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Tagblatt Online
28. Januar 2016, 07:28 Uhr

Erlen: SVP-Ortsparteipräsident ist Urheber der anonymen E-Mails

Die Schule Erlen: Der Beschuldigte war hier als Abwart tätig. Zoom

Die Schule Erlen: Der Beschuldigte war hier als Abwart tätig.

ERLEN. Erlen kommt noch nicht zur Ruhe. Die anonymen E-Mails, in denen Anschuldigungen gegen einen Hauswart und den Schulpräsidenten der Schule Erlen erhoben wurden, haben ein politisches Nachspiel.

INGE STAUB

Der Mann, der die Nachrichten verschickt hat und gegen den eine Strafuntersuchung läuft, ist ein ehemaliger Schulhausabwart und hat in Erlen zwei öffentliche Ämter inne: Er ist Kommandant der Feuerwehr Erlen und Präsident der SVP Ortspartei. Am letzten Nationalfeiertag hat er die 1.-August-Rede gehalten. Dies hat die TZ aus einer zuverlässigen Quelle erfahren.

Zwar kann die Strafuntersuchung, die gegen ihn läuft, materiell nicht mit seinen öffentlichen Funktionen in Verbindung gebracht werden, dennoch stellt sich die Frage, ob ein Mann, der anderen Schaden zugefügt hat, in Ämtern wie Kommandant der Feuerwehr oder Präsident einer Ortspartei noch tragbar ist. Als Chef der Feuerwehr ist er für die Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich. Dies bedingt Vertrauen auf beiden Seiten.

Der Mann steht seit Herbst 2008 an der Spitze der Feuerwehr Erlen. Er wurde vom Gemeinderat zum Kommandanten ernannt. Für die Feuerwehr sind im Thurgau die Gemeinden zuständig. In Erlen steht sie unter Aufsicht des Gemeinderates.

Heute tagt der Gemeinderat

Heute befasst sich der Erler Gemeinderat mit den Vorfällen an der Schule. Zum Beschuldigten und seiner Verantwortung als Kommandant der Feuerwehr nimmt Gemeindepräsident Roman Brülisauer keine Stellung. «Offiziell ist nicht bekannt, welcher der Hauswarte die E-Mails geschrieben hat», sagt er. «Wir werden dem nachgehen.»

Wie die Staatsanwaltschaft Thurgau kürzlich mitteilte, ist es erwiesen, dass einer der Schule nahe stehende Person die anonymen E-Mails verschickt hat. Der Betreffende hat dies zugegeben. Zudem hat er gestanden, auch anonyme Anrufe getätigt zu haben. In den E-Mails hat der Hauswart unter anderem einen anderen Hauswart beschuldigt, sexuelle Handlungen mit Kindern vorzunehmen. Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft gingen dem nach. Die Vorwürfe haben sich als haltlos erwiesen.

Weshalb der SVP-Ortspräsident diese Vorwürfe erhoben hat, ist noch unklar. Das Motiv ist nach wie vor Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Der Mann wird von der Staatsanwaltschaft zu den einzelnen Fällen derzeit detailliert befragt. Er arbeitet inzwischen nicht mehr an der Schule Erlen. Der ehemalige Hauswart sagt auf Anfrage: «Da es sich hier um ein laufendes Verfahren handelt, werde ich dazu keine Angaben machen.»

Ob der Erler Gemeinderat den Beschuldigten als Kommandant der Feuerwehr entbinden wird, ist noch unklar. Bislang war man in Erlen mit seiner Arbeit zufrieden. So haben Feuerwehr und Zivilschutz unter seiner Leitung im vergangenen Sommer wegen des grossen Unwetters unzählige Einsätze bewältigt.

SVP wartet Untersuchung ab

Neben der Feuerwehr engagiert sich der Mann in der SVP. Keine Kenntnis über ein Fehlverhalten des Präsidenten der Erler Ortspartei hat die SVP-Kantonalpartei. «Es läuft eine Untersuchung. Deren Ergebnis muss abgewartet werden. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung», sagt Ruedi Zbinden, Präsident der SVP-Kantonalpartei.

Im Laufe des Verfahrens wird der Staatsanwalt entscheiden, ob der ehemalige Hauswart einen Strafbefehl erhält oder vor Gericht angeklagt wird. Es könnten ihm Beschimpfung oder falsche Anschuldigungen zur Last gelegt werden.


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bolae (28. Januar 2016, 14:53)
Ausweisen?

Würde das bei einem Usländer für eine Ausweisung reichen?

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hanskast (28. Januar 2016, 10:16)
Überrascht? Nein!

Wer das Fussvolk anspricht, muss auch in Kauf nehmen, dass dieses nach oben drängt! Es ist wie mit den Schiedrichtern im Sportclub, man ist froh, wenns einer macht.

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Ahorngrau (28. Januar 2016, 10:10)
Schadensregulierung?

Tatsache: Der Schulgemeinde Erlen ist durch die Diffamierungskampagne auch ein finanzieller Schaden entstanden. Während der Suspendierung der beiden Abwarte im Sommer sind Lohn- und Lohnnebenkosten entstanden für die keine Arbeitsleistungen erbracht wurden. Das heisst die Ausfallstunden mussten entweder Extern oder Intern durch Überzeit geleistet werden. Zudem sind in der Schulverwaltung sicherlich einige Mehrstunden angefallen. Frage: wem wird dieser Mehraufwand verrechnet oder wird darüber ein Teppich des Schweigens und Vertuschens gebreitet?
Ein Gutes hat diese Affäre noch: der Weinfelder Anwalt hat wieder neue Arbeit. Für ihn leider schlecht : Die Bezahlung wird leider im "geschlossenen" Kreislauf d.h. parteiintern und mit grossen Rabatten passieren müssen. Fazit der Geschichte: Wer andern eine Grube gräbt, fällt sehr oft selbst hinein!

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nabru (28. Januar 2016, 08:16)
und es wird noch besser

der Gemeindepräsident Roman Brülisauer (SVP, was sonst)weiss "Offiziell" nichts!!! trotz staatsanwaltlicher Aussage.

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Ostler (28. Januar 2016, 10:09)
es sind Verhältnisse wie in Kommunismus

der politische Leiter (Ideologe) hat immer mehr zur sagen als die Fachmänner. Deswegen auch hat Kommunismus Bruchlandung erlitten. Erlebt das auch Erlen

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nabru (28. Januar 2016, 08:10)
:-)))))

überraschet es einem, von welcher Partei er ist?
Ich glaube wohl eher nicht, das ist die Kulter der SVP. Nicht mit handfesten Argumenten sondern mit Dreck zu werfen!

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