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Tagblatt Online, 20. Juni 2012 06:42:00

Kanti streicht die Maturareise

Kanti Schueler und Schuelerin Zoom

Setzen sich für die Maturareise ein: Dominic Lehmann, Azemine Ademi, David Meier (vorne), Florian Bolli und Janik Witzig. (Bild: Nana do Carmo)

Frauenfeld schafft als letzte Kantonsschule im Thurgau die Abschlussreise ab. 70 000 Franken sollen dadurch eingespart werden. Die Schüler sind erbost und starten eine Unterschriftenaktion gegen den Beschluss.

IDA SANDL

FRAUENFELD. Nur noch zweimal reisen, dann ist Schluss: Wer im Jahr 2015 an der Kantonsschule Frauenfeld seinen Abschluss macht, muss die Maturareise selber organisieren. «Bei den anderen Kantonsschulen im Thurgau ist das schon lange so», sagt Rektor Hanspeter Hitz. Frauenfeld habe sich bisher diesen Luxus geleistet. Nun aber ist Sparen angesagt im Kanton. Das Erziehungsdepartement hat beschlossen, dass keine staatlichen Mittel mehr in die Abschlussreise fliessen dürfen. Er habe sich nicht dagegen gewehrt, sagt Hitz. «Es gibt wichtigere Dinge, bei denen wir keine Abstriche machen wollen.» Die Maturareise dagegen sei «nett» aber verzichtbar.

100 Franken für die Kultur

70 000 Franken kann die Kantonsschule im Jahr einsparen, wenn sie die offizielle Abschlussreise streicht. Der Beitrag für den einzelnen Schüler ist zwar klein. Gerade mal 100 Franken pro Kopf zahlt die Kanti an die Reise. «Bildungszuschuss», sagt Hitz. Davon werden zum Beispiel Eintrittskarten für Museen oder Ausstellungen gekauft. Denn, wenn die Maturareise innerhalb der Schulzeit stattfindet, müsse sie auch einen gewissen Anspruch erfüllen. Das macht bei rund 200 Abschluss-Schülern um die 20 000 Franken aus. Sehr viel stärker ins Gewicht fallen die Spesen für die begleitenden Lehrer (zwei pro Klasse) und die Kosten für die Unterrichtsstunden, die ersetzt werden müssen. Es hat auch sein Gutes, wenn die Abschluss-Reise nicht mehr von der Schule organisiert wird, findet Hitz. Dann müssen die Schüler selber initiativ werden. Wie es in Romanshorn und Kreuzlingen schon jetzt der Fall ist. Seit mindestens zehn Jahren ist die Maturareise in Kreuzlingen reine Privatsache. Trotzdem fahren die meisten Abschluss-Klassen miteinander weg. «Oft kommen aber nicht mehr alle Schüler mit», sagt Rektor Arno Germann. Er meint, die Zeit der Maturareisen sei vorbei. Das sei sinnvoll gewesen als noch nicht soviel gereist wurde wie heute.

Die betroffenen Schülerinnen und Schüler freut es nicht, dass ihre Abschlussfahrt ins Wasser fällt. 355 Unterschriften hat der Schülerrat bisher an der Kanti Frauenfeld gesammelt. «Fast 50 Prozent haben unterschrieben», sagt Vizepräsident Dominic Lehmann. Sogar einige Lehrer hätten sich solidarisch erklärt.

Ermuntert von diesem Erfolg, will der Schülerrat die Aktion nun auf die anderen Kantonsschulen und die Pädagogische Maturitätsschule ausdehnen. Denn Maturareisen lassen sich nicht nur abschaffen, sondern auch wieder einführen. «Manche Kantone – wie der Aargau – tun das», sagt Dominic Lehmann. Er ist 17 Jahre alt und besucht die zweite Klasse Gymnasium. Damit gehört er zum letzten Jahrgang, der in den Genuss einer schulisch organisierten Maturareise kommt.

Schüler schreiben an Knill

Eine Abschlussreise, die die Schüler selber auf die Beine gestellt haben, sei nicht das Gleiche, sagt er. Die Maturareise sei eine Tradition an der Frauenfelder Kantonsschule. «Da freut man sich schon ab der ersten Klasse darauf.» Heute treffen sich die Schülerräte, um einen Brief an Erziehungsdirektorin Monika Knill zu schreiben. Darin wollen sie Knill auffordern, den Beschluss zu überdenken. Denn, sagt Dominic Lehmann, und klingt dabei fast wie ein politischer Profi: «Hier wird am falschen Platz gespart.»





Leser-Kommentare:
10 Beiträge

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unbekannt (21. Juni 2012, 22:17)
Sicht eines Schülers

Guten Abend, ich bin 15 und in der 1.Stufe der Kanti Frauenfeld und bin gerade auch betroffen.

Ich wollte ihnen nur kurz die Sicht von uns Schülern und speziell von mir erläutern.

Nun wie gesagt bin ich noch nicht lange an dieser Schule, doch was jeder Kantischüler sehr früh erfährt ist, wie toll die Abschlussreise ist. Wir könnten sicher eine Reise organisieren, welche nicht zu Schulzeiten stattfindet, doch ich glaube nicht, dass sich dann jedes Klassenmitglied daran beteiligen wird. Und da es als Abschlussreise gesehen wird sollte doch auch jeder dabei sein. Dazu kann man mit den Lehrern noch eine interessante Woche verbringen und einfach noch mit diesem "Teil des Lebens"abschliessen und ihn in guter Erinnerung behalten. Ich denke der Kanton spart hier wirklich am falschen Ort, den der Kanton gibt laut einer Statistik des Kantons selbst 384.7 mio Fr. für die Bildung aus, da spielen doch 70000 mehr oder weniger auch keine Rolle mehr

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TWdesign (21. Juni 2012, 19:41)
Am falschen Ort

Man mag die Investition so oder so sehen. Natürlich verstehen manche nicht, weshalb die Maturareise vom Steuerzahler bezahlt werden sollte und diese Frage ist berechtigt. Allerdings stattet sich die Kantonsschule mit Designermöbeln und neuen Beamern aus, obwohl als Beispiel im 2. Falle die alten noch funktionstüchtig waren. Wichtig ist, dass offensichtlich am falschen Ort die Einschränkung passiert und an sinnlosen Orten das restliche Geld verprasst wird. Den Schülern der Kantonsschule Frauenfeld wurden schon andere Rituale und Privilegien gekürzt, Entscheidungen wurden über ihren Köpfen getroffen, ohne sie recht zu informieren.
Wie kann es sich diese Schule erlauben, eine durchaus sinnvolle Reise zu streichen und vollkommen sinnlose technische Neuerungen einzuführen?
Diese Schüler werden Studenten und sehen lange nichts von der Welt. Als so reiches Land sollte man es ihnen ermöglichen, mindestens eine Reise zu unternehmen.

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deich (21. Juni 2012, 16:38)
So gesehen...

Lieber MERCATOR! Nun outen Sie sich aber kräftig als einer der die Welt - wie sie ist, nicht versteht (oder verstehen möchte!). Das ist zum Glück bei uns nicht mal verboten. Nur scheinen Sie vom umfassenden Begriff "Bildung" nicht arg viel zu halten. Es ist jedoch so, dass zum Beispiel auch im modernen Gewerbe sogar der einzelne "Büezer" heute viel besser "(aus-) gebildet" werden muss, als noch vor 20 Jahren, und dass eine Gesellschaft nur dann gut funktionieren und Wohlstand schaffen kann, wenn in allen Sparten, auf jedem Niveau, die entsprechende Bildungsanforderung dem Ziel gerecht wird. Wenn Sie mit Ihrer Bezahlung nicht einverstanden sind, so kann dieser Umstand, wenn er dann existieren sollte, nicht mit "Bildungsabbau" oder "Bildungsverweigerung" behoben werden. Ganz im Gegenteil! Sie sollten "das Heil mit der Bildung" wirklich nochmals mit einem "Brainstorming" durchgehen. Ist dieser Begriff bereits "schnöde supergescheit"?

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mercator (21. Juni 2012, 12:50)
...gestörtes Verhältnis....

Unser Heil liegt nicht in der schnöden Bildung, sondern in der Erkenntnis des Nutzens. Was nützen uns denn immer mehr Aerzte, Juristen, Therapeuten, Soziologen, Meteorologen - Professoren usf. Haben wir weniger Kranke, eine effizientere Rechtssprechung, besseres Wetter, weniger Sozialfälle. Merkt den keiner dieser supergescheiten Kommentatoren, dass sich das Akademikariat in parasitärer Weise vorweigend mit sich selbst beschäftigt....und die tatsächlich notwendigen Arbeiten lieber denen überlässt, die zu tiefen Löhnen auf Baustellen und in Werkstätten Leistungen erbringen, welche diesen Namen auch zu recht tragen....

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ith.eduard (21. Juni 2012, 10:27)
Zahlen kann nur weg Geld hat.

Um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen: Bildung kostet und gute Bildung hat seinen Preis, aber es ist die beste Investition, die sich ein Land leistet, das keine Rohstoffe hat. Eigenleistung und Eigenverantwortung begründet sich nicht nur alleine auf dem materiellen Wert, sondern auch dem Willen, dem Fleiss etwas erreichen zu wollen, das dem Land und somit der Gesellschaft als Ganzes zurückkommt. Das Beispiel des Ärztemangels zeigt es sehr deutlich, wo eine verkappte Sichtweise hinführt. Da wird geschrienen «Hilfe die Deutschen kommen» und die Sünneli-Partei steht schon Gewehr bei Fuss, dabei haben wir ja die Deutschen (u.A. Ärzte) gerufen, weil wir uns im Bildungswesen kaputt sparen.

Wie blöde muss man sein, dass man am eigenen Ast sägt, auf dem man sitzt?!
Wenn nach erfolgreichem Maturaabschluss nicht mal mehr eine Bildungsreise drin liegt und das im reichsten Land der Welt, dann sind die Politiker nicht mehr unser Geld wert.

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deich (21. Juni 2012, 08:57)
Gut, Micella

Zu einer Maturanden-Bildungsreise, lieber MERCATOR, als Abschluss der Schulzeit, kommen noch genügend "Eigenleistungen" dazu. Ihre Bemerkung: "dem Steuerzahler", geht wie ein roter Faden durch all Ihre Beiträge. Nun sind es für einmal nicht "die Asylanten", sondern ist es "die Bildung", die so arg Sorgen zu bereiten hat, da sie in einem modernen Land halt eben etwas kostet, will es weiter "Weltspitze" bleiben, wie stets erwähnt wird. Nein: MICELLA trifft mit ihrer Darstellung den richtigen Ton. Wenn schon von "Steuern" die Rede sein soll: Warum wohnt dann etwa "Vettel" im Thurgau? Warum soll ein "Öffentlicher Autofahrer" nicht exakt aufgrund dessen veranlagt werden, was er tatsächlich verdient, wie es beim "Normaleinwohner" des Kantons die Regel ist? Nur ein Beispiel unter vielen. Es gibt welche, die "Steuergerechtigkeit" nicht erkennen wollen und Ungleichheit geradezu hofieren. Da herrscht echt Konkurrenz unter Kantonen und Gemeinden.

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mercator (20. Juni 2012, 15:55)
...wie wärs denn mit Eigenleistung ?

Zig Millionen werden jährlich für die sog. Bildung ausgegeben, die offenbar keinerlei Einsichten generiert - wie dieses Beispiel treffend zeigt....sonst käme es ja jemandem in den Sinn die Reise selbst zu berappen, anstatt dieses Abschlussvergnügen auch noch dem Steuerzahler aufzubürden. So wie es ihre zweifelhaften Protagonisten Deich und Micella auch gerne hätten.

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micella (20. Juni 2012, 17:15)
Auch schon überlegt..

Ja, mercator, wenn das Leben so einfach wäre und alle so gut betucht wären wie Sie (was ich ja annehmen muss), dann wäre es kein Problem. Aber es können nicht alle von Steuerprivilegien profitieren und sich dann mal etwas Extra leisten. Haben Sie sich auch schon überlegt, wie es Familien mit Kindern ergeht? -Schliesslich zahlen diese Maturanden bald einmal Steuern und refinanzieren ihre Ausbildung.- Wieso sollen sie keine Maturareise machen dürfen, wie all ihre Vorgänger? Haben Sie, mercator, all die Annehmlichkeiten, die Sie von der Gesellschaft erfahren durften, selbst berappt? Mussten Sie Ihre Diplomreise oder Maturareise selbst finanzieren, bzw. Ihre Eltern?

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deich (20. Juni 2012, 08:58)
Regen

Zum Abschluss einer jahrelangen "pädagogischen Reise" ist es schön, sich nach bestandenem Abitur nochmals zusammen zu finden und ein kleines Stück Welt - oder auch nur Europa - gemeinsam zu erkunden und zu geniessen, bevor man sich in alle Winde zerstreut. Sollte das Ganze einen Sinn machen und sind die vielen "Betroffenen" der Ansicht, dass das Erziehungsdepartement hier den Sparwillen an falscher Stelle einsetzt, müssen sie reagieren. Über "Facebook" und "Twitter" sollte das allemal gelingen. Es ist gut, wenn sich die Jugend einmal sperrt. Vielleicht sind im Thurgau letztlich die "Piraten" gar nicht weit entfern und Politik - auch die pädagogische - bekommt jene Dynamik, die im Kanton "die Denke" neu entfachen kann, in dem nicht nur stets über "tiefere Steuern", "Pauschalbesteuerung" und "neue Strassen" gesprochen und - bei Gelegenheit - "grösseren ökologischen Reservaten" (!) stets einen Riegel vorgeschoben wird. Also: Sich regen!

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micella (20. Juni 2012, 07:26)
Traurig

Ist ja schon traurig, was man da aus dem Thurgau hört. Maturareisen werden abgeschafft. Ergängzungsleistungen werden gekürzt werden. Gleichzeitig werden Steuern gesenkt und deshalb muss gespart werden....
Ich frage mich, wo das noch hinführen wird und wie lange das noch gut gehen wird. Muss deshalb für (gute Steuerzahler) geworben werden, damit sie in den Thurgau ziehen? Es wird Zeit, dass die Thurgauer aus ihrer Lethargie erwachen und sich endlich zu wehren beginnen.

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