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Tagblatt Online, 29. Mai 2012 19:00:00

«Ohne Delphine werden wir Arbeitsplätze verlieren»

Conny-Land-Geschäftsführer Erich Brandenberger im Interview

Erich Brandenberger, Geschäftsführer des Freizeitparks Connyland im thurgauischen Lipperswil Zoom

Erich Brandenberger, Geschäftsführer des Freizeitparks Connyland im thurgauischen Lipperswil (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Mit dem Ja des Nationalrats zum Importverbot für Delphine endet in absehbarer Zeit die Delphinhaltung in der Schweiz. Connyland-Geschäftsführer Erich Brandenberger erwägt zwar ein Referendum gegen das Importverbot, sieht für den Freizeitpark im thurgauischen Lipperswil aber auch eine Zukunft ohne Delphine.

Interview: kru.

Der Nationalrat hat sich wie zuvor der Ständerat für ein Importverbot für Delphine ausgesprochen. Was heisst das nun fürs Connyland?

Wir sind enttäuscht. Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder wir finden Interessenverbände, die uns bei einem Referendum gegen das Importverbot unterstützen. Oder wir müssen die Delphinhaltung, in die wir 40 Jahre lang viel investiert haben, beenden. Wegen des Tods von zwei Delphinmännchen letzten Herbst können wir nicht mehr auf natürlichem Weg nachzüchten.

Wer könnte Sie bei einem Referendum unterstützen?

Wir wollen und können ein Referendum nicht allen auf die Beine stellen und finanzieren. Wir denken an Zoo Schweiz oder andere Organisationen.

Ihre Befürchtung ist, dass der Entscheid ein Präjudiz für Verbote von Wildtieren in Zoos darstellt?

Eindeutig. Als unsere beiden Tiere letzten Herbst gestorben sind, wurden wir von Zoo Schweiz kontaktiert, weil sie wussten, dass es auch den Schweizer Zoos an den Kragen gehen könnte. Die nächsten Tierarten werden drankommen. Wenn Nationalrat Daniel Jositsch behauptet, es gehe nur um Cetacea (Delphine und Wale), kann ich belegen, dass er sich persönlich anders geäussert hat. Für ihn ist auch die Haltung von Wildtieren in Zoos fragwürdig.

Ein Vergnügungspark Connyland ohne Delphine: Lässt sich das auch als Chance sehen?

Vielleicht ja. Wir verfolgen ohnehin seit über zwei Jahrzehnten eine Expansionsstrategie und haben auch in andere Bereiche investiert. Wir wollen unser Angebot weiter ausbauen, nicht etwa den Betrieb schliessen. Die Seelöwen werden wir zumindest vorderhand behalten. Aber ohne die Delphine werden wir Arbeitsplätze verlieren.





Leser-Kommentare:
3 Beiträge

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Punto (31. Mai 2012, 06:17)
Alter Zopf

Wir brauchen keine eingesperrten Tiere mehr! Es gibt heute Filme über die wilden Tiere und ihre natürliche Lebensweise.

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deich (30. Mai 2012, 09:36)
Graus

@FUERTIERE: Es tummeln sich viele "hoch entwickelte Tiere in Gefangenschaft" in der Schweiz. Das Importverbot einer einzelnen Art wirft zwangsläufig die Frage auf, wie es denn um andere Spezies steht, deren Haltung ebenso mit "Unverantwortlichkeit" in Verbindung gebracht werden könnte. Die "Lex Delphine Schweiz" wird sich also auch auf andere Tierarten, die in Zoos, Zirkusse und privat (!) gehalten werden, auswirken müssen, wenn man die Sache nicht nur als "Lex Connyland" bezeichnen möchte. Die so genannten "Tierfreunde" fahren da einen zweifelhaften Weg. Jedem Tier, das sich angestammt "in freier Wildbahn" bewegt, können ähnliche Attribute angeschrieben werden - wenn man möchte! Zoologen haben da allerdings eine differenziertere Meinung dazu, sehen in der Gefangenhaltung von Wildtiere auch einen Nutzen für den Menschen: Von der Arterhaltung bis hin zur Pädagogik und Medizin, usw. "Obertierschützern" wird das ewig "gruselig" bleiben!

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fuertiere (30. Mai 2012, 08:15)
gegen die Gefangenhaltung von Delfinen (und anderen Tieren)

Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.
Auch die Nahrung in Gefangenschaft, nämlich toter Fisch, ist für Delfine nicht "natürlich", denn in freier Wildbahn fressen Delfine nur lebende Fische, tote meiden sie. Delfine sind akustische Tiere; ihre Kommunikation und Orientierung im Raum erfolgt zum grossen Teil akustisch. Der akustische Ortungssinn ist in Gefangenschaft praktisch nutzlos und verkümmert.

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