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Tagblatt Online
11. Februar 2016, 19:22 Uhr

Pegida-Anhänger tauchen nicht auf an Kanti Romanshorn

Die Kantonsschule Romanshorn ist nach Ansicht der Pegida-Aktivisten nicht der richtige Ort für einen Vortrag über den Islam. Zoom

Die Kantonsschule Romanshorn ist nach Ansicht der Pegida-Aktivisten nicht der richtige Ort für einen Vortrag über den Islam.

ROMANSHORN. Die Pegida Schweiz rief am Donnerstag ihre Mitglieder auf Facebook auf, einen Vortrag zum Thema Islam an der Kantonsschule Romanshorn zu stören und gar zu verhindern. Der Vortrag sei "verlogen", es gehe um die heimliche Islamisierung unseres Landes. Imam Nabeel Ahmed seinerseits ruft die Pegida-Leute zum friedlichen Dialog auf. Die Veranstaltung startete aber schlussendlich friedlich.

Sarah Gerteis/Daniel Walt

"Wir rufen zum Protest auf. Diese Veranstaltung darf und soll nicht stattfinden", heisst es in der Facebook-Nachricht von Pegida Schweiz, die am Donnerstagmittag auf Facebook aufgeschaltet worden ist. Der Unmut der Rechtsnationalisten richtet sich gegen einen Vortrag, der heute Abend an der Kantonsschule Romanshorn stattfindet. Nabeel Ahmed, Imam der Nuur-Moschee in Wigoltingen, islamischer Theologe und Mitglied der islamischen Reformgemeinde AMJ, wird dort zum Thema "Islam als Bedrohung" referieren und aufzeigen, dass "Harmonie und Frieden die Grundlagen des Islam" bilden. Vor der Veranstaltung tauchten aber schliesslich keine Pegida-Anhänger auf.

Nabeel Ahmed, islamischer Theologe. Zoom
Nabeel Ahmed, islamischer Theologe.
"Betrug am Bürger"
Das Thema und die Tatsache, dass der Vortrag an der Kantonsschule stattfindet, stösst der islamfeindlichen Pegida sauer auf. Die Kanti sei eine "kantonale Bildungsstätte", die von allen finanziert werde, schreiben die Aktivisten. Und meinen damit wohl, dass diese Einrichtung deshalb nicht für einen solchen Vortrag genutzt werden darf. Denn: "Wer den Koran verharmlost, betrügt die Bürger im TG!"

Mit Trillerpfeifen und Plakaten
Um diesem angeblichen "Betrug" Einhalt zu gebieten, rief Pegida ihre Sympathisanten dazu auf, den Anlass nicht nur zu stören, sondern ihn gar zu verhindern - das aber "friedlich und gewaltfrei". "Nehmt Trillerpfeifen mit, Plakate, zeigt ihnen, dass sie ihren Salafismus nicht verbreiten können. Zeigt den Menschen, dass der Islam kein Frieden ist." Doch damit nicht genug: Publiziert sind im Facebook-Post auch die Telefonnummern von Regierungsrätin Monika Knill und Kanti-Rektor Stefan Schneider - für allfällige telefonische Proteste.
 

SPONTAN-INFORMATIONHeute Abend findet in der Kantonsschule in Romanshorn eine muslimische Veranstaltung statt (Infos...

Posted by PEGIDA Schweiz on Donnerstag, 11. Februar 2016

"... dann sind sie herzlich eingeladen"
Referent Nabeel Ahmed erfuhr durch die Anfrage von Tagblatt Online vom geplanten Pegida-Widerstand gegen seinen Vortrag in Romanshorn. "Anstatt Unruhe zu stiften, sollten wir in diesen Zeiten zusammenstehen", sagte er. Der Kern aller Religionen sei derselbe - deshalb sei es wichtig, dass Angehörige unterschiedlicher Religionen zusammenkämen, um Informationen aus erster Hand zu erhalten und Brücken zu bauen. "Wenn die Pegida-Leute kommen, um einen friedlichen Dialog mit uns zu führen, sind sie herzlich dazu eingeladen", so Nabeel Ahmed weiter.

Auf die Frage, ob er Angst um seine Sicherheit habe, sagte Nabeel Ahmed, er fühle sich in der Schweiz daheim - "und daheim hat man keine Angst". Abschliessend betonte der Imam, seine Gemeinde sei gegen jegliche Gewalt und vertrete nicht die Ideologie des Salafismus. "Unser Motto lautet: Liebe für alle, Hass für keinen."

Kantonsschule ist nicht Veranstalterin
Stefan Schneider, Rektor der Kantonsschule Romanshorn, betont, dass der heutige Islamvortrag nicht von der Kantonsschule organisiert wurde, die Kantonsschule nicht Initiantin des Anlasses ist. "Wir stellen lediglich die Räumlichkeiten zur Verfügung, wie wir es für viele andere Anlässe wie etwa Fasnacht oder Versammlungen auch machen." Die Schulverwaltung prüfe die Anfragen jeweils und sage dann zu oder ab. "Dieser Vortrag über den Islam ist in unseren Augen unproblematisch. Es geht um Meinungsbildung für die Öffentlichkeit", so der Rektor. Nabeel Ahmed, der Imam der Nuur-Moschee in Wigoltingen, habe schon vor einem Jahr an der Romanshorner Kanti über den Islam referiert. Für die Sicherheit am Abend sei die Polizei vor Ort. Er selber als Rektor werde aber auch präsent sein.

Präsident aus Frauenfeld
Pegida Schweiz ist derzeit vor allem im Thurgau aktiv. Für den 5. März hat die Bewegung eine Demonstration in Frauenfeld angekündigt und will an dieser festhalten, auch wenn die Stadt ihre Zustimmung verweigern sollte. Präsident von Pegida Schweiz ist der Frauenfelder Mike Spielmann, der im Herbst vergangenen Jahres für die Rechtsaussen-Partei DPS, in deren Vorstand er sitzt, erfolglos für den Nationalrat kandidiert hatte.

Polizei wird vor Ort sein

Auf Anfrage von Tagblatt Online erklärt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, man wisse sowohl vom Vortrag an der Kantonsschule Romanshorn als auch vom Facebook-Aufruf von Pegida Schweiz, den Anlass zu stören. "Wir beobachten das Geschehen und werden vor Ort präsent sein", so Graf. Die Polizei werde geeignete Massnahmen vorsehen. Welche das sind und mit wievielen Leuten die Kantonspolizei in Romanshorn präsent sein wird, erläutert Graf nicht näher. Auch die Frage, wann die Polizei einschreitet und ob beispielsweise der Einsatz von Trillerpfeifen gegen den Referenten noch im Bereich des Tolerierten liegt, lässt Matthias Graf offen: "Das werden wir situativ vor Ort entscheiden", sagte er. (dwa)



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Jonischmi (12. Februar 2016, 10:04)
Da hat sich wohl eine 'Partei' lächerlich gemacht

Aber wie soll man auch eine solche Aktion durchführen wenn man keine Anhänger hat. Und wenn die wenigen vorhandenen Anhänger auch noch faul und träge sind, dann geht wohl gar nichts mehr. Wie soll jemand seinen Körper in Bewegung setzen, der dasselbe nichteinmal mit seinem Hirn schafft?

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Cescopo (12. Februar 2016, 08:46)
RUHIG BLEIBEN...

ist doch toll, dass keener dieser so genannten PEGIDA Schweiz sich an diese Veranstaltung getraut hat.
Ich sag euch was, diese Bewegung in der Schweiz ist nichts anderes als eine Ansammlung von Taugenichtsen, die es auf normale ehrliche Art leider zu nichts gebracht haben. Nun müssen Sie Ihren Frust via Pegida raus lassen und logischerweise einen Schuldigen finden.
Ich finde den Beitrag toll, zeigt doch nur auf auf welch verlorenem Posten diese "Möchtegern"-Politiker stehen...

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aworky (12. Februar 2016, 06:12)
wie die Sharia

darf man Christus als den grossen Propheten den Muslimen in all den erwähnten Ländern näher bringen. Aber der Anspruch auf Absolutheit wie Sie Ihn auf Jesus anwenden, wird genauso so abgelehnt, wie hierzulande ein Anspruch auf die Einführung der Sharia abgelehnt wird. Vergleichen einfach mal gleiches mit gleichem. Übrigens der Rat der Weisen Väter hat über Jahrhunderte Christus in einer respektvollen Art Christus 1000 von Muslimen näher gebracht, ohne die Arroganz "des einzig wahren Gottes"!!

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Ostler (11. Februar 2016, 21:28)
darf christlicher Prister an der Schule in Saudi Arabien

in Katar, Pakistan, Indonesien usw. über Jesus den wahren Gott die Vorlesungen machen?

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diethelm (11. Februar 2016, 22:33)
Möchten Sie,

dass die Schweiz sich diese Unrechtsstaaten zum Vorbild nimmt? Ich nicht! Ausserdem warten die auch in der Schweiz vorhandenen militanten Atheisten nur darauf, auch christliche Veranstaltungen zu verbieten mit dem Argument, man dürfe andere Religionen nicht diskriminieren.

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aworky (11. Februar 2016, 19:19)
Handlanger der Islamophoben

Was soll den das? Für die Veranstaltung selbst hätte das Tagblatt nie ein Posting veröffentlicht - für Pegida schon. Lässt sich das Tagblatt instrumentalisieren, ist es billiger Journalismus, Naivität oder vielleicht gar ein politisches Statement "unseres" Tagblatts?
Den gemässigten Muslimen wird keine Plattform gegeben um ihre Veranstaltung anzuzeigen, den an Islamophobie und Fehlinformierten in Sachen Religion allerdings schon...? Grenzt dies nicht schon fast an "Aufhetzung gegen Muslime"? Haben wir wirklich nichts gelernt von den Anfängen des 3. Reiches? Shame on you!

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vesche (11. Februar 2016, 18:15)
Wieso gibt man denen eine Plattform?

Beim nächsten Rassisten Posting berufen sie sich dann wieder auf die Meinungsfreiheit. Aber unglaublich vom Tagblatt, dass man diesen pegida Simpeln noch eine derartige Plattform bietet.

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diethelm (11. Februar 2016, 17:00)
Schweinerei

Ist das die Vorstellung der PEGIDA von Demokratie und Meinungsfreiheit? Auf solche Importe können wir in der Schweiz getrost verzichten.

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