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Tagblatt Online, 15. Juni 2012 06:33:00

Erste elektrische Bahn im Thurgau

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Ein Personenzug in Fahrtrichtung Frauenfeld hält zur Zeit der Dampftraktion in Münchwilen. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Vor 125 Jahren fuhr der erste Zug der Frauenfeld-Wil-Bahn (FW). 1921 wurde die FW elektrifiziert. 2013 rollen fünf neue Niederflurtriebzüge an.

MARTIN KNOEPFEL

Seit 1855 fuhr die Eisenbahn von Winterthur nach Romanshorn und St. Gallen. Zugleich gab es erste Studien für eine normalspurige Strecke Wil–Frauenfeld–Schaffhausen. Geldmangel verhinderte die Realisierung.

1880 nahmen die Bemühungen Fahrt auf. Nun wurde die FW als schmalspurige Bahn neben und in der Landstrasse geplant, um Geld zu sparen. Die Kantone St. Gallen und Thurgau, Gemeinden sowie Private zeichneten Aktien. Nach viereinhalb Monaten Bauzeit fuhr am 1. September 1887 der erste Zug. Der Bau kostete 550 000 Franken, drei Dampflokomotiven und 22 Wagen inklusive.

Die Werkstätte der FW lag beim Frauenfelder Stadtbahnhof, heute Marktplatz. Dort entstand später ein Verwaltungsgebäude, das 1993 abgerissen wurde. Zwischenstationen waren einfach ausgestattet. An einigen Orten verkauften die Postämter Billette, und Wirtshäuser dienten als Wartesäle. Das kann man der Zeitschrift «Eisenbahn-Amateur» entnehmen, die die FW in der Juni-Ausgabe würdigt.

Fahrzeit eine Stunde

Ein Billett Frauenfeld–Wil in der 3. Klasse (einfach) kostete 1887 1,30 Franken. Wegen der Inflation muss der Betrag mindestens verzehnfacht werden, um das heutige Niveau zu erreichen. Die Fahrt dauerte eine Stunde.

Im Ersten Weltkrieg litt die FW unter dem starken Rückgang des Verkehrs und der Verachtfachung der Kohlepreise. Nur dank Finanzspritzen der Kantone überlebte sie. Der Ausweg war die Elektrifizierung. Ende 1921 war es so weit – die anderen Bahnen im Thurgau fuhren noch mit Dampf. Die FW startete mit drei Triebwagen ins neue Zeitalter. Einer existiert noch. Der Raum, in dem er steht, wurde aber auf August gekündigt.

2013 kommen neue Züge

Weiterhin war bei der FW Sparsamkeit Trumpf. Erst 1984 gab es neue Trieb- und Steuerwagen. 2013 liefert Stadler Rail fünf neue Triebzüge mit Niederflureinstieg. Dann werden die heutigen Züge bis auf zwei überflüssig. Das antwortete Andreas Liniger, Direktionsassistent der Appenzeller Bahnen, die den Betrieb führen.

In den letzten Jahrzehnten modernisierte die FW mit Unterstützung der öffentlichen Hand die festen Anlagen, etwa Bahnhöfe, Signale und die Stromversorgung. In Wil entstand eine neue Werkstätte. Zudem baute die FW den Fahrplan aus. Eine Folge der Strecke entlang der Strasse sind die vielen Bahnübergänge. Gemäss Liniger sind noch rund 50 Übergänge zu sanieren. Aktuell seien Projekte in Münchwilen und Matzingen. Werner Müller, zuständig für den öffentlichen Verkehr im Thurgau, erwartet, dass alle Übergänge bis 2014 saniert werden können, sofern es keine Verzögerungen durch Einsprachen gibt.

Mehrfach wurde erwogen, die FW auf Bus umzustellen. 1969 riet die ETH dazu sowie zum Bau einer vierspurigen Schnellstrasse im Murgtal. Die Ölkrise 1973 rettete die FW. Nach 2003 kam das Thema erneut in die politische Diskussion. Der Regierungsrat entschied jedoch 2006, an der Bahn festzuhalten. Für den Busbetrieb setzt sich vor allem ein Frauenfelder Transportunternehmer ein.

Tag der offenen Tür in der Werkstätte Wil: Samstag, 16. Juni, 10–16 Uhr. Führerstandsfahrten für Kinder. Am 16. Juni fährt man von 9–17 Uhr auf der ganzen FW gratis.




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