Kids sagen, was sie möchten

KREUZLINGEN ⋅ Die Jugendmusik hat als einer von drei Vereinen am schweizweiten Pilotprojekt «Wir reden mit» teilgenommen. Dabei werden die jungen Mitglieder motiviert, stärker am Vereinsgeschehen mitzubestimmen.
06. Dezember 2017, 05:22
Nicole D’Orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch

Stolz haben die «JMK Kids» ihre neuen Uniformen am kürzlichen Galakonzert präsentiert. Das Orchester mit den jüngsten Mitgliedern der Jugendmusikschule Kreuzlingen spielt neu in dunkelgrünen Poloshirts. «Die Kinder haben selber entschieden, wie sie künftig auftreten wollen. Über die Art der Uniform, Farbe und Stoff», sagt Kai Kopp, Schulleiter der Jugendmusik Kreuzlingen (JMK). Die älteren «JMK Teens» hätten sich hingegen für einen Zweiteiler entschieden. Diese Uniform werde dann im kommenden Mai offiziell präsentiert.

Die Neugestaltung der Uniform ist der erste von neun Punkten, bei denen die Mitglieder der Jugendmusik Kreuzlingen vermehrt mitbestimmen sollen. Als einer von drei Vereinen macht die JMK beim Pilotprojekt «Wir reden mit» der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände sowie des Kinderhilfswerks Plan International Schweiz mit. «Die Kinder und Jugendlichen sollen sich im Verein vermehrt einbringen und ihre Bedürfnisse äussern», erklärt Kopp. Zusammen mit dem Rugby Club Bern und dem Ideenbüro Bern seien die Kreuzlinger ausgesucht worden.

Fünf Jugendliche wollen vorerst mitarbeiten

«Wir haben dann intern einen Aufruf gemacht, wer von den Kindern und Jugendlichen mitarbeiten will», erzählt der Schulleiter. An einem Workshoptag im April haben die fünf Teilnehmer neun Punkte definiert, bei denen sie mehr mitbestimmen wollen. «Schön ist, dass alle drei Orchester in der Projektgruppe repräsentiert werden. Das heisst, wir haben Kinder und Teenager zwischen zehn und 16 Jahren mit ­dabei.» Man werde später versuchen, innerhalb des Vereines ein kleines Jugendparlament aufzubauen.

«Wir haben die neun Punkte zusammen priorisiert und sind die drei ersten sofort angegangen.» Als erstes war die neue ­Uniform an der Reihe. Danach die Jubiläumsfeierlichkeiten der Jugendmusikschule, die 2021 150 Jahre alt wird. «Es hat uns erstaunt, dass sich die Kids bereits jetzt Gedanken über das grosse Jubiläum machen und daran mitarbeiten wollen», erzählt Kopp. «Ihre Inputs sind beispielsweise eine Hüpfburg oder ein Bällelibad. Dem OK, das man im kommenden Jahr gründen wird, werde man diese weitergeben. Den Jugendlichen sei jedoch klar, dass am Schluss die Erwachsenen entscheiden würden. Das finde er sehr reif. «Als dritter Punkt ist den Kids sehr wichtig, dass sie bei der Stückauswahl bei Ständli, und wenn möglich bei Wettbewerben, mitreden können.» Die «JMK Kids» wollten zum Beispiel «Pink Panther» spielen, was Dirigent Stefan Roth bereits umgesetzt habe.

Kopp ist vom Projekt überzeugt und würde es jedem Verein empfehlen. Im neuen Jahr wird die JMK an einem Leitfaden mitarbeiten, der anderen als Vorlage dienen soll. Im kommenden Sommer gebe es dann noch eine Abschlussveranstaltung, an der der fertige Leitfaden präsentiert werde. «Die Jugendmusikschule hat vom Projekt sehr profitiert. Wir konnten noch stärker auf unsere Schüler eingehen.» An den weiteren sechs Punkten arbeite man natürlich weiter.
Orchester und Lektionen

Die Jugendmusik Kreuzlingen wurde als Knabenmusik 1871 gegründet. Neben den drei Ensembles Blasorchester, JMK Teens und JMK Kids bietet sie auch kantonal subventionierten Musikunterricht an. Die dazu gehörige Musikschule besteht seit 1966 und ist die älteste im Thurgau. Angeboten werden alle Blasinstrumente, Schlagwerk, Gitarre und Musikalische Grundausbildung. Die JMK hat ihren Sitz am Gemeindeplatz Egelshofen. (ndo)

www.jmkreuzlingen.ch


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