Tagblatt Online, 01. Juni 2012 00:00:00
Neue Heimat Avalon
Halb Oper, halb Akademie: Der Thurgauer Industrielle Daniel Model eröffnet seine Gegenwelt
Repräsentatives Gebäude: Daniel Model will hier seine Idee des idealen Staates umsetzen. (Bild: NZZ / Karin Hofer)
Unweit der Thur hat sich der Industrielle Daniel Model seinen eigenen Mikrokosmos geschaffen: den Modelhof. Die prächtige Stätte wird dieses Wochenende eröffnet. Entstanden ist eine Gegenwelt zum realen Staat namens Avalon.
Jörg Krummenacher, Müllheim
Das edle Haus liegt mitten im Thurgauer Land, in Müllheim, einer Gemeinde mit wenig verheissungsvollem Namen, versteckt hinter einem grossen Holzschuppen, angrenzend an eine Bildhauerschule, eine Pferdeweide, in Sichtweite die Migros. Hofstrasse 1: Sackgasse zur Reflexion, ausgerichtet nach den Himmelsrichtungen, der Eingang im Westen, wo die Zukunft liegt. Beim Haus handelt es sich um ein Gebäude aus Naturstein mit Geraden und cassinischen Kurven, überspannt von einer Messingkuppel in 14 Metern Höhe. Wasserspeier, in Stein gehauen, blicken herab: Löwe, Widder, Stier, Vogel, Mensch. Ein stattliches Gebäude, «archaisch, ursprünglich», sagt Daniel Model. Opernhaft.
Produkt einer Stimmung
Innert drei Jahren hat er es erbauen lassen, nach dem Entwurf des Nachbarn, des Bildhauers Urs Strähl. Am Anfang der Idee stand ein Vortrag, den er am 22. März 2006 vor den Thurgauer Gemeindeammännern zu halten hatte. Thema: Staat und Unternehmertum. Daniel Model, 51-jährig, verheiratet, CEO des Verpackungsunternehmens Model Holding mit Sitz in Weinfelden, sprach über sein Unbehagen gegenüber dem heutigen bürokratisierten Staat, der dem Bürger mit Misstrauen begegne, statt ihn zu schätzen und zu schützen. Weil er sich in diesem Gebilde nicht wiederfand, rief er flugs seinen eigenen Staat aus. Und weil er über die Mittel verfügt, diese seine Utopie zu realisieren, baute er den Modelhof. «Er ist das Produkt einer Stimmung der Heimatlosigkeit», sagt Daniel Model.
Später fand er den Namen. Seine Tochter las gerade das Buch «Die Nebel von Avalon». Die beiden schlugen nach und fanden die Bedeutung von Avalon: Apfelgarten, Apfel-Insel. Das passte zum Thurgau und zu Models neuer geistiger Heimat.
Ort der Freiheit
Manche nennen ihn Spinner, Hofnarr. Es ficht ihn nicht an. Gewiss ist er kein Sektierer, viel eher ein Freidenker, Urliberaler. Er spielt damit, den Modelhof als Regierungsgebäude von Avalon zu bezeichnen, als Mikrokosmos eines idealen Staates, den es zu entwickeln gelte, nicht primär als Kritik am real existierenden Staat Schweiz, sondern als dessen Verfeinerung. Geprägt von Menschen und Gemeinden, die nicht von Gesetzen bedrängt, sondern in kreativer Freiheit und gegenseitigem Respekt agieren können. Avalon könnte auch Utopia heissen.
Treten wir ein in Models Welt: eine schwere Messingtür, ein Vorraum, dann öffnet sich der stattliche Innenhof für 200 Besucher, die Bühne hinter blauem Vorhang, oben die Galerie, Stuckdecken. Seitlich angeordnet 20 weitere Räume, die Platz bieten beispielsweise für eine Bibliothek, die Model mit einigen tausend Bänden bestücken will, darunter die 100 «liberalsten Bücher». Edel zeigt sich der Festsaal für 80 Personen, Holzparkett, grüne Seidenwandbespannung. Die Farbnuancen sind bewusst gewählt: Das Sitzungszimmer ist in «befeuertem Orange» gehalten, erklärt der Hausherr, denn hier brauchten die Menschen energetische Unterstützung.
Daniel Model ist zufrieden. «Der Bau ist schöner geworden, als ich es mir vorgestellt habe.» Nun soll aus der Form Leben wachsen, der Modelhof kein exklusiver Ort für Insider bleiben, auch wenn sich Model mit einer eigens geprägten Münze in Gold und Silber, die sein Konterfei zeigt, aristokratisch gibt. Zur Eröffnung spielt das Modelhof-Ensemble Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll, weitere öffentliche Veranstaltungen folgen. Auch Klavier- und Kammerkonzerte sollen im Modelhof Platz finden, Mitarbeiterausbildungen, Führungen, Lesungen. Und natürlich: eine Akademie. Eine ihrer Kernaufgaben wird die Suche nach einer neuen Staatsform sein. Daniel Model wird zu Hofe laden, hoffentlich, wenn er sie gefunden hat.
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Kommentare lesen
unangan (04. Juni 2012, 14:11)
@mercator
"Einer Zeit, in der es den Schwachen und Armen...und Faulen in umserem Land nie besser gegangen ist, als heute !"
Beitrag kommentierenUnd den "Abzockern"...???...
Ihr Kommentar "mercator" spricht für sich. In einer Zeit wo die "Höchstsaläre" in der Schweiz um viele Prozente p/anno mehr auf ihre Bankkonten spühlt.
Und dabei dem "Golfleben" fröhnen, dabei der "Faule" wie mercator schreibt.. kurz mal ein Bier bei Aldi "postet". Und diese paar Cent irgend wo anders bei seinem Lebensunterhalt einsparen muss....!!!...
unbekannt (06. Juni 2012, 09:57)
Lieber Rolfmolls
Dann sind sie sich gesund und haben auch kein Gebrechen. Aber wehe sie sind IV-Empfänger, dann haben sie bei der so menschenfreundlichen Model keine Chance.
Beitrag kommentierenrolfmolls (02. Juni 2012, 12:28)
Welchen Unsinn darf man anonym verfassen?
Es ist schon erstaunlich welchen Unsinn man anonym schreiben darf. Für Model habe ich 38 Jahre gearbeitet. Zuunterst in der Papierfabrik habe ich angefangen. Damals hatte Model 230 Mitarbeiter, heute verdienen 3.000 Personen ihr Brot bei Model. Es wurden immer Saläre gezahlt, die über dem Durchschnitt in unserer Industrie lagen, die Sozialleistungen waren vorbildlich und lagen über den gesetzlichen Leistungen, Model hat Mitarbeiterwohnungen gebaut mit einem Standard, den man suchen muss, es wurde überdurchschnittlich in Maschinen, Gebäuden und Anlagen investiert, und die Familie Model hat sich immer persönlich um die Belange ihre Mitarbeiter gekümmert. Da sind solche anonyme Kommentare fehl am Platz.
Beitrag kommentierenmercator (02. Juni 2012, 06:49)
...Model - ein Glücksfall für die Schweiz....
Micellas galliger Kommentar schützt soziales Bewusstsein vor. Tatsache ist, Models Werk gehört zu den Leuchttürmen unserer Zeit. Einer Zeit, in der es den Schwachen und Armen...und Faulen in umserem Land nie besser gegangen ist, als heute !
Beitrag kommentierenmicella (02. Juni 2012, 09:21)
Gegenwelt
Lieber Mercator. Ich frage mich, in welcher Gegenwelt Sie leben. - Eine andere Taktik besteht natürlich auch darin, dass man einfach Dinge ausblendet, die einem nicht ins eigene Weltbild passen. - Ausserdem scheinen manche Leute noch nie etwas von Ethik und Moral gehört zu haben.- Ist es wohl eine Erziehungsfrage?
Beitrag kommentierenEs ist mir natürlich klar, dass Herr Model einige Anhänger haben wird, denn wo Geld und Macht herrscht, sind Nutzniesser nicht weit entfernt.
Nebenbei einen Witz, der zwar nicht ganz zutrifft, aber in diese Richtung geht: Ein Neurotiker ist einer, der Lutschlösser baut, ein Psychotiker ist einer, der darin lebt und ein Psychiater ist derjenige, der die Miete dafür einkassiert.
micella (01. Juni 2012, 17:52)
gekaufter Beitrag?
Na ja, Schönreden oder besser gesagt Schönschreiben hilft hier wohl gar nichts. Unter Querdenken verstehe ich etwas anderes. Hier pflegt dieser Herr vor allem seinen krankhaften Narzissmus.- Es wäre schön, wenn Herrn Models Angestellte auch so viel Freiheiten geniessen dürften, aber leider wurden diese nicht auf Rosen gebettet und müssen sich ihren Lebensunterhalt hart erarbeiten, ohne auf eine grünen Zweig zu kommen. Aber eben, Schmerzen sollen ja schön sein... Da wundert es einen nicht, dass im Thurgau im sozialen Bereich so viele Defizite bestehen, wenn es noch mehr von diesen asozialen Feudalherren gibt. -Ich darf gar nicht daran denken, wieviel Gutes man mit diesem Geld hätte tun können. Manches Menschenleben hätte gerettet werden können.
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