"Aktive Frauen" weibeln für konservativen Seelsorger

KREUZLINGEN ⋅ In der katholischen Pfarrei St. Ulrich hängt der Segen weiterhin schief. Eine Gruppe Frauen will Alois Jehle als Seelsorger behalten. Sie stellt kritische Fragen an den designierten Gesamtleiter Jan Walentek.
22. September 2017, 06:40
Nicole D’Orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

«Wir haben die Befürchtung, dass die Kirchenvorsteherschaft Alois Jehle kündigt», sagt Heidy Brenneis. Zusammen mit Sabine Baumeler, Natascha Pascariello und Rebecca Egli setzt sie sich für den Pfarradministrator der katholischen Pfarrei St. Ulrich in Kreuzlingen ein. Im Sommer hat die Gruppe «Aktive Frauen für Jehle» über 750 Unterschriften in zwei Wochen gesammelt und eine Solidaritätspetition eingereicht. «Wir wollen, dass er die Leitung von St. Ulrich behalten darf.»

Denn Anfang Juli hat die katholische Kirchenvorsteherschaft Kreuzlingen-Emmishofen unter dem neuen Präsidenten Beat Krähenmann beschlossen, nicht Jehle, sondern Pater Jan Walentek die Gesamtleitung über die Gemeinde zu übertragen (unsere Zeitung berichtete). Einerseits gesteht das Bistum Basel den Kreuzlingern nur noch eine «Missio» in der Gemeinde zu, andererseits möchte sich Josef Gander, Pfarrer von St. Stefan, pensionieren lassen. In den letzten Jahren wurde Jehle zudem immer wieder von der so genannten Dialoggruppe öffentlich für seine konservative Haltung und Führung kritisiert. Mit der Wahl des neuen Präsidenten war die Hoffnung aufgekommen, dass in der gespaltenen Kirchgemeinde wieder Ruhe einkehre. Krähenmann hatte betont, die Risse kitten zu wollen und wieder Vertrauen zu schaffen.

Pfarrer Alois Jehle hat sich geöffnet

Bei den Anhängern von Jehle ist der Entscheid bezüglich der Gesamtleitung nicht gut angekommen. «Wir wollen ihn unbedingt als Pfarrer behalten», sagt Heidy Brenneis. In den ersten zwei Jahren habe der Pfarradministrator Fehler gemacht, das stimme. Doch er habe daraus gelernt. Heute würden ihm die Fehler noch immer nachgetragen, was unfair sei. «Denn er hat sich gewandelt. Er ist viel offener geworden, geht auf die Menschen zu und hat in der Pfarrei viel Gutes aufgebaut.» Auch zu den Kindern und Jugendlichen in der Pfarrei habe er einen guten Draht gefunden. «Jehle geniesst heute eine hohe Akzeptanz. Das zeigen die über 750 Unterschriften. Er möchte bei uns bleiben und seine Aufbauarbeit weiterführen.»

Die Petitionärinnen sind enttäuscht. «Auf unsere Petition hin haben wir einen bösen Brief von Herrn Krähenmann erhalten», erzählt Heidy Brenneis. «Das ist sehr schade und das haben wir nicht verdient.» Krähenmann habe in der Stellungnahme zudem die Erfahrung von Pater Jan Walentek in der Führung mehrerer Pfarreien hervorgehoben.

Damit sind die Frauen nicht zufrieden. Laut ihren Recherchen am früheren Wirkungsort von Walentek würden diese Aussagen nicht stimmen. «Wir wollen daher wissen, was er für einen Rucksack mitbringt.» Man habe dem Pater einen Brief geschrieben. «Wir erhielten eine Antwort, aber auf unsere Fragen ging er nicht ein», ärgern sie sich. «Ein zweites Schreiben an Walentek wurde von der Kirchenvorsteherschaft beantwortet. Diese hat den Pater gebeten, nicht auf unsere Fragen zu antworten. Warum wird er bevormundet? Was gibt es zu vertuschen?»

Die «Frauen für Jehle» geben sich damit nicht zufrieden. «Nun stellen wir die Fragen eben öffentlich», betont Heidy Brenneis. «Wir wollen eine Antwort von Pater Walentek.»


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