Tagblatt Online, 09. Mai 2012 11:49:00
Thurgauer Kids lieben Englisch
FRAUENFELD. Sind Thurgauer Schulkinder mit dem Englisch-Unterricht überfordert? Diese Frage wurde in einer Interpellation formuliert, die am Mittwoch im Grossen Rat behandelt wurde. Das Fazit von Bildungsdirektorin Monika Knill: «Primarschüler lieben Englisch».
Der Thurgauer Kantonsrat hat am Mittwoch seine letzte Sitzung der zu Ende gehenden Session im Rekordtempo absolviert. Einziger Diskussionspunkt war der Englisch-Unterricht, den Thurgauer Schulkinder seit Sommer 2009 ab der dritten Klasse erhalten.Seit dem laufenden Schuljahr haben zudem alle Fünftklässler Französisch-Unterricht. Hannes Bär und Josef Brägger, beide Lehrer, wollten von der Regierung wissen, welche Erfahrungen mit dem Frühenglisch gemacht werden.
Laut der schriftlichen Antwort ist alles bestens. Die Kinder und Eltern liebten Frühenglisch, schreibt die Bildungsdirektorin. Die Lehrer seien gut ausgebildet und motiviert. Kinder aus bildungsfernen und fremdsprachigen Kreisen würden mit geeigneten Massnahmen und Kursen unterstützt, sagte Knill.
Riesiger Aufwand - wenig Nutzen
Die Interpellanten und weitere Lehrpersonen im Kantonsparlament bezeichneten die regierungsrätliche Antwort als oberflächlich und unbefriedigend. Einziger Lichtblick sei der Ausblick auf eine Untersuchung zum Fremdsprachenkonzept im kommenden Jahr, sagte Walter Hugentobler, SP.
Der Aufwand zum Sprachenerwerb sei riesig. Die Lehrer leisteten mühsame Knochenarbeit. Wegen dem Frühenglisch brauche es noch mehr Stützmassnahmen. Schwierig sei vor allem, dass viele Kinder nicht richtig Deutsch könnten. Ausserdem seien zwei Drittel der Eltern mit der Aufgabenhilfe überfordert, sagte Hannes Bär, SP.
Wenig Erfahrungen
Frühenglisch gehe auf Kosten der Französischkenntnisse, sagte Josef Brägger, SP. Verena Herzog, SVP, verlangte, dass der Lernstand von Sekundarschülern in Englisch, Französisch und Deutsch sofort erfasst werde. Dies sei nötig, um einen Vergleich zu denjenigenSchülern mit Frühenglisch zu bekommen.
Laut Monika Knill ist es nach zwei Jahren Frühenglisch noch zu früh für eine aussagekräftige Bilanz, wie sie bei der Diskussion sagte. Das Bildungsdepartement sehe die Schwierigkeiten und wolle Lösungen, die dem Kindeswohl dienten.
Herausforderung für alle
«Frühenglisch ist eine Herausforderung für Schüler, Lehrer und die Schulorganisation», sagte die Bildungsdirektorin. Für Schülerinnen und Schüler mit Defiziten brauche es Fördermassnahmen, Lernzielanpassungen oder sogar die Dispensation vom Frühenglisch. (sda)
- Artikel empfehlen:







Kommentar lesen
diethelm (09. Mai 2012, 21:36)
Sehr gute Englischkenntnisse
Mein Sohn ist in der 6. Klasse und hat auch seit der 3. Klasse Englisch. Er hat so viel gelernt, dass er bei einem Familientreffen als Übersetzer für eine Verwandte fungieren konnte, die nur Englisch spricht.
Beitrag kommentierenWas das Französisch angeht, so bräuchte es in SG dringend ein anderes Lehrbuch, das "Envol" ist zum Davonlaufen! Seit meine Tochter im Untergymi ein anderes Französischlehrbuch hat, hat sie das Fach viel lieber.
Kommentar schreiben