Ein Leuchtturmprojekt

ERMATINGEN ⋅ Fast sieben Millionen Franken sollen die Sanierung der Stedi und der Ausbau des Hafens kosten. Das Interesse der Bevölkerung am Vorhaben ist gross, wie der Aufmarsch am Informationsabend zeigte.
15. Februar 2018, 05:20
Margrith Pfister-Kübler

Margrith Pfister-Kübler

kreuzlingen

@thurgauerzeitung.ch

Die Verwunderung bei den Verantwortlichen war gross: Trotz der Vorbereitungen für die Groppenfasnacht haben sich am Montag viele Ermatinger am Informationsabend über das Stediprojekt eingefunden. «Ich bin überrascht über den vollen Saal», sagte Bauingenieur Reto Mästinger, Chef des Planerteams. Gemeindepräsident Martin Stuber blendete zurück: An der Budget-Gemeindeversammlung 2016 wurde der Projektierungskredit von 385000 Franken für die definitive Ausarbeitung des im Wettbewerb siegreichen Projektes der Planimpuls AG genehmigt.

«Alles wurde breit abgestützt», sagte Stuber. Die Planungskommission besteht aus 16 Personen: Bau-Fachleuten sowie Vertretern von Einwohnerinteressen, Vereinsvertretern, Vertretern der Kursschifffahrt, kantonalen Ämtern, Denkmalschutz, Landschaftsschutz bis zu den Gemeinderäten Thomas Ribi, Hans Schwarz, Hans-Ulrich Hug. Diese entwickelte das Projekt unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten weiter. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee entnahm Proben für die Seegrundanalyse des Hafenbeckens. Zwei Proben überschritten die Beurteilungswerte beim Parameter Kupfer und Tributylzinn und gelten als belastet. Das Hafenbecken wird ausgebaggert. Die anderen Standorte gelten als nicht belastet.

Bei Hochwasser bleibt die Stedi trocken begehbar

Um die Details des Projektes «Stedisanierung, Hafenausbau und Verlängerung des Bootssteges auf der Ostseite der Stedi» wurde lange gerungen. Ausführlich wurden die Gründe dargestellt: Die Aufschüttung der Stedi um 50 Zentimeter mit Anpassung des Schlipfs bringt Hochwasserschutz. «Bei normalem Hochwasser kann man so trockenen Fusses die Stedi begehen», sagte Mästinger. Die reduzierte Breite auf zwei Ebenen teilt sich in einen Flanierbereich und eine schmale Verkehrsachse. Die Abtreppungen zum See werden an die Westseite des Stedikopfes verlegt. Das gibt einen Platz zum Verweilen. Die Hafeneinfahrt wird optimiert, die bestehenden 55 Bootsliegeplätze bleiben. Alle Stege sind Schwimmstege mit Elektro- und Wasserbezugsstellen. Der Takelmast wird versetzt. Der Landesteg der Kursschifffahrt wurde gegenüber dem ursprünglichen Projekt in Absprache mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein gekürzt. Dafür kann er mechanisch dem Wasserstand angepasst werden. Das moderne Wartehaus ist mit Glas geschützt.

Das Haus Tobler an der Oberen Seestrasse 1, wo sich heute das WC befindet, wird zum Hafenmeistergebäude umgebaut. Im Zollhaus werden die sanitären Anlagen und der Materialraum installiert. Bei der Mole werden Spundwandträger eingebaut und eine Vorschüttung gemäss Wellenmodell vorgenommen. Bei Pegelunterschieden von bis 2,5 Meter sei eine Holzkonstruktion nicht geeignet. Der Steg Ost bleibt eine eigenständige Einheit.

Detailliert durchleuchtete der Gemeindepräsident die Kosten. Der benötigte Netto-Kredit beträgt 6,971 Millionen Franken. Beim Kanton liegt ein Gesuch vor für einen Beitrag von 360000 Franken für das Ausbaggern der Aussenmole. Dieser Betrag bezeichnete er als zu tief. Denn es wurden bei der Berechnung Kubikmeter mit Tonnagen verwechselt. Deshalb rechnet Stuber mit rund 600000 Franken vom Kanton. «Auslöser für den Molenbau war ja die Fischereiaufsicht, ohne Zutun der Gemeinde.» Die Belastung für die Bootsliegeplätzebesitzer sei vergleichbar mit Steckborn, Altnau und Güttingen. Die Bootsstationierung muss selbsttragend sein. Zu den Kosten gab es keine Fragen aus dem Publikum.

Es braucht auch Sitzbänke nach Osten

Läuft alles nach Plan und geben die Stimmbürger an der Gemeindeversammlung vom 27. Februar grünes Licht, wird im Herbst mit den Bauarbeiten gestartet: Im Sommer 2020 soll das Projekt fertig sein. Die Lage ist ein touristisch bedeutender Knotenpunkt, kombiniert mit einer effizienten Verknüpfung der Verkehrswege Wasser, Bahn und Strasse. «Ich bin überzeugt, dass dies ein Leuchtturmprojekt für Ermatingen ist», sagte Stuber.

Die Diskussion wurde kaum genutzt. Ein Votant beklagte, dass die Sitzbänke nur nach Westen ausgerichtet seien, es bräuchte auch solche nach Osten. Ausserdem seien die Modelle zu klobig. Ein anderer bemängelte die Wellenbrecher und meinte: «Ein Blockwurf wäre schöner», und nannte andere Seen als Vorbild. Auch nach dem Ein- und Auswassern wurde gefragt. Stuber erklärte, dass dies beim Zollhaus geschieht per Kran.


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