Klimawandel, Lebensmittel, Brexit

KREUZLINGEN ⋅ Drei Schüler der Kantonsschule durften am Jugendparlament in Brüssel teilnehmen. Dafür mussten sie nicht nur ihr Diskussionstalent beweisen, sondern auch genügend Post-its bereithalten.
30. November 2017, 07:10
Viola Stäheli

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

«Nach der Landung erlebten wir eine ziemliche Odyssee», erzählt der 17-jährige Marco Di Giuseppe und grinst die Anwesenden an. Die 16-jährige Elena Hutterli lacht auf: «Wir dachten wirklich, dass wir es nicht mehr ins Hotel schaffen.» Sie beide und der 17-jährige Raphael Uhl erzählen von ihrer Reise zum Jugendparlament in Brüssel, welche sie vor kurzem gemeinsam mit ihrem Deutschlehrer Daniel Hurtado machen durften (unsere Zeitung berichtete). Sie sind die erste ­Delegation der Kreuzlinger Kantonsschule, die sich im Rahmen des EYP, einem von der Eidgenossenschaft unterstützten Jugendparlament (siehe Infokasten), für eine solche Auslandkonferenz qualifiziert hat. Die abenteuerliche Reise vom Flughafen zu ihrem Hotel in Brüssel mit mehreren verpassten Bussen und dubiosen Haltestellen – die statt der geplanten 30 Minuten zwei Stunden dauerte – war bei weitem nicht die einzige Herausforderung, welcher sich Marco Di Giuseppe, Elena Hutterli und ­Raphael Uhl stellen mussten.

Bearbeitung eines politischen Themas

Für die Qualifikation durchliefen sie ein zweistufiges Verfahren: Als erstes nahmen sie an einer sogenannten Regional Session in Bern teil. Daraufhin bot sich ­ihnen die Möglichkeit für eine Teilnahme an einer «National ­Selection Conference» in Lausanne. Organisiert sind diese ­Anlässe alle vom EYP und haben immer den gleichen Ablauf: An einem Tag arbeiten die Jugendlichen in kleinen Arbeitsgruppen einen Entschluss zu einem politischen Thema aus. Die Arbeitsgruppen sind bunt durchmischt, die einzelnen Delegationen arbeiten nicht zusammen. Deshalb erfolgt zu Beginn eine kurze Phase des Teambuildings, bevor die Jugendlichen ihr Thema bearbeiten. Am zweiten Tag folgt ein Austausch und eine Diskussion zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen. Diskutiert wird ausschliesslich auf Englisch. Die Thurgauer Delegation stach der Jury an der «National Selection Conference» ins Auge. So kam es, dass die drei Schüler vor zwei Wochen nach Brüssel reisten und bei einer dortigen Veranstaltung ihr Wissen und Diskussionstalent weitergaben. Elena Hutterli befasste sich in ihrer Arbeitsgruppe mit dem Klimawandel, Raphael Uhl beschäftigte sich mit genmanipulierten Lebensmitteln und Marco Di Giuseppe mit dem ­Brexit. Bevor sie nach Belgien reisten, informierten sich die drei über ihr jeweiliges Diskussionsthema. Stets unterstützend stand ihnen ihr Deutschlehrer Daniel Hurtado zur Seite: Er begleitete die Schüler an die Veranstaltungen und half, wo Unterstützung gebraucht wurde. Er war auch in Brüssel dabei und machte vor ­allem eine Beobachtung: «Auf ­jedem Schreibtisch waren unzählige bunte Post-its verteilt», sagt er lachend.

Raphael Uhl pflichtet ihm bei: «Von denen braucht es bei diesen Veranstaltungen eine Menge, sonst vergisst man, was man ­sagen wollte.» Nebst den Klebezetteln war Kaffee sehr beliebt an der Veranstaltung. «Zu Schlaf kommt man nicht viel», sagt Elena Hutterli. Am Abend wird die eigene Präsentation des bearbeiteten Themas ausgearbeitet, und am Morgen gilt es, Gegenargumente für die Entschlüsse der anderen Arbeitsgruppen zu finden – ansonsten kommt keine Diskussion in die Gänge.

Vielleicht geht es bald nach Wien

Die Augen der drei Schüler leuchten, wenn sie von Brüssel erzählen. Das Senatsgebäude, in welchem das Jugendparlament tagte, sei gewaltig gewesen, und man habe viele neue Leute kennen gelernt. Die Kreuzlinger Delegation war nicht die einzige aus dem Ausland – auch aus anderen Länder wie Polen oder der Ukraine sind Jugendliche nach Brüssel gereist.

Keiner der drei Schüler weiss genau, wohin der berufliche Weg nach der abgeschlossenen Maturität gehen wird. Interesse für die Politik ist allerdings bei allen ausreichend vorhanden. Vorerst wissen sie aber eins: Das Jugendparlament in Brüssel soll nicht ihr letzter Auftritt beim EYP gewesen sein. «Mit etwas Glück schaffen wir es vielleicht auch an ein Jugendparlament in Wien», sagt Elena Hutterli. Dort würde sie das Gleiche wie in Brüssel erwarten – nur eben in einer neuen Stadt.


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