Tagblatt Online, 23. April 2010 01:01:37
Bis zu 25 000 leben im Thurgau in Armut
Infotour: Simone Curau-Aepli und Rupert Summerauer von der Caritas. (Bild: Bild: Margrith Pfister-Kübler)
Im Thurgau findet der Caritas-Aktionstag am Samstag, 24. April, auf dem Marktplatz Weinfelden und im Caritas-Markt der Esra Sirnach statt. Die «Armut halbieren», dieses ehrgeizige Ziel hat sich Caritas Schweiz mit dieser Kampagne gesetzt.
Margrith Pfister-Kübler
Weinfelden. Mit der Kampagne «Armut halbieren» verbindet Caritas verschiedene Forderungen an Politik und Wirtschaft und verpflichtet sich selber, noch aktiver an der Verhinderung und Bekämpfung von Armut in der Schweiz mitzuwirken. Darüber informierten an der gestrigen Medienkonferenz von Caritas Thurgau Geschäftsleiter Rupert Summerauer, Mitarbeiterin Simone Curau-Aepli und Kantonsrätin Renate Bruggmann.
Jeder zehnte ist materiell arm in der Schweiz, belegte Summerauer mit Zahlen. Im Thurgau werden die Armen auf 20 000 bis 25 000 Personen geschätzt. Genaue Zahlen fehlen, weil es viele Arme gibt, die sich nicht melden. In der Schweiz gibt es zwischen 700 000 und 900 000 Menschen, die so arm sind, dass sie Anspruch auf sozialstaatliche Hilfe haben.
Summerauer wies auf eine konstante Sockelarmut hin, die auch in sogenannt wirtschaftlich guten Zeiten nicht mehr wegzubekommen sei. Im Gegenteil: Die Sockelarmut steige konstant. Summerauer sprach vom Teufelskreis Mangel an Perspektiven und Handlungschancen, Verlust an Selbstvertrauen, Rückzug und Vereinsamung. Es sind vor allem vier Faktoren, die das Armutsrisiko bestimmen: das Bildungsniveau, die Zahl der Kinder, der Wohnort und besonders die soziale Herkunft.
Wer wenig berufliche Qualifikationen mitbringt, ist in vielfältiger Weise vom Risiko betroffen, arm zu sein. Es liegt nicht nur am wirtschaftlichen Strukturwandel, sondern auch am sozialen Wandel der Familienformen mit hohen Scheidungsraten. Kinder aus armutsbetroffenen und bildungsfernen Haushalten tragen im Vergleich zu den Kindern aus gutsituierten Haushalten ein grösseres Risiko, selber wieder als Erwachsene zu den Armen zu zählen.
Armutsbericht verlangt
Durch die Anträge der Kantonsräte Renate Bruggmann, Kradolf, und Bernhard Wälti, Freidorf, wurde der Regierungsrat beauftragt, einen Bericht über die Armutsverhältnisse im Thurgau vorzulegen. Es gelte Armut zu erkennen und zu dokumentieren. Dieser Bericht soll Indikatoren, welche Armut messbar machen, sowie aktuelle Zahlen zur Armut im Kanton Thurgau aufzeigen.
Auch sollen Vorschläge für Massnahmen zur Armutsbekämpfung ausgearbeitet und Indikatoren zur Überprüfung der Wirksamkeit der eingeleiteten Massnahmen gesichert werden.
Ausbildung ohne Alterslimite
Kantonsrätin Renate Bruggmann: «Waren es 1990 noch knapp 1,2 Prozent der Bevölkerung, die vom Sozialwesen abhängig waren, sind es heute gemäss Statistik schon über 3 Prozent der Bevölkerung.» Bruggmann macht sich für nachholende Ausbildung und Recht auf Ausbildung ohne Alterslimite stark.
Am Aktionstag können alle den Caritas-Markt an der Felsenstrasse 11 in Weinfelden und das Caritas-Mobil in Sirnach kennenlernen und mit der Tageskarte vergünstigt einkaufen.
Dabei wird die aktuelle Aktion «Gesunde Ernährung – keine Frage des Geldes» vorgestellt, und es kann degustiert werden. Im Caritas-Zelt auf dem Marktplatz erfahren Besucher, wie es Menschen geht, die von Armut betroffen sind. Ein Ballonwettbewerb mit tollen Preisen für Familien sowie Kaffee und Kuchen sollen Passanten einladen zu verweilen.
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