Die Kleingärtner sind beruhigt

KREUZLINGEN ⋅ Die Idee, fünf Fussballplätze auf dem Döbeli zu plazieren, ist vom Tisch. Das sagte Stadtrat Ernst Zülle an einem Rundgang der SPD Konstanz und der SP Kreuzlingen. Die AS Calcio erhält dafür vielleicht einen Kunstrasenplatz.
15. Juli 2016, 07:25
NICOLE D'ORAZIO

KREUZLINGEN. Die Emotionen gehen hoch. Trotz Regen finden sich am Mittwochabend rund 50 Personen auf dem Döbeli ein. Vor allem Kleingärtner, die der Einladung der SPD Konstanz und der SP Kreuzlingen folgen. Viele haben Angst, dass sie ihre Gärten verlieren oder zügeln müssen. Die Stimmung ist dementsprechend aufgeheizt. «Am Kreuzlinger und Konstanzer Parlamentariertreffen wurde uns von der Stadt Kreuzlingen die Idee, alle Fussballplätze auf dem Döbeli zu vereinen, präsentiert. Heute sind es zwei Plätze, angedacht wären fünf», sagt Jürgen Ruff, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Konstanzer Gemeinderat. «Das hat uns zu diesem Rundgang veranlasst. Denn die Idee ist vor allem bei uns Konstanzern schlecht angekommen.» Das Gebiet sei für die Konstanzer als Naherholungsgebiet und für die Kleingärtner wichtig.

Die Idee ist nicht neu. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms hat die Stadt Kreuzlingen die Aufhebung der drei Fussballplätze bei der Bodensee-Arena angedacht und eine Umsiedlung ins Döbeli geplant. Das Seezelg wäre die zweite Variante. Dafür würde auf Klein Venedig gemeinsam mit Konstanz ein neues Naherholungsgebiet entstehen.

Kunstrasen als Wunsch

Daniele Scardino, Vizepräsident der im Döbeli beheimateten AS Calcio, bringt die Wünsche des Fussballvereins vor: «Unser Club wächst und wächst. Für die 400 aktiven Spieler würden wir entweder vier Naturrasenplätze oder besser zwei Natur- und einen Kunstrasenplatz benötigen. Wir wollen hier aber niemanden sonst eliminieren.» Derzeit nutzt der Club auch den bestehenden Kunstrasen bei der Bodensee-Arena zusammen mit dem FC Kreuzlingen.

Ernst Zülle, Stadtrat Departement Bau, kann die Anwesenden etwas beruhigen. «Am Parlamentariertreffen haben wir die Maximalvariante mit den fünf Plätzen präsentiert», sagt er. «Wir sähen es als am idealsten an, alle Plätze hier zu vereinen.» Dafür müssten 36 Kleingärten gezügelt und auch ein Stück Landwirtschaftsland abgezwackt werden. «Wir haben aber sofort gemerkt, dass es grossen Widerstand gibt. Wenn das Konstanzer Parlament und die Regierung nicht dahinter stehen, macht es keinen Sinn.» Man sei nochmals über die Bücher gegangen und es entstünden nun Pläne, die allen Bedürfnissen entgegenkämen. «Das heisst, dass keine Gärten weg müssen. Und wir schauen, ob wir den Wunsch der AS Calcio erfüllen können.» Ein Kunstrasenplatz auf einem der bestehenden Plätze und ein neuer Trainingsplatz auf einem Stück Agrarland wären eine Möglichkeit. «Zudem wünscht sich Konstanz einen Übergang zum Döbeli.»

Verlängerung am wichtigsten

Eine andere Frage beschäftigt Zülle derzeit aber mehr: Die Verträge mit der Spitalstiftung Konstanz, der das Land gehört, laufen aus. «Wie würden diese gerne bis 2033 verlängern, damit wir wissen, ob die AS Calcio bleiben kann oder nicht», sagt er. «Wir hoffen auf eine Entscheidung in diesem Jahr. Das ist für uns matchentscheidend.» Die anwesenden SPD-Gemeinderäte erwidern, dass das Konstanzer Parlament in dieser Frage mitzureden habe. «Wir schauen, dass das erledigt wird», sagt Ruff.

Die Stimmung unter den Anwesenden ist jetzt deutlich besser. Auch weil Ruedi Wolfender, Leiter des städtischen Departements Gesellschaft, nochmals Details erklärt. Anne Kern von den Gartenfreunden Döbeli will es nochmals genau wissen: «Es ist mir neu, dass die 36 Gärten nun doch nicht betroffen sind. Ich nehme Sie beim Wort, Herr Zülle.» Dieser entgegnet, dass im Seezelg drei Fussballplätze eingeplant seien, sollten diejenigen auf Klein Venedig aufgehoben werden. «Vom Präsidenten des FC Kreuzlingen habe ich die Mitteilung erhalten, dass der Verein sowieso lieber ins Seezelg wechseln will als ins Döbeli», sagt Kern.


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