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Tagblatt Online, 11. April 2012, 07:13 Uhr

Schoggihase bleibt an Ostern im Shop

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Tankstellenshops dürfen im Thurgau nur an 360 Tagen im Jahr geöffnet haben. (Bild: Archivbild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Der Thurgau ist der einzige Kanton, an dem Tankstellenshops an hohen Feiertagen geschlossen bleiben müssen. Gleichzeitig werden die Bahnhof-Shops überrannt. Trotz Ärger will vorerst niemand die Ungleichbehandlung bekämpfen.

CHRISTOF WIDMER

Wer am Karfreitag oder am Ostersonntag noch schnell einen Schokolade-Osterhasen für den Göttibuben kaufen wollte, brannte bei den Tankstellenshops an. Sie dürfen im Thurgau an den fünf hohen Feiertagen nicht öffnen – also neben dem Karfreitag und dem Ostersonntag auch am Pfingstsonntag, am Bettag und am Weihnachtstag. Ganz anders das Bild in den Geschäften am Bahnhof: Weil auf dem SBB-Gelände nicht das kantonale Ladenöffnungsgesetz gilt, sondern Bundesvorschriften, dürfen die dortigen Shops auch an den hohen Feiertagen öffnen.

Die Bahnhof-Shops erlebten denn auch an den eben zurückliegenden Feiertagen einen Kundenansturm. Genaue Zahlen für die Avec-Shops konnte der Mutterkonzern Valora gestern noch nicht nennen. Er betreibt im Thurgau sechs Verkaufsstellen an Bahnhöfen. Generell sei aber an Feiertagen der Umsatz in den Shops spürbar höher, sagte Mediensprecher Mladen Tomic.

«Für uns ist das deprimierend»

Das Verkaufsverbot an den fünf hohen Feiertagen ärgert die Betreiber der Tankstellenshops. «Für uns ist das deprimierend», sagt der Frauenfelder Garagist Werner Thomi, der Vorstandsmitglied im Verband der Tankstellenshop-Betreiber der Ostschweiz ist. Viele Kunden wüssten gar nichts von der Thurgauer Regelung und reagierten teils wütend vor den geschlossenen Türen. Der Thurgau ist nach Angaben der Branche nämlich der einzige Kanton überhaupt, der ein solches Verkaufsverbot kennt. Ihm zum Opfer fallen auch Deutsche auf Durchreise, die sich nicht gewohnt sind, am Automaten zu tanken: An hohen Feiertagen häuften sich bei den Shop-Tankstellen die Notrufe wegen eingezogener Karten, sagt Roland Ellenbroeck von Avia.

Ein Versuch, das Verkaufsverbot abzuschaffen, scheiterte 2006 deutlich. Über 60 Prozent der Stimmenden sprachen sich dagegen aus – Schlupfloch für Bahnhof-Shops hin oder her.

Zwar gibt es Gedankenspiele, einen neuen Anlauf gegen das Verbot zu wagen. «Das würde aber als Zwängerei aufgefasst», sagt Thomi. Dem stimmt sein Mitstreiter Ellenbroek zu. Die Erdölvereinigung, der alle Treibstoffmarken und somit die Shopbetreiber angehören, sei derzeit in anderen Kantonen gefordert, um dort Bestrebungen für Einschränkungen der Öffnungszeiten abzuwehren.

Nur eine Frage der Zeit?

Betroffen vom Verkaufsverbot sind nicht nur Tankstellenshops, sondern auch weitere Läden mit einer Verkaufsfläche bis 120 Quadratmeter, die an «normalen» Sonn- und Feiertagen offen haben dürfen. Im Detailhandel gebe es Stimmen, die das Verbot abschaffen wollen, sagt Gewerbeverbandspräsident Peter Schütz. Auch er tritt für eine Liberalisierung ein: Ladenbesitzer sollten dann öffnen können, wenn ihre Kunden das Bedürfnis haben einzukaufen. «Man muss zur Kenntnis nehmen, dass sich das Einkaufsverhalten geändert hat», sagt Schütz. Für ihn ist es darum nur eine Frage der Zeit, bis das Verkaufsverbot fällt. Es fördere bloss den Einkaufstourismus.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
RvR (11. April 2012, 09:19)
Volkswille

Zum Glück hat das Stimmvolk 2006 zu den längeren und zusätzlichen Öffnungszeiten NEIN gesagt. Jedes Jahr das gleiche Gejammer. Man soll sich einfach daran halten. Herr Schütz kann gut reden,er arbeitet nich an der Verkaufsfront. Ich habe vollen Respekt allen VerkäuferInnen gegenüber die Tagtäglich im Laden stehen und Ihre PPflicht tun. Man sollte diesen Personen auch mal zusätzliche Freitage gönnen. Es gibt ja auch andere Kantonale Regelungen wie 1. Mai und 1. November da hat man sich auch daran gewöhnt. Ich arbeite auch in einem Lebensmittel- Betrieb, müsste also an solchen zusätzlichen Tagen auch arbeiten. Ich bin froh gibt es noch Tage an denen die Geschäfte und auch Tankstellenshops geschlossen sind, sowie auch keine sportlichen und andere Veranstaltungen gemacht werden dürfen. Mir kommt es vor die Leute haben an Sonn- und Feiertagen nichts gescheiteres zu tun als in den Shops und Läden rumzuhängen.

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