«Ich bin am falschen Ort»

ALTNAU. Der 68jährige Josef Bachmann aus Altnau kommt nach einem Sturz ins Altersheim. Weil seine Ersparnisse zu Ende gehen, soll er nun sein Haus verkaufen. Doch er will dorthin zurück.
13. Januar 2016, 07:54
ANNINA FLAIG

Raus aus dem Altersheim und auf dem schnellsten Weg zurück nach Hause. Das hat Josef Bachmann schon einmal gemacht. Daheim hat er sich gut gefühlt – bis er wieder gestürzt ist. Da hat er eingesehen, dass er auf Hilfe angewiesen ist. Jetzt sitzt er im Rollstuhl vor dem Alterszentrum Bussnang. Sichtlich betrübt zieht er an seiner Zigarette. «Im Altersheim bin ich am falschen Ort», sagt der 68-Jährige. Bachmann macht keinen Hehl aus seiner Geschichte. Im Gegenteil: Er will seinem Herzen Luft machen.

Er will fit werden

Das Schicksal schlug im Frühling zu: Josef Bachmann stürzt in seinem Haus in Altnau die Treppe hinunter und zieht sich schwere Hüftverletzungen zu. Nach einer Operation und einer Reha kommt er ins Altersheim. Bachmann hat einen Beistand und wird von der Kesb begleitet. Letztere muss von Gesetzes wegen einschreiten, wenn jemand schutzbedürftig ist (vgl. Kasten). Bachmann sieht seine Schutzbedürftigkeit jedoch nicht ein. Sein sehnlichster Wunsch: «Ich möchte hier raus, sobald ich wieder einigermassen fit bin.»

Alle Ersparnisse aufgebraucht

Im Altersheim trainiert er jeden Tag. Sogar seinen Hometrainer hat er sich ins Zimmer geholt. Unterdessen kann er mit Hilfe eines Rollators wieder gehen. Er kämpfe gegen die Zeit. Denn die Heimkosten haben seine Ersparnisse fast aufgebraucht. So hat sein Beistand der Gemeinde Altnau kürzlich einen Brief geschrieben. «Wir sahen uns veranlasst, der Kesb den formellen Antrag zu stellen, die notwendigen Schritte für die Auflösung des Haushalts und den Verkauf des Wohnhauses von Josef Bachmann in die Wege zu leiten», steht darin geschrieben. Für Bachmann eine Hiobsbotschaft. Er findet keine Ruhe mehr, seit er die Zeilen gelesen hat. «Wenn man mir alles nimmt, komme ich hier nie mehr raus.»

Er war ein Weltenbummler

Als Textilingenieur hat Josef Bachmann 30 Jahre lang fast überall auf der Welt gearbeitet und gelebt, darunter Bolivien, Brasilien, Israel, Irak, Pakistan, Taiwan und Korea. Seine Erlebnisse sprudeln aus ihm heraus. Er spricht Französisch, Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Die Welt war sein Zuhause. Das hatte zur Folge, dass er mit seiner Ehefrau sowie seiner Ex-Frau und seinen beiden Kindern nur sporadisch Kontakt hat. Von seiner Tragödie hat er ihnen nichts erzählt. «Ich will ihnen keine Last sein.» In seiner Ausweglosigkeit tritt er nun an die Öffentlichkeit.

Betreuungskraft gesucht

Er bestehe nicht darauf, in seinem Haus alt zu werden. «Aber für mich muss es doch noch eine andere Möglichkeit geben, als mit 68 Jahren im Altersheim zu landen.» Das Schlimmste sei, dass viele an Demenz leiden. «Ich kann mich nur mit ganz wenigen unterhalten.» In seinem Zimmer hat er sich seinen Laptop installiert. Im Internet sucht er nun eine Betreuungskraft, die mit ihm zusammen in seinem Haus den Haushalt schmeisst. «Mein Haus ist gross genug, und ich bin ein offener Mensch.»


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