bei Pfarrer Josef Gander. Eine wunderschöne Feier mit unserer Sängerin und allen Liedern. Für uns ist Herr Jehle kein Repräsentant unserer Kirche St. Ulrich.
Angela Gomes (Braut) und Sonja Padula (Brautmutter), Kreuzlingen

An die "Frauen für Jehle"

Vorab muss ich gestehen, dass ich einigen dieser mir persönlich bekannten Initiantinnen ein so widerliches Vorgehen nicht zugetraut hätte.
Ich erinnere mich nicht, dass Sie vor fünf Jahren bei der Wahl von Herrn Jehle durch die Kirchenvorsteherschaft gleiche oder ähnliche Nachforschungen über seine Vergangenheit angestellt haben, wie jetzt über Pater Jan Walentek. Sie wollen wohl "düstere Flecken" über ihn an den Tag bringen, um das Vertrauen der Pfarreiangehörigen in ihn zu untergraben, oder? Manch "Dunkles" hätte sich damals und würde sich bis heute auch über Herrn Jehle finden lassen.
Ihre Art auf Stimmenfang zu gehen, mahnt mich an sektiererisches Vorgehen. Sie gingen von Tür zu Tür, um Stimmen für Herrn Jehle zu erbetteln, und das nicht gerade zimperlich. Manche sahen sich fast gezwungen zu unterschreiben. Beim Entwurf dieses Briefes, am Freitagabend, wusste ich vom taktlosen Stimmenfang (auf dem Vorplatz der Kirche) nach einem Gottesdienst mit Pater Walentek noch nichts. Dass sich ausgerechnet Frauen solchen Praktiken hingeben, finde ich äusserst beschämend!
Dem Kirchenpräsidenten Herrn Krähenmann danke ich herzlich für seine sachliche Stellungnahme. Seine integre Art erlebte ich  beim Verein für Behindertenbusse (VBB) als Vizepräsidentin und Aktuarin während seiner Zeit als dessen Präsident.
Margrit Bucher-Gamma, Kreuzlingen

5 Jahre Alois Jehle sind genug

Seit nunmehr fünf Jahren ist Pfarradministrator Alois Jehle in St. Ulrich tätig. In dieser Zeit hat er einen Haufen Porzellan zerschlagen und einen riesigen Scherbenhaufen verursacht. Mit der Wahl von Pater Jan Walentek durch die neu zusammengesetzte Vorsteherschaft wurde ein Wunsch des Bistums auf einen Wechsel umgesetzt. Mit dieser Wahl hofften wir Kirchbürger, dass endlich Ruhe einkehren würde und wir an den Wiederaufbau der beschädigten Strukturen der Pfarrei gehen könnten.
Nun kommt diese Gruppe "Aktive Frauen für Jehle" und hinterfragt in perfider Weise die Eignung des neuen Seelsorgers. Dabei war er vom Bistum geprüft und uns empfohlen  worden. Ganz im Gegenteil zu Alois Jehle, der von der damaligen Vorsteherschaft 2011 dem Bistum aufgedrängt wurde, so dass eine Prüfung auf Eignung nicht machbar war. Er hat denn auch bewiesen, dass er nicht zur Leitung einer Pfarrei geeignet ist.
Wenn die Frauen nun behaupten, dass sie über 700 Unterschriften für eine Petition zusammengebracht hätten, so muss man diese Zahl doch wohl einmal hinterfragen. Böse Zungen behaupten, dass Leute mit Wohnsitz im Ausland unterschrieben hätten, Nicht-Kreuzlinger, Nichtkatholiken und dass sogar Jugendliche und Kinder zum Unterschreiben angehalten worden sind. Somit sind berechtigte Zweifel an der Zahl 700 angebracht.
Es reicht jetzt! Alois Jehle hat sich als gewiefter Manipulator von Leuten in seiner Umgebung entpuppt und muss endlich gestoppt werden. Herr Jehle sollte seinem Bischof endlich gehorsam sein und Kreuzlingen verlassen. Dann können wir endlich in Ruhe die Pfarrei wieder aufbauen.
Ruedi Anderegg, Kreuzlingen


Leserkommentare

Anzeige: