Tagblatt Online, 29. Januar 2009 01:01:30
Auch um Gebete wird gebeten
Kontonummer vom Netz genommen: Der Thurgauer Facebook-Nutzer, Bauernsohn und Jugendarbeiter Roman Schenk. (Bild: Bild: Reto Martin)
Der junge Thurgauer Roman Schenk ist ein begeisterter Facebook-Nutzer. Er sucht auf dieser Internetplattform geistige und materielle Unterstützung für sein Theologiestudium sowie den Kontakt zu gleichgesinnten Christen.
Brigitta Hochuli
Ottenberg. «Bist Du bei Facebook?» Statt Telefonnummern auszutauschen, trifft man sich heute weltweit auf der digitalen Freundschaftsplattform, die seit März 2008 auch auf Deutsch angeboten wird. Über eine Million Nutzer jeglichen Alters hat sie in der Schweiz, und es werden auch im Thurgau täglich mehr. Eine lokale Statistik gibt es nicht, doch wächst sichtbar der Kreis, der sich unter anderem in rund 170 Thurgauer Gruppen manifestiert (siehe Kasten).
Der Freundeskreis
Eine von ihnen heisst «Freundeskreis von Roman Schenk» und hat vier Mitglieder. Über diese Gruppe kann vierteljährlich einen Freundesbrief abonnieren, wer wissen möchte, was «in meinem Leben, meiner Arbeit und meiner Ausbildung zum Sozialdiakon so läuft und ansteht», schreibt Gruppengründer Schenk. Wer ihn zudem mit Gebeten unterstützen will, erhält «Informationen über Anliegen, für die man beten darf». Bis vor kurzem waren in der Gruppenbeschreibung für jeden einsehbar auch die Telefonnummer und für jene, die ihm finanziell helfen wollen, auch Schenks Konto bei der Thurgauer Kantonalbank angegeben.
Zu heikel geworden
Jetzt hat Schenk seine Facebook-Gruppe geschlossen. Neumitglieder müssen von ihm als «Inhaber» oder von einem Administrator bestätigt werden. Die allzu privaten Nummern hat er entfernt. «Es ist mir zu heikel geworden», sagt er im Gespräch. «Ich will nicht aufdringlich sein.» Kein Problem hat der Theologiestudent aber generell mit Facebook. Es sei eine gute und unkomplizierte Gelegenheit, mit gleichgesinnten Christen zu kommunizieren.
Als Absolvent der Kantonsschule Kreuzlingen hat Roman Schenk in der Evangelischen Kirchgemeinde Berg Jugendarbeit geleistet. Heute studiert der 26jährige am Theologisch-Diakonischen Seminar Aarau und möchte Sozial-Diakon werden. Er lebt von 8000 Franken im Jahr und wohnt noch auf dem elterlichen Hof auf dem Ottenberg. Dass er sich das Vollzeitstudium privat finanzieren lasse, sei nicht aussergewöhnlich. Diese Art der Unterstützung kenne man aus der Missionsarbeit, sagt er.
Arbeit ganz Gott zu Diensten
Roman Schenk gehört der Evangelikalen Bewegung an. Ursprünglich studierte er an der ETH in Zürich Umwelt-Naturwissenschaften und brachte es bis zum Bachelor. Die Prüfungen habe er nur dank Gott geschafft. «Es war ein Wunder. Und Wunder, die wir mit Gott erleben, können wir immer erklären.»
Diese Erkenntnis habe ihn zu einer Umkehr bewogen. Schenk hat die Bibel dabei und zitiert aus dem Alten Testament Exodus 13,18, wo Gott die Kinder Israel nicht auf dem eingeschlagenen Weg durch Philisterland, sondern durch die Wüste am Schilfmeer führt. Seit seinem eigenen Umweg über die ETH stellt der angehende Diakon seine Arbeit «ganz Gott zu Diensten». Das alles schliesst aber eine zweite, durchaus irdische Leidenschaft nicht aus. Roman Schenk zieht einen Mac aus dem Rucksack, öffnet – auch im Landgasthof Stelzenhof Wireless LAN – www.facebook.com und ruft die neusten Nachrichten seiner 150 Freunde ab. Der jüngste ist 14, der älteste von ihnen 40 Jahre alt.
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