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Tagblatt Online, 18. Mai 2012 00:00:00

Umstrittener Reggaemusiker am Open Air Frauenfeld

Kritik an den Veranstaltern und an Sponsor Migros

Der jamaicanische Musiker Beenie Man am Montreux Jazz Festival im Juli 2007. Zoom

Der jamaicanische Musiker Beenie Man am Montreux Jazz Festival im Juli 2007. (Bild: Keystone / Martial Trezzini)

Am 6. Juli wird am Open Air in Frauenfeld der jamaicanische Reggaemusiker Beenie Man spielen. Der Auftritt ist wegen dessen früherer Hetze gegen Homosexuelle umstritten. Beenie Man habe sich gewandelt, verteidigt sich der Organisator.

Andreas Schmid

In alten Liedtexten ruft der Reggaemusiker Beenie Man aus Jamaica dazu auf, Lesben aufzuhängen und Schwule zu erschiessen. Dass dieser Interpret für das Open Air in Frauenfeld von Anfang Juli engagiert wurde, sorgt für Unmut bei Homosexuellen-Organisationen. Im Internet haben sie Aufrufe und Petitionen gegen den Auftritt lanciert. Unverständnis löst bei den Protestierenden auch aus, dass die Migros als Hauptsponsor des Festivals das Konzert von Beenie Man goutiert.

Von Texten distanziert

Beim grössten Schweizer Detailhändler erklärt man die Haltung damit, dass die homophoben Parolen des Jamaicaners schon weit zurücklägen: «Der Organisator hat uns erklärt, dass der Musiker sich von diesen Äusserungen, die er vor über zehn Jahren verbreitete, längst öffentlich distanziert hat und die inakzeptablen Liedtexte nicht mehr verwendet», sagt die Migros-Sprecherin Martina Bosshard. Deshalb erachte es der Veranstalter als vertretbar, den Künstler auftreten zu lassen. Dieser stehe für die gleichen Werte wie die Migros ein und würde «nie einen Künstler mit rassistischen, sexistischen, ausgrenzenden oder hetzerischen Song-Inhalten einladen». Ein Festival mit menschenverachtender Musik zu unterstützen, käme für die Migros nicht infrage, betont Bosshard.

Joachim Bodmer, der Sprecher des Open Airs Frauenfeld, pflichtet diesen Erklärungen bei und hält fest, dass sich Beenie Man schriftlich und mündlich dazu verpflichtet habe, keine homophoben Texte vorzutragen. «Wir geben dem Musiker eine zweite Chance, weil ihn heute nichts mehr mit seiner früheren Karriere verbindet.» Auch andere europäische Organisatoren verpflichten den Reggaemusiker laut Bodmer bereits seit einigen Jahren wieder für Konzerte.

Argumentation bezweifelt

Die Kritiker geben sich mit diesen Erklärungen nicht zufrieden. Sie weisen darauf hin, dass 2010 geplante Auftritte von Beenie Man in Brüssel und Den Haag abgesagt wurden. Zudem liessen Proteste im gleichen Jahr eine vorgesehene Tournee durch Australien und Neuseeland platzen. Damit zu argumentieren, dass sich der Musiker von seinen früheren Aussagen distanziert habe, sei scheinheilig, denn er verkaufe die Lieder nach wie vor und lebe gut davon. In Jamaica brüste sich Beenie Man zudem nach wie vor mit seiner Hetze gegen Homosexuelle.

Abgesagt wurde inzwischen ein geplanter Auftritt eines Landsmanns von Beenie Man in Zürich. Der homophobe Reggaesänger Bounty Killer, der in seinen Liedern dazu aufruft, Schwule anzuzünden, wollte am 19. Mai ein Konzert im Volkshaus geben. Seine Agentur erhielt aber keinen Mietvertrag, wie der Geschäftsführer Marco Stella auf Anfrage sagte. «Ein Auftritt dieses Musikers kommt bei uns nicht infrage.»

Frei.Wild in Zürich

fbi. Für einige mediale Aufregung wegen ihrer Vergangenheit sorgt auch die Rockband Frei.Wild, die dieses Jahr am Heitere-Open-Air und im Hallenstadion auftreten wird. Der Band haftet das Image an, sich im Dunstkreis des Rechtsextremismus zu bewegen, wie der «Landbote» berichtete. Dazu trägt insbesondere die Vergangenheit des Frontmanns der Band, Philipp Burger, bei. Dieser sympathisierte früher mit Neonazis und war zudem Sänger einer Skinhead-Band. Da sich die Musiker jedoch bereits mehrfach von extremistischem Gedankengut distanziert haben, sehen weder der Veranstalter Act Entertainment AG noch das Hallenstadion Anlass dazu, den Auftritt der Band zu verhindern.




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