Die Trüffel in der Nase

KREUZLINGEN ⋅ Seit kurzem gibt es im Schrofen Hofladen die seltenen Pilze: Gefunden hat sie alle Ullaja, die Hündin von Sepp Kesseli. Die beiden sind ein eingespieltes Team – ansonsten würde die Suche nicht klappen.
23. September 2017, 05:19
Viola Stäheli

Ullaja tigert um Sepp Kesselis Beine. Der hält die rote Leine locker in der Hand. «Na los – such!» Die beige Hündin verschwindet unter einem Haselnussstrauch. Ihre Nase ist dicht über dem Boden. Und dann beginnt sie zu scharren. Kesseli eilt zu ihr. Nur ein paar Sekunden später hält er triumphierend einen schwarzen Knollen in die Höhe. Diese schwarzen Knollen sind unter Feinschmeckern äusserst beliebt: Es ist ein Trüffel, direkt aus Kreuzlinger Boden.

Ullajas Augen fokussieren die Hände Kesselis. Am liebsten hätte sie einen Bissen vom Trüffel, aber Leberwurst tut es auch. «Die bekommt sie nur, wenn sie einen Trüffel gefunden hat», erklärt Kesseli. Ansonsten muss sie sich mit Gemüseleckerlis begnügen. «Nur wenn ich konsequent in der Erziehung bin, klappt die Trüffelsuche», erklärt der stolze Hundebesitzer. Und diese klappt bei den beiden ausgezeichnet: Kaum hat Ullaja die Nase wieder am Boden ist der nächste Pilz gefunden. «Es gibt viele Trüffel hier, nur – die Standorte zu finden ist schwierig», sagt der 60-jährige Kesseli.

Die Hündin gehört zur Rasse Lagotto Romagnolo (siehe Infokasten) und ist der erste Hund Kesselis. Seit sie als Welpe zu ihm gekommen ist, trainiert er sie für die Trüffelsuche. «Als Welpe habe ich mit ihr spielerisch nach Trüffeln gesucht», sagt Kesseli. Ullaja hat schnell Gefallen an dem Spiel gefunden und bereits mit einem knappen Jahr die ersten wild wachsenden Trüffel gefunden. Seither ist sie eine regelrechte Trüffel-Spürnase.

«Sobald wir unterwegs sind, ist sie ständig auf der Suche – nur nicht immer nach Trüffeln, manchmal wittert sie auch eine Hasenfährte beispielsweise», sagt Kesseli. Zeigt die Hündin aber an einer Stelle an, kann er zu 99 Prozent sicher sein, dass sich dort ein Trüffel befindet. «Sie hat die Pilze auch schon an Orten gefunden, wo andere sagten, dass es hier keine Trüffel gebe», sagt der Kreuzlinger.

Bei der hohen Treffsicherheit seiner Hündin hatte der passionierte Pilzsammler bald mehr als genug Trüffel. Die Pilze sollten zudem nicht länger als zehn Tage unverarbeitet aufbewahrt werden. Also begann Kesseli zu experimentieren – daraus entstanden ist ein Trüffelkäse und Trüffelbutter. Zu kaufen gibt es diese im Schrofen Hofladen von Klemenz Somm. «Ich wohne gleich in der Nachbarschaft, da hat sich das angeboten», sagt Kesseli. Die Zusammenarbeit ist aber noch jung: Erst seit einer knappen Woche gibt es die Trüffel und Trüffelprodukte von Kesseli zu kaufen.

Welpen sind im nächsten Jahr geplant

Obwohl das Pilzsammeln an sich und die Trüffelsuche mit Ullaja speziell Kesselis grosse Passion ist, hat er daneben noch einen Job. Er arbeitet im historischen Bauteillager der Denkmalstiftung Thurgau in Schönenberg. Ende nächstes Jahr wird er aber aufhören und sich dann noch mehr Zeit für seine Hündin nehmen. «Ich habe vor, mit Ullaja zu züchten», sagt der Pilzsammler. Mit zweieinhalb Jahren ist die Hündin im besten Alter dafür. Ausserdem hat Kesseli die notwendigen Papiere schon eingeholt – nun bedarf es im nächsten Jahr nur noch eines Quäntchen Glücks.

Ullajas Nase hat sie bereits zum nächsten Trüffel geführt. Kesseli pflückt ihn aus der Erde. Daneben steht sichtbar ein weiterer – diesen ignoriert die Hündin aber. «Sie interessiert sich nur für die reifen, die anderen lässt sie stehen», erklärt Kesseli. Seine Tasche duftet mittlerweile intensiv nach Trüffel. Für heute haben die beiden genug gesammelt.

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch


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