Ermatinger gegen Mannenbacher

SALENSTEIN ⋅ Peter Hausammann und Bruno Lorenzato möchten Präsident der Einheitsgemeinde werden. Der eine verfügt über viel Erfahrung als Gemeinderat, der andere ist seit ein paar Wochen Interimschef.
05. Oktober 2017, 07:05
Nicole D’Orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Ein Auswärtiger oder ein Einheimischer: Die Salensteiner Stimmbürger können aus zwei Kan­didaten für das Amt des Gemeindepräsidenten wählen – Peter Hausammann aus Ermatingen oder Bruno Lorenzato aus Mannenbach. Die Ersatzwahl findet am 26. November statt. Diese wurde nötig, da Roland Nothhelfer im Juli nach Streitereien und Intrigen innerhalb der Exekutive per sofort zurückgetreten ist (unsere Zeitung berichtete).

Hausammann verfügt über viel Erfahrung auf dem politischen Parkett: In Ermatingen war er zwölf Jahre lang Gemeinderat, davon acht als Vizegemeindeammann. Er führte das Ressort Technische Werke und das Bauamt. Zudem gehörte er früher 16 Jahre der Rechnungsprüfungskommission an. «Ich wurde von verschiedenen Salensteinern angefragt, ob ich das Präsidium übernehmen würde», sagt der 65-Jährige. «Diese meinten, dass ein Auswärtiger wieder Ruhe in den Gemeinderat und das Dorf bringen würde. Es brauche einen mit Erfahrung und nicht von allzu weit weg.» Er sei frisch pensioniert und dachte sich, warum eigentlich nicht. Eine 30-Prozent-Stelle könnte er sich gut vorstellen. «Ich bin mir bewusst, dass es nicht einfach wird», sagt der Ermatinger. «Der Vorteil ist, dass ich in die Querelen im Gemeinderat nicht involviert war.»

Ihm wurden schon Zimmer angeboten

Es sei nicht so, dass er als Ermatinger nun Salenstein retten müsse, sagt Hausammann. «Zwischen den Gemeinden besteht ein gutes Verhältnis, wir arbeiten auch gut zusammen.» Dass er seinen Wohnsitz in die Nachbargemeinde verlegen müsste, ist ihm bewusst. «Ich wohne zwar an der Grenze, doch das wird wohl nicht reichen. Mir sind aber schon verschiedene Zimmer angeboten worden», sagt er und lacht. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Peter Hausammann Zoom

Peter Hausammann.

Hausammann ist überzeugt, dass er das nötige Rüstzeug hat, um eine Gemeinde zu führen. «Ich bin Ökonom. Ich habe in der Konzernrechnung und dem -reporting gearbeitet. Mit Zahlen kenne ich mich aus.» Zudem dürfe er auf seine langjährige Er­fahrung in der Lokalpolitik zurückgreifen. Einer Partei gehört er nicht mehr an. «Nach dem Theater um Eveline Widmer-Schlumpf bin ich aus der SVP ausgetreten», erzählt er.

Einen grossen Wahlkampf möchte Hausammann nicht führen. «Die aktiven Einwohner kennen mich», ist er überzeugt. Dass er mit Bruno Lorenzato einen Gegenkandidaten hat, begrüsst er. «Ich hätte es nicht gut gefunden, alleiniger Kandidat zu sein. Die Salensteiner sollen wählen können.» Mit seinem Kontrahenten werde er sich demnächst einmal austauschen. Dann sehe man, ob es ein Podium oder andere Veranstaltungen gebe.

Der Gemeinderat hat sich zusammengerauft

Bruno Lorenzato hat sich erst am Montag entschieden, seine Kandidatur noch einzureichen. Vor gut einem Jahr wurde er in den Gemeinderat gewählt. Nach dem sofortigen Rücktritt von Roland Nothhelfer hat er letzten Juli das Präsidium interimistisch übernommen. «Ich bin der Meinung, dass sich der Gemeinderat auf die Sachgeschäfte konzentrieren und seine Energie nicht für Streitereien aufwenden sollte», sagt er. «Wir haben das innert kurzer Zeit erreicht. Es gibt fast schon wieder einen Kitt im Gemeinderat, und man geht nach den Sitzungen wieder ein Bier trinken.» So solle es sein und so mache die Arbeit Spass. Auch die Verwaltung, die einen Superjob mache, sei dafür dankbar. «Das alles hat mich dazu bewogen, zu kandidieren.»

Bruno Lorenzato. Zoom

Bruno Lorenzato.

Zudem hätten ihn viele Mitbürger zu diesem Schritt ermuntert. «Ein weiterer Grund war, dass ich hörte, dass es bis dahin nur einen Kandidaten gab», sagt der 52-Jährige und zweifache Familienvater. Das hätte er schade gefunden, schliesslich sollten die Wähler wirklich eine Auswahl haben. «Ich bin erfreut, dass sich Peter Hausammann gemeldet hat. Wir kennen uns, er ist ein guter Typ. Viele meinten ja, dass sich bei einem 30-Prozent-Pensum kaum jemand für das Amt finden würde.»

Die nächsten Ziele der Exekutive müssten die Stabilisation sein sowie das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, findet Lorenzato. Neben seiner Stelle als Betriebsleiter der Metallbauabteilung bei der Ammann AG in Tägerwilen sollte er das 30-Prozent-Pensum stemmen können, ist er überzeugt. «Mit dem Geschäftsführer habe ich das bereits besprochen.» Derzeit schaffe er es ja auch, obwohl er viel in seiner Freizeit erledigt. Vorstellen könnte er sich ein längerfristiges Engagement über eine oder gar zwei Legislaturen. «Aber schauen wir zuerst, was herauskommt.»


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