St.Galler Tagblatt Online, 02. Juli 2012 06:52:00
Einigung auf Kosten des Ostens?
Ein Passagierflugzeug im Ostanflug auf den Flughafen Zürich. (Bild: ky/Walter Bieri)
FRAUENFELD. Der gekröpfte Nordanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten soll wieder aktuell und eine Lösung des Fluglärmstreits nahe sein. Der Präsident des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau vermutet, dass alles nur ein abgekartetes Spiel ist.
MARTIN KNOEPFEL
Ein Kompromiss im Fluglärmstreit mit Deutschland sei eine Frage von Tagen. Das meldete die «NZZ am Sonntag» von gestern (siehe Kasten). Der gekröpfte Nordanflug, bei dem die Flugzeuge aus einem Warteraum im Aargau eine Rechtskurve fliegen und den Flughafen von Norden erreichen, sei wieder im Gespräch. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt wolle den Anflug mit Satellitennavigation bewilligen. Der gekröpfte Nordanflug solle von sechs bis sieben Uhr morgens gelten. Zudem würde eine Verlängerung der Piste 10/28 mehr Ostanflüge erlauben und den Norden entlasten.
Kein direkter Zusammenhang?
Wie hängt der gekröpfte Nordanflug mit der Verlängerung der Westpiste 10/28 zusammen? Ein direkter Zusammenhang bestehe nicht, sagt der Schaffhauser SVP-Nationalrat Thomas Hurter, der nach eigenen Worten nicht in die Verhandlungen involviert ist. Der Linienpilot sagt, der gekröpfte Nordanflug senke die Kapazität des Flughafens. Die Verlängerung der Westpiste erlaube es, dort mit schwereren Flugzeuge zu starten. Die Verlängerung ermögliche zudem, gleichzeitig von Norden auf der Piste 14/32 zu landen und auf der Westpiste zu starten. Schliesslich könnten grössere Flugzeuge nicht nur bei trockener Piste von Osten her landen. Der Flughafen werde dadurch flexibler.
Nein zur Pistenverlängerung
Der Sirnacher Gemeindeammann Kurt Baumann ist im Lenkungsausschusses der Region Ost. Er bekräftigt, dass diese die Verlängerung der Piste 10/28 «kategorisch ablehnt». Die Region Ost vereinigt 85 Gemeinden, davon 42 im Thurgau, mit fast einer halben Million Einwohner. Die Region Ost habe mehrmals gefordert, den gekröpften Nordanflug zu prüfen und den Flughafen auf die Nordausrichtung zurückzuführen, sagt Baumann – unter einer Bedingung: Die Belastung im Osten solle auf's Niveau vor 2001 sinken. Baumann befürchtet, die Einigung von Bern mit Berlin läuft darauf hinaus, dass Berlin den gekröpften Nordanflug akzeptiert und dafür weniger als 80 000 Anflüge über Deutschland erhält. Um den Süden zu entlasten, werde der Osten stärker belastet.
Josef Imhof, Präsident des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau, glaubt an ein abgekartetes Spiel. Der Bundesrat werde wohl noch vor den Sommerferien «eine Lösung aus dem Hut zaubern». Den Artikel der «NZZaS» beurteilt er als Teil der Dramaturgie, um darauf vorzubereiten, dass die Verlängerung der Piste 10/28 im SIL-Objektblatt für den Flughafen bleibe. Die Aussage, vor allem der Süden leide unter Fluglärm, verkenne, dass der Osten Starts und Landungen erdulde.
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