Neuer Schlitten made in Sulgen

SULGEN. Der Davoser Schlitten hat jetzt einen kleinen Bruder, den Folding Sled. Dieser Faltschlitten kann platzsparend transportiert werden. Zwei Designer haben mit einer Thurgauer Traditionsfirma einen Hersteller für ihre Idee gefunden.

19. Januar 2016, 17:03
INGE STAUB

Bergschuhe, Winterkleider, Proviant – damit ist der Kofferraum meist schon voll. Doch wohin mit dem Schlitten? Für alle, die keine Box auf dem Autodach haben oder mehrere Schlitten transportieren wollen, stellt sich diese Frage nun nicht mehr. Denn seit wenigen Wochen gibt es eine Thurgauer Alternative zum herkömmlichen Davoser Schlitten: den Folding Sled. Hinter dem englischen Begriff verbirgt sich ein faltbarer Schlitten. Dieser Faltschlitten sieht ähnlich aus wie der Davoser Schlitten, er hat jedoch einen Kunststoffsitz. Produziert wird das neue Modell in Sulgen bei der Firma 3R, ehemals Graf Schlitten.

"Wir sind von den Erfindern angefragt worden, ob wir ihren Schlitten herstellen können", sagt 3R-Betriebsleiter Erwin Dreier. "Nachdem wir festgestellt haben, dass das Produkt keine Schwachstellen hat, haben wir uns zu einer Zusammenarbeit mit den beiden Tüftlern entschlossen."

Preis für das Design

Auf die Idee mit dem faltbaren Wintersportgerät sind der Schweizer Designer Arno Mathies und sein deutscher Kollege Max Frommeld gekommen. Die beiden bekamen für ihren Schlitten in Frankreich einen Designpreis. Dass Erwin Dreier den Auftrag bekam, ist darin begründet, dass sein Betrieb über eine langjährige Erfahrung im Schlittenbau, im Besonderen in der Herstellung von Davoser Schlitten, und im Dampfbiegen verfügt.

Für Schlitten-Kufen sägen die Mitarbeiter von 3R Eschenholz zu. Dieses wird unter Dampf gebogen, so dass die Kufen aus einem Stück sind. "Sie werden weder geleimt noch zusammengeschraubt", betont Erwin Dreier. Das Eschenholz stammt aus dem Thurgau. Dieses wird auch für die Kufen des Faltschlittens verwendet.

Made in China? Dieses Etikett trifft auf den neuen Faltschlitten nicht zu. Der Folding Sled besteht aus Thurgauer Eschenholz, aus zwei Metallgestängen, die in der Westschweiz produziert werden, und einem Kunststoffsitz, der aus England kommt.

Der Schlitten lässt sich in wenigen Minuten zusammenklappen. Hierfür löst Erwin Dreier Metallklemmen, verdreht das Metallgestänge und zieht den Kunststoffsitz auseinander. Der Schlitten liegt nun flach vor ihm. Es lassen sich mehrere Schlitten aufeinander stapeln. "Dieser Schlitten ist sehr platzsparend sowohl beim Transportieren als auch beim Lagern", sagt Erwin Dreier. Als weitere Vorzüge hebt der 41jährige Wagner die Beweglichkeit, den bequemen Sitz und die leichte Lenkung hervor. "Der Schlitten gleitet gut dank seiner breiten Kufen, die mit Spezialstahl belegt sind." Ein Faltschlitten kostet rund 320 Franken.

Bereits 200 Schlitten verkauft

Im vergangenen Jahr hat der Sulger Betrieb 300 Stück des neuen Schlitten gefertigt. Um das Risiko, auf den neuen Produkten sitzen zu bleiben, zu minimieren, hat Erwin Dreier mit den Designern eine feste Abnahme von 200 Stück vereinbart. Diese wurden bereits ausgeliefert und zum grössten Teil über Kickstarter verkauft. "Über diese Internetplattform haben unsere Schlitten Abnehmer in England, Paris und den USA gefunden." Auch in der Westschweiz düsen bereits Wintersportler mit dem Folding Sled die Hänge hinunter. "Jetzt müssen wir noch die Händler in der Ostschweiz von unserer Neuheit überzeugen", sagt Erwin Dreier. "Leider hat bislang das Wetter nicht mitgespielt." Der Wagner hofft noch auf Schnee. Denn er und sein Team beginnen bereits mit der Produktion für die nächste Saison. Erste Bestellungen nimmt er bis Ende April entgegen. Doch haben die Händler noch genügend Schlitten vorrätig. 3R verkauft jährlich rund 3000 Schlitten. Der Betrieb kann jederzeit nachliefern. Bis zum Sommer werden jeweils Teile produziert, die für 5000 Schlitten ausreichen. "Bei Nachbestellungen bauen wir die vorgefertigten Kufen und Holzverstrebungen zusammen", sagt Dreier.


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