Lebenshilfe-Tipp

Lachen, bis die Gesundheit kommt

17. März 2017, 05:38

«Lachen ist gesund», so hört man landauf und landab. Lachen ist aber auch ein zweischneidiges Schwert: Vom unbeschwerten Lachen im Freundeskreis bis zum hämischen Auslachen von Aussenstehenden ist es nur ein kleiner Schritt. Diese beiden Facetten des Lachens finden wir schon bei unseren haarigen Vorfahren: Das entspannte Hecheln mit «Spielgesicht» auf der einen und das aggressive «Gruppenhassen» auf der anderen Seite.

Heute soll aber von den heilsamen Seiten des Lachens die Rede sein: Die Gelotologie (Lachforschung) sagt uns, dass das Lachen einem Hirnteil entspringt, der noch älter ist als das Sprachzentrum. Die spannungslösende Wirkung ist schon seit Generationen bekannt; heute weiss man, dass dabei Stresshormone ab­gebaut und Glückssubstanzen wie Endorphine ausgeschüttet ­werden.

Auf der körperlichen Ebene bewirkt Lachen eine Lockerung der Muskulatur, eine Stimulation des Gehirns, eine Aktivierung des Immunsystems sowie ein Training von Herz und Atmung. Auch lindert es Schmerzen. Im zwischenmenschlichen Raum löst es Hemmungen, schafft ein freundschaftliches Klima und fördert die Kommunikation. Lachen ist aber auch Lebenshilfe: Der Dichter Wilhelm Raabe bezeichnete es als «Schwimmgürtel im Le-bensstrom». «Das Lachen sprach ich heilig», liess Nietzsche seinen Zarathustra sagen. Kein Wunder, wurde das Lachen auch als Heilmittel entdeckt. Schon Mitte der 90er-Jahre setzte der indische Arzt Madan Kataria mit einer Gruppe für Lachyoga einen Trend, der mittlerweile um die Welt gegangen ist.

Auch in unseren Breiten ist Lachtherapie (Gelotherapie) mittlerweile ein Begriff. Lachtraining mit speziellen Atemübungen verhilft den Patienten zur Beseitigung ihrer psychischen Blockaden. Wie Michael Titze, einer der führenden Experten auf diesem Gebiet, schreibt, kann so die verschüttete Lebensfreude wieder befreit werden. Aber auch weniger spezialisierte Therapeuten ­täten gut daran, den Humor in der Begegnung mit dem Patienten etwas ernster zu nehmen.

Schliesslich sei auch dem Normalbürger geraten, sich im Inter­esse seiner seelischen Gesundheit so viel wie möglich an den lustigen Seiten des Lebens zu ergötzen.

Dr. med. Thomas Knecht, ­Leitender Arzt Psychiatrisches Zentrum Appenzell Ausser­rhoden, Herisau


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