Studenten lernen lieber Englisch

KREUZLINGEN. Der Thurgau will das Frühfranzösisch abschaffen. Gleichzeitig wählen immer mehr Studenten der Pädagogischen Hochschule das Fach Französisch ab, denn auch sie überlegen sich, ob diese Kompetenz eines Primarlehrers überhaupt noch gefragt ist.

08. Januar 2016, 06:29
MICHèLE VATERLAUS

Haben die Studentinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) die Wahl, dann setzen sie auf Englisch. Französisch wählen sie ab. «Seit 2009 zeigt sich diese Tendenz zu Gunsten des Englischunterrichts», sagt Matthias Begemann, Prorektor der PHTG. Hätten in den Jahren 2006 bis 2008 noch 60 Prozent der Studenten das Fach Englisch und 60 Prozent Französisch belegt – manche besuchen auch beide Fächer – sind es heute nur noch rund 30 Prozent, die Französisch belegen. Regierungsrätin Monika Knill vermutet, dass ein Zusammenhang mit der geplanten Abschaffung des Frühfranzösisch im Kanton Thurgau besteht. «Es besteht diesbezüglich eine gewisse Unsicherheit. Das beeinflusst die Studenten bestimmt», sagt sie. Einen Zusammenhang schliesst auch Begemann nicht aus. «Es ist logisch, dass sich die Studierenden überlegen, welche Kompetenzen im Schulfeld gefragt sind», sagt er. Werde das Frühfranzösisch abgeschafft, sei mindestens im Thurgau das Französisch als Unterrichtsfach für eine Primarlehrer nicht von Nutzen.

Über den Thurgau hinaus

Begemann betont aber auch: «Unsere Studierenden werden nach ihrer Ausbildung auch in anderen Kantonen unterrichten können. Der Abschluss, den sie machen, ist in der ganzen Schweiz gültig.» Deshalb dürfe nicht einfach darauf geschlossen werden, dass die Studenten wegen der geplanten Abschaffung des Frühfranzösisch das Fach abwählen. «Zumal es schon immer möglich war, eine Fremdsprache, also Englisch oder Französisch, abzuwählen.»

Vielleicht interveniert der Bund

Geplant ist, dass im Thurgau ab 2017, also zeitgleich mit der Einführung des Lehrplanes 21, auch das Französisch vom Stundenplan der Primarschule verschwindet. Ob das Frühfranzösisch tatsächlich abgeschafft werden kann, ist noch offen. Es könnte nämlich sein, dass der Bund interveniert. Dies, weil die Bundesverfassung eine gewisse Harmonisierung der Bildung– Schuleintrittsalter, Dauer und Ziele der Bildungsstufe, deren Übergänge, Anerkennung der Abschlüsse – vorschreibt. Der Thurgau würde das Gebot ab dem 1. August 2017 nicht mehr erfüllen. Monika Knill geht davon aus, dass bald Klarheit herrschen wird, ob der Bund interveniert oder nicht. «Bundesrat Alain Berset wird sich mit der Erziehungsdirektorenkonferenz austauschen.»

Darf der Thurgau das Frühfranzösisch nicht abschaffen, befürchten weder Knill noch Begemann einen Mangel an Lehrern, die Französisch in der Primarschule unterrichten können. Offen sei eher, ob es, wenn das Frühfranzösisch tatsächlich abgeschafft wird, genügend Lehrer gibt, die Französisch auf der Sekundarstufe unterrichten. Denn dann werde dort der Französischunterricht intensiver, das brauche mehr Lehrer. Denn nach Abschluss der Schule müssen die Thurgauer auch beim Französisch auf dem selben Stand sein, wie alle anderen Deutschschweizer Schüler.


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