Die Natur erhält ein Stück zurück

LANGRICKENBACH ⋅ Walter Häberlin stellt Land für eine rund 500 Meter lange Bachöffnung zur Verfügung. Zusammen mit Pro Natura und anderen Beteiligten ist ein besonderes Projekt entstanden. Die Bagger legen los.
10. April 2018, 05:18
Nicole D’Orazio

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio

@thurgauerzeitung.ch

Gut Ding will Weile haben. Das trifft auf die Idee von Walter Häberlin zu. Vor elf Jahren hatte er die Idee, sein Land für eine Öffnung des Stichbaches in Langrickenbach zur Verfügung zu stellen. Damit wird das Gewässer wieder gänzlich an der Oberfläche fliessen. «Als Bub war ich fasziniert vom Feuerweiher, der sich gleich gegenüber der Gemeindeverwaltung befand», erzählt er am gestrigen Spatenstich. «Als dieser dann zugeschüttet wurde, war ich verzweifelt und nahm mir vor, dem Gegensteuer zu geben, sollte ich einmal die Möglichkeit haben.» Vorgestellt habe er sich deswegen eigentlich einen Weiher, an dem sich die Einwohner von Langrickenbach treffen und im Winter eislaufen. Seitens des Kantons habe ihm man jedoch zu einer Bachöffnung geraten, auch wegen der zu erhaltenden Subventionen. «Also habe ich eingewilligt. Mit dem Projekt bin ich sehr zufrieden.»

«Die Bachöffnung von rund 500 Metern ist eine besondere», sagt Philip Taxböck von Pro Natura. «Sie schliesst die Lücke des Bachverlaufs an der Oberfläche und ist ein Gewinn fürs Gewässersystem.» Es sei ein langer Prozess mit vielen Gesprächen und Hürden gewesen. «Ich freue mich sehr, dass wir heute hier beim Spatenstich zusammenkommen.»

Knappe Entscheidung an der Gemeindeversammlung

«In diesen elf Jahren seit der ersten Aktennotiz ist viel passiert», sagt Fabienne Schnyder, Gemeindepräsidentin von Langrickenbach. «Das Projekt ist am langen Prozess gewachsen. Beim Kanton spricht man zudem von einem Leuchtturmprojekt.» Die Gemeinde ist als Bauherrin aufgetreten, um die Subventionen von Kanton und Bund zu erhalten. Deswegen wurde der Kredit von fast 900000 Franken an der Gemeindeversammlung im Mai 2016 zur Abstimmung gebracht. Es sind damals mehr Bürger als üblich an die Versammlung gekommen und die Stimmung war angespannt. «Die Befürworter sahen die Bachöffnung als Chance, die Gegner befürchteten einen Verlust von landwirtschaftlichem Kulturland», blickt Schnyder zurück. In geheimer Abstimmung wurde der Kredit mit 58 Ja- zu 47 Nein-Stimmen schliesslich angenommen. Die zweite Hürde seien dann Einsprachen gewesen, welche aber nach Gesprächen zurückgezogen wurden. «Es gab dann nochmals eine Ehrenrunde wegen des Nachweises der Fruchtfolgeflächen.» Anfang letzten Winters sei dann endlich die Bewilligung vorgelegen, sagt Schnyder. «Ich hoffe, dass die Bachöffnung die Befürworter begeistern wird und die Gegner sie doch für eine gute Sache halten werden.»

Die angrenzenden Parzellen werden optimiert

Im Herbst soll das Projekt fertiggestellt sein. Die Bauarbeiten, die rund 20 Wochen dauern, können nur bei trockenem Wetter erfolgen. «Die angrenzenden Parzellen werden optimiert und weiterhin landwirtschaftlich genutzt», erklärt Wasserbauer Kaspar Fröhlich. «Auf einer Parzelle wird zum Beispiel eine bestehende Mulde ausgeglichen und somit verbessert.» Das Wasser könne dann besser abfliessen. Sollte der Biber eines Tages den offenen Bach für sich beanspruchen, sollte das für keine Konflikte sorgen. «Die Nager sind schon nahe. Es ist davon auszugehen, dass sie dieses Gebiet bewohnen werden.» Der Gewässerraum wird offen bepflanzt mit Hecken, Bäumen und Blumenwiesen.

Die Kosten von fast 900000 Franken übernimmt zu zwei Dritteln der Kanton Thurgau. Den Rest stellen Pro Natura und Sponsoren wie der Fonds Landschaft Schweiz, der «naturmade star»-Fond von ewz sowie die Bertold-Suhner-Stiftung. Die Gemeinde übernimmt den Support.


Anzeige: