Tagblatt Online, 28. Oktober 2008 01:05:32
«Schimpansen sind die gefährlichsten Tiere im Zoo»
Eine Abschrankung und Schilder warnen vor den Schimpansen. (Bild: Bild: Reto Martin)
FRAUENFELD. Am Sonntag hat im Frauenfelder Plättli-Zoo ein ausgewachsener Schimpanse einen 38jährigen Mann angegriffen. Nun werden die Sicherheitseinrichtungen des Tiergartens untersucht.
Katharina Graf
Schimpansen sind beim Menschen beliebt, weil sie ihm so ähnlich sind. Nicht weniger als 99,4 Prozent seines Erbguts hat dieses Tier mit einem Menschen gemein. Der Körperbau, die Mimik, die Bewegungen – in vielerlei Hinsicht zeigt sich die enge Verwandtschaft. Trotz Ähnlichkeit ist der Schimpanse aber kein Freund des Menschen. Der Vorfall im Frauenfelder-Zoo (vgl. Montagausgabe) zeigte einmal mehr, dass mit diesen Tieren nicht zu spassen ist.
Vater und Knabe angegriffen
Ein zweijähriger Bub gelangte am Sonntagnachmittag auf unerklärte Weise in den gesperrten Bereich vor dem Affen-Gehege. Einer der vier Schimpansen griff in der Folge aus dem Käfig heraus und hielt den Bub fest. Der Vater wurde beim Rettungsversuch von einem weiteren Affen angegriffen und erlitt schwere Handverletzungen. Gestern leitete das Bezirksamt Frauenfeld eine Untersuchung ein; es soll abgeklärt werden, wie das Kind in den Bereich zwischen der Sicherheitsabschrankung und dem Affenkäfig gelangen konnte. Ausserdem stellt sich die Frage, ob die Sicherheitseinrichtungen im Plättli-Zoo genügend sind.
«Der Unfall ist vor allem selbstverschuldet», ist Zooleiter Walter Mauerhofer überzeugt. «Unsere Gehege wurden vom Veterinäramt abgenommen, die Sicherheit ist gewährleistet.» Er könne sich auch nicht vorstellen, dass das Kind alleine in den abgesperrten Bereich gelangt sei, meinte er.
Gefährlicher als ein Löwe
Laut Mauerhofer unterschätzen viele die Aggressivität der Menschenaffen. Dabei seien es die gefährlichsten Tiere des Zoos, gefährlicher als die Löwen. «Sie werden aggressiv, sobald ein unbekanntes Wesen in ihr Revier eindringt.» In der Natur liefen die stärksten Männchen der Gruppe regelmässig die Grenzen des Territoriums ab, um allfällige Eindringlinge abzufangen. Aber auch im Zoo werde nicht zimperlich mit Fremden umgegangen, sondern ruchlos angegriffen. «Dabei zielt ein Schimpanse meist auf die Hände seines Opfers. Egal ob bei Artgenossen oder Menschen», erklärt Mauerhofer.
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naef (28. Oktober 2008, 11:33)
Augenzeuge
Ich bin zusammen mit meiner Familie Augenzeuge des brutalen Vorfalls. Wir haben nun das abgebildete Foto betrachtet und müssen sagen, dass uns am Sonntag das Schild "Füttern verboten" nicht aufgefallen ist. Ist es gar im Nachhinein angebracht worden? Dann fragen wir uns, wenn die Tiere wirklich so gefährlich sind, warum ist 1. das nicht so gekennzeichnet? Warum ist 2. der Abstand zum Gitter nicht grösser? Warum ist 3. die Absperrung für die Besucher nicht so sicher, dass kein Kleinkind unten- oder zwischendurch schlüpfen kann? Irgendwie ist der Knabe ja dorthin gelangt. Überprüftt denn das Veterinäramt die Sicherheiteinrichtungen und nicht einfach nur das Wohl der Tiere? Sicher ist, dass die Eltern das Kind einen Augenblick aus den Augen verloren haben. Aber wem ist dies noch nie passiert? Dass der Unfall aber vor allem selbstverschuldet sein soll, das sehen wir nicht so. Mir scheint, dass sich hier mal wieder jemand aus der Verantwortung stehlen will. Fam. Näf, Waldkirch
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