Aufarbeitung eines Konflikts

KREUZLINGEN ⋅ Die Katholische Kirchenvorsteherschaft informierte die Gemeindemitglieder über den Weggang von Pfarrer Alois Jehle. Sie erntete Lob und Kritik. Der Riss in der Gemeinde war deutlich spürbar.
05. Oktober 2017, 07:05
Urs Brüschweiler

Urs Brüschweiler

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch

Dass es kein einfacher Abend würde für Kirchenpräsident Beat Krähenmann, war von vornherein klar. Gemeinsam mit Kirchenpfleger Simon Tobler informierte er die rund 100 erschienenen Gemeindemitglieder im Stefanshaus in Emmishofen, wie es zur Aufhebung des Arbeitsverhältnisses mit Alois Jehle gekommen war. Der Pfarrer von St. Ulrich, der am Dienstag selber nicht anwesend war, verlässt die Gemeinde Ende Oktober, das Arbeitsverhältnis läuft offiziell aber noch bis Mitte 2018. Bereits am letzten Freitag hatte die Behörde dies­bezüglich die Medien informiert.

Nach den Ausführungen von Beat Krähenmann ergriff als Erster David Blatter das Wort. Er sei enttäuscht. Die Zeitungen hätten besser titeln sollen, dass Jehle habe gehen müssen. Das wäre ehrlich gewesen. «Die Hetzjagd ist nun vielleicht vorüber, aber durch dieses Vorgehen wurden die Gräben vertieft und zementiert». Die Behörde hätte ener­gischer auftreten müssen beim Bistum, betonte David Blatter. Er stellte damit eine Argumentation der Kirchbehörde in Frage. Diese hatte zuvor ausgeführt, dass sie mehrfach beim Bischof vorstellig geworden sei, um eine Lösung zu finden, welche Jehles Weiter­beschäftigung ermöglicht hätte. Doch zuletzt habe Bischof Felix Gmür in einem Brief an die Vorsteherschaft darauf beharrt, dass es künftig nur noch einen Gesamtleiter für die Seelsorge in Kreuzlingen geben könne und die Behörde die Wahl zwischen Jan Walentek und Alois Jehle rasch treffen solle.

Respekt für Jehles tiefe Überzeugungen

«Alois Jehle wurde immer schlecht dargestellt. Nicht, weil er Fehler gemacht hat, sondern weil er seinen tiefen Glauben lebte», sagte Blatter weiter und richtete seine Worte auch an die Dialoggruppe, welche seit Jahren Kritik am Pfarrer von St. Ulrich übte. Während Blatters Ausführungen wurde es zeitweise unruhig in den Reihen der Gegner des Pfarrers. Nichtsdestotrotz erhielt er am Ende lauten Applaus von vielen Anwesenden.

Es folgten weitere kritische Voten zum Vorgehen der Vor­steherschaft. Ein Mann fragte, ob denn der «Inländervorrang» in der Kirche nicht gelte. Er spielte damit darauf an, dass der pol­nische Pater Jan Walentek dem Schweizer Alois Jehle vorgezogen wurde. Weitere Unterstützer des Pfarrers wollten dann wissen, ob man Jehle überhaupt ein Angebot zur Weiterbeschäftigung gemacht habe. Hier musste sich Beat ­Krähenmann rechtfertigen, dass es ein Angebot und ein Gegen­angebot vom rechtlichen Beistand Alois Jehles gegeben habe, aber keine Einigung erzielt werden konnte, die kirchenrechtlich zulässig wäre. Mit dieser schwammigen Formulierung war man unzufrieden. Doch der Kirchenpräsident musste klarstellen, dass beide Parteien über Details ihrer Abmachung Stillschweigen vereinbart hatten.

Den Schritt zum Seelsorger für alle nicht geschafft

Danach ergriff Buno Schlauri für die Dialoggruppe das Wort. Er machte dem noch neuen Kirchenpräsidenten ein Kompliment für seine transparente Kommunikation. «Der wesentliche Teil der Ent­scheidung stammt vom Bistum. Alles andere ist Unterstellung.» Die Ursache des ganzen Problems sei nicht die Kritik der Dialoggruppe gewesen, sondern die Art und Weise von Alois Jehle, der «den Schritt vom Kirchenjuristen zum Seelsorger bei einem Grossteil der Bevölkerung nicht geschafft hat.» Nun sei der Entscheid gefallen und man solle jetzt wieder zusammenfinden in der Kirchgemeinde. Auch Schlauri erntete für seine Ausführungen grossen Applaus. Nach einigen weiteren Voten kam Beat Krähenmann zum Schluss. «Es ist falsch, Alois Jehle die alleinige Schuld zu geben.» Viele hätten Fehler gemacht, dass es überhaupt habe so weit kommen können. «Ich zähle mich da selber auch dazu.» Seine um Versöhnung werbenden Schlussworte wurden ebenfalls mit viel Applaus quittiert.


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