Tagblatt Online, 03. Oktober 2008 10:42:00
EKT Holding verliert wegen Lehman 28 Millionen
Hauptquartier der Lehman Brothers: Der Konkurs der Investmentbank kommt die EKT Holding AG teuer zu stehen. (Bild: Bild: ky/ap/Mary Altaffer)
ARBON. Die EKT Holding AG sitzt nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank auf vorläufig nicht einbringbaren Wertpapieren. Der verantwortliche Finanzchef ist bereits weg.
markus schoch
Der Millionen-Abschreiber hat nach Angaben der EKT Holding AG von gestern keinen Einfluss auf den Elektrizitätspreis, weder heute noch morgen. Die im Strombereich tätigen Tochterunternehmen, die EKT AG und die EKT Energie AG, seien «in keinster Weise betroffen», schreibt die EKT Holding AG in einer Mitteilung. Auch der Kanton müsse nicht um die Ausschüttung aus dem Beteiligungsertrag an der Axpo Holding AG fürchten, der sich jährlich zwischen 7,5 und 9 Millionen Franken bewegt.
Der Buchverlust von 28 Millionen Franken wirkt sich zwar negativ auf die Rechnung 2007/08 aus. Er könne aber verkraftet werden, da die Eigenkapital-Decke der Holding hoch sei, betont der Verwaltungsrat. Aktuell beläuft sich das Wertschriften-Vermögen auf rund 50 Millionen Franken – so viel wie im Geschäftsjahr 2005/06.
Die vom Konkurs der Lehman Brothers betroffenen Wertpapiere gelten als vorläufig nicht einbringbar. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der EKT Holding AG werden gemäss Mitteilung aber alles daransetzen, einen angemessenen Liquidationsbetrag zu lösen.
Regierung betroffen
Der Thurgauer Regierungsrat – der Kanton ist Alleinaktionär der EKT Holding – zeigt sich «betroffen» vom Verlust. Er verlangt vom Verwaltungsrat der EKT Holding eine «vollständige und umfassende Aufarbeitung des Vorfalls». Die eingeleiteten Sofortmassnahmen begrüsst er ausdrücklich: Die EKT Holding lässt Zusammensetzung, Risiko und Wertbeständigkeit der aktuellen Anlagen extern analysieren, und die Revisionsfirma überprüft das bestehende Anlagereglement.
Regierungspräsident Bernhard Koch geht davon aus, dass die EKT Holding ein Einzelfall bleibt. Unter anderem die Kantonalbank, die Gebäudeversicherung und die Pensionskassen hätten ihm auf Nachfrage bestätigt, dass sie nicht vom Konkurs der Lehman Brothers betroffen seien.
Finanzchef muss gehen
Die kapitalgeschützten Wertpapiere der EKT Holding wurden vom Leiter Finanzen und Administration der EKT Holding im Rahmen seiner organisatorischen Zuständigkeit erworben, teilweise auf Anraten des bisherigen externen Vermögensberaters der EKT Holding. Dabei überschritt der Kadermann seine Kompetenzen, was ihn den Job kostete. Der Verwaltungsrat sprach ihm das Misstrauen aus, worauf er seinen Rücktritt anbot.
Der Verwaltungsrat hat bereits Konsequenzen aus dem Debakel gezogen: Er will das Anlagereglement bezüglich Kompetenzen enger ausgestalten und das Vermögensverwaltungsgeschäft künftig einer externen Vermögensverwaltungsgesellschaft übertragen.
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